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Dessous, Dildos, Peitschen: Vibratoren statt Tupperdosen: Was ich auf einer Sextoys-Party erlebt habe

Eigentlich sind unsere Autorin und ihre Freundinnen allesamt erwachsene, aufgeklärte Frauen. Trotzdem kamen sie aus dem verlegenen Gekicher nicht raus, als sie gemeinsam Sexspielzeug testen sollten. 

Von Ninia "La Grande" Binias

"Ok, ich habe für euch auch ein paar Kleinigkeiten auf der Toilette bereitgestellt, die ihr direkt ausprobieren könnt", Katja lächelt uns an, "ansonsten erkläre ich alles und ihr dürft natürlich ganz viel fragen – los geht’s!" Zehn Augenpaare starren sie gespannt an. Einige kichern, andere halten sich an ihrem Sekt fest. Ich nehme einen tiefen Schluck von meinem .

Wir sind alle erwachsen. Erwachsene, aufgeklärte, selbstbestimmte Frauen, die einen Junggesellinnenabschied feiern – und sich dabei mal ein bisschen Spielzeug für erwachsene, aufgeklärte, selbstbestimmte Frauen zeigen lassen wollen. Untereinander kennen wir uns kaum. Um uns herum Dessous, Dildos und Peitschen. Schon auf dem Hinweg haben wir uns weggekichert und ein Witzchen nach dem anderen gerissen. Als wäre es etwas Unangenehmes, sich einfach mal über Spielarten und Möglichkeiten, den Geschlechtsverkehr spannender zu gestalten zu informieren. Ich fühle mich wie im Sexualkunde-Unterricht in der sechsten Klasse. Schon mal von gehört, aber alles ein bisschen neu und irgendwie peinlich. Deshalb dieses alberne Gekicher.

Eine Frau, die sich amüsiert

Wie albern erwachsene Frauen werden können, wenn sie über Sexspielzeug sprechen ...


Auf der Toilette stehen Tuben mit Vaginalcreme

Katja beginnt, uns zu erklären, wie angenehm es sein kann, sich gegenseitig Schokolade oder andere süße Dinge vom Körper zu lecken. Soweit nichts Neues. Anstatt einfach leckere Dinge im Supermarkt zu kaufen, empfiehlt sie uns aber die hauseigene Creme mit Schokoladengeschmack, die nicht nur für mehr Aufregung sorgen soll, sondern auch noch hautpflegend ist. "Super", flüstere ich meiner Sitznachbarin ins Ohr, "wenn meine Bodylotion alle ist, nehme ich morgens einfach den Schokopott." Sie lacht, schmiert sich eine Geschmacksprobe auf ihre Hand und leckt sie ab. "Ich sage mal so", sie schaut mich an, "Hautpflege hin oder her, aber das Produkt aus dem Supermarkt lässt zumindest meine Geschmacksnerven mehr explodieren."

Katja gibt sich sehr viel Mühe, die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen an die Frau zu bringen und zeigt uns mehrere hautschmeichelnde Werkzeuge, mit denen die Creme verteilt werden kann. 'Als wären meine Finger nicht gut genug', denke ich. Nach zwei Bieren muss ich endlich auf Toilette – Zeit, mir die groß angekündigten Spielereien anzuschauen.

Auf dem romantisch mit Kerzen ausgeleuchteten WC stehen zwei Tuben mit Vaginalcreme. Die eine hat einen wärmenden Effekt, die andere einen kühlenden. 'Wenn ich beide mische, bleibt's so wie es ist?!', frage ich mich. Dann entscheide ich mich für ein bisschen Frische untenrum. Wärme im Genitalbereich war noch nie mein Ding, schon bei einer Sitzheizung denke ich nach wenigen Minuten, meine Beckenbodenmuskulatur hätte jetzt komplett ihren Geist aufgegeben. Wie geil kann es machen, wenn man denkt, man habe sich gerade eingepinkelt?

Bei den Liebeskugeln kann ich Erfahrung vorweisen

Leicht o-beinig wackele ich zurück in den Verkaufsraum.

"Und?", fragt Katja.

"Kühlend", sage ich.

"Und?", fragt die Sitznachbarin.

