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MSN, ICQ und Co.: Super deep und super peinlich: Sprüche, die man sich früher "in den Status" geschrieben hat

Hatten wir nicht alle diese pubertäre Phase, in der wir mit nachdenklichen Sprüchen bei ICQ, MSN und Co. unsere tiefen Gefühle zum Ausdruck bringen wollten? Die Statusleiste war der Ort, wo man seinen Liebeskummer und den Hass auf die Welt rauslassen konnte. Einige Beispiele.

Peinliche Statusnachrichten und Gruppen bei ICQ, MSN und SchülerVZ

In der Statusleiste bei ICQ, MSN und Co. konnte man mal so richtig den ganzen Liebeskummer auslassen

Getty Images

Zwischen 13 und 17 dachte ich damals, ich hätte das Leben durchschaut. Mit sehr, sehr deepen Sprüchen habe ich meinen Liebeskummer, Enttäuschungen und den Hass auf die Welt in meinem Status bei ICQ verewigt. Alle sollten wissen, wie scheiße es mir ging und wie super nachdenklich ich bin. Und ER sollte sich natürlich von den Herzschmerz-Songzitaten angesprochen fühlen und mir endlich seine Liebe gestehen. Zu erwarten, dass ein pubertierender 16-Jähriger zwischen meinen zweideutigen Zeilen liest, war in etwa so naiv, wie anzunehmen, dass man bei Knuddels Menschen ohne pädophile Neigung finden könne. 

Mit diesen mal nachdenklichen, mal passiv-aggressiven Status-Botschaften war ich nicht alleine – das zeigte das obligatorische Scrollen durch die Profile meiner Freunde schon. Manchmal fühlte ich mich sogar ein bisschen angestachelt, mit etwas noch viel Kreativerem oder Pseudointellektuellerem zu kontern. Ich hatte richtige Listen mit Sprüchen für die nächsten zehn Jahre. Für jede Stimmung etwas. 

Jodel-Userin teilt ihre peinlichsten Statusmeldungen auf MSN

So eine Liste hat auch eine Jodel-Userin damals angefertigt. In ihrem Fall aber für den Messanger MSN. Auf der Plattform postet sie: "Gerade auf 'nem USB-Stick alte MSN-Statusmeldungen gefunden, die ich damals gespeichert hatte. Wer will mal lachen?" Anschließend versorgt sie die Community mit tiefsinnigen Ergüssen. Die anderen User sind begeistert und wollen immer mehr. Das sind einige ihrer lustigsten Beispiele:

  • "It’s ok to be a glowstick – sometimes we need to break before we shine"
  • "Mit dir hört sich lebenslänglich plötzlich so erträglich an"
  • "Sekt knallt besser als manche Männer. (Ich, 14, Jungfrau.)"
  • "Der Vodka rauscht lauter als das Meer. Ab jetzt Optimist, bin lieber voll als leer. (Ich, 14, hatte mir wohl mal ein Schöfferhofer Grapefruit mit drei Freundinnen geteilt.)"
  • "Tausend Asse in der Hand, doch das Leben spielt Schach. (Ich, konnte weder Karten spielen noch Schach.)"
  • "Es heißt nicht 'dummer Mann', man sagt ja auch nicht 'tote Leiche'. (Ich war wohl ebenfalls sauer auf besagten Boyfriend.)"
  • "Und sobald du die Antwort hast, ändert das Leben seine Frage."
  • "Leben heißt rückwärts gelesen Nebel. Kein Wunder, dass ich nie durchblicke."
  • "Weiße Stiefel stehen nur dem Sandmann."
  • "Hund oder Mann – die Frage ist doch: Lasse ich mir nur meinen Teppich versauen oder mein ganzes Leben?"
  • "I wish life was like Photoshop, where you could just crop out all the unwanted shit."
  • "No one’s afraid of heights, they’re afraid of falling."
  • "Was fängt mit Pe- an und hört mit -nis auf? Perfektionsbedürfnis."
  • "Alles ist relativ, nur der Vodka ist absolut. (Oder halt mein besagtes Schöfferhofer Grapefruit, das geht auch.)"
  • "Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom."
  • "Manche Menschen muss man loslassen, aber dich hätte man schubsen sollen."

Nicht zu vergessen: die Gruppen bei SchülerVZ und StudiVZ

Wenn wir von poetischen Statusnachrichten auf MSN, ICQ und Co. sprechen, kann SchülerVZ nicht weit sein. (Später war man dann bei StudiVZ und hat sich voll illegal gefühlt, weil man ja noch gar kein Student war. Richtig krass!) Denn dort haben 15-Jährige wie ich damals versucht, mit den Gruppen, denen man dort beitreten konnte, die eigene einzigartige Persönlichkeit auszudrücken. Was heute die Caption unter jedem Selfie auf Instagram ist, war damals der Beitritt zu Gruppen, die mal mehr und mal weniger lustige Namen hatten – wie diese hier: 

  • Mein Name ist Hans. Das L steht für Gefahr. 
  • Hat noch einer Arschkarten? Ich sammel die. 
  • "Hast du alles?" fragte sie. Er nahm ihre Hand und sagte: "Jetzt schon!"
  • Ja, du lachst. Das ist oft so. Leute lachen, und dann sind sie tot. 
  • Kann ich mal hier durch? Ich suche den Weg ins Wunderland.
  • Hier, eine Tüte Mitleid. Ups, verschüttet!
  • Aber das Gänseblümchen hat