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Soziales Netzwerk: Ausgegruschelt: StudiVZ ist insolvent

Es deutete sich schon längere Zeit an: StudiVZ, einst populärstes soziales Netzwerk in Deutschland, ist pleite. Die Betreiber wollen dennoch ein neues Portal an der Start bringen.

Der Betrieb von StudiVZ soll trotz der Insolvenz fortgeführt werden

Der Betrieb von StudiVZ soll trotz der Insolvenz fortgeführt werden - allzu viele Nutzer hat das Portal jedoch ohnehin nicht mehr

Eine Ära ist vorbei: Zwölf Jahre nach dem Launch steht das soziale Netzwerk StudiVZ finanziell am Abgrund. Die Betreibergesellschaft "Poolworks Ltd." meldete beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz an. 

Das Unternehmen kündigte in einer Mitteilung an, dass der Betrieb von StudiVZ und dem Schwesterportal MeinVZ während des Insolvenzverfahrens fortgeführt werden solle. Ziele seien "eine Restrukturierung, der langfristige Erhalt der VZ-Gruppe sowie die Finalisierung der neuen Kernproduktentwicklung".

Dabei geht es dem Unternehmen zufolge um eine neue Plattform für StudiVZ und MeinVZ, ein Prototyp sei bereits entwickelt worden. Die nur noch sieben Mitarbeiter sollen jetzt vorerst Insolvenzgeld erhalten, sagte der eingesetzte Insolvenzverwalter Jesko Stark dem Portal "gruenderszene.de". Er sei zuversichtlich, dass das Geschäft fortgeführt werden könne.


Die Nutzerzahlen von StudiVZ fielen ins Bodenlose

Nach einem Boom Mitte und Ende der 2000er-Jahre waren die Nutzerzahlen bei dramatisch eingebrochen. Als Gründe hierfür zählen die aufkommende Konkurrenz von Facebook, zu wenige Innovationen sowie Datenschutzmängel. In den Hochzeiten verzeichnete StudiVZ über 17 Millionen Mitglieder, zuletzt sprachen die Betreiber von rund 40.000 Besuchern am Tag (zum Vergleich: Facebook hat zurzeit über 20 Millionen deutsche Besucher täglich).


Zur finanziellen Schieflage von "Poolworks" hat möglicherweise auch ein Rechtsstreit mit dem früheren Eigentümer, der "Holtzbrinck"-Gruppe, beigetragen. StudiVZ wurde vom Gericht im Juli dazu verdonnert, drei Millionen Euro an "Holtzbrinck" zu zahlen. Zudem hatte ein "Poolworks"-Gesellschafter aus den USA Schulden beim Finanzamt.

Das Portal finanziert sich in erster Linie über Werbung, die inzwischen geringen Nutzerzahlen dürften es den Betreibern schwer gemacht haben, das nötige Geld wieder einzuspielen.

MySpace war eines der sozialen Netzwerke, auf denen man sich vor Facebook getroffen hat.