"Jo, kühlt", sage ich. "Fühlt sich das gut an?", will sie wissen. "Naja", sage ich, "bis jetzt nur kühl, ich weiß auch nicht."

Als Gleitgelersatz ist diese Creme bestimmt eine tolle Nummer, aber so ganz überzeugt mich der Effekt nicht. Katja empfiehlt, die Creme auch mit ins Büro zu nehmen, um zwischendurch mal ein bisschen Aufmunterung zu haben. 'Wenn ich mir bei meinem Job die Vagina aufwärmen muss, damit es mir ein bisschen besser geht, muss da aber schon einiges schief laufen', denke ich.

Nach und nach kommen die anderen Frauen in mehr oder weniger auffälligem Gang von der Toilette. Wir können uns nicht auf einen Favoriten einigen. Was wir nach wenigen Stunden wissen – eine Slipeinlage macht sich ganz gut, wenn man mit dem Zeug nicht nur schön fresh gekühlt auf dem Bett rumliegen will.

In der nächsten Runde darf ich endlich die Streberin raushängen lassen. "Hab ich schon!", rufe ich aufgeregt, als Katja die Liebeskugeln aus Silikon in die Luft hält. Stolz berichte ich von meinem ersten Muskelkater an Stellen, von denen ich nicht wusste, dass da überhaupt Muskeln sind und empfehle das motivierte Treppensteigen, wenn man die Dinger gerade trägt. So schnell gibt mein Beckenboden dann nämlich doch nicht auf – er ist im Training.

Bei den Vibratoren wird es spannend

Dann wird es endlich richtig interessant. Handliche zum Auflegen machen die Runde. Alle sind inzwischen gut angetüddelt. Ein paar schaffen es sogar schon, Penis und Vulva zu sagen, ohne dabei kichern zu müssen. Plötzlich unterhalten sich Frauen über ihre Erfahrungen, die sich vor zwei Stunden das erste Mal gesehen haben. Meine Sitznachbarin fragt, was sie jetzt mit diesem vibrierenden Ding machen solle. "Ausprobieren!", ruft Katja fröhlich. Ungläubig starrt die Sitznachbarin erst mich und dann Katja an: "Äh, jetzt? Hier?" Katja lacht: "Nein! Leg ihn einfach auf deine Jeans, das reicht schon!" Die Sitznachbarin hält ihn über ihre Jeans und überlegt. "Zeig mal!", sage ich und lege das vibrierende Ding in Form einer Minibanane mit Beulen auf meinen Schritt. Alle starren mich an. "Ja, ist ok", sage ich grinsend. Am Ende bestellen alle zehn einen Mini-Vibrator.

Dann holt Katja die Highlights aus dem Regal. Verschiedene und Vibratoren. Den Delphin-Klassiker, den pinken Superstar und allerlei Geräte mit Noppen, Haken und anderen Spielereien. Wir dürfen alles anfassen, anschalten und Fragen stellen. Fast alle von uns haben Erfahrung mit einem der freundlichen Helferchen aus Katjas Sortiment, aber mal was Neues kennenzulernen, schadet ja nicht. Dann zeigt uns Katja den neuesten Verkaufsschlager – einen Vibrator, der aussieht wie ein stinknormaler Durchschnittspenis. "Der ist einem stinknormalen Durchschnittspenis nachempfunden", erklärt Katja. "Ernsthaft", sagt meine Sitznachbarin, "wenn ich alles haben kann – alles – warum nehme ich dann den Durchschnittspenis? Der ist nicht mal hübsch!" Sie legt ihn sich auf die Jeans. "Fast so langweilig wie mein Ex", stellt sie trocken fest. Der Durchschnittspenis ist durchgefallen.

Nach zwei Stunden klingelt Katjas Kasse und wir sind glücklich. Alle erkundigen sich, ob die Ware auch wirklich neutral verschickt werde und freuen sich plötzlich sehr auf Zuhause. Dieser Junggesellinnenabschied ist schon ein paar Jahre her – der Auflegevibrator leistet immer noch gute Dienste. Wenn ich mal ein bisschen runterkühlen muss, reicht mir allerdings immer noch eine einfache Dusche.


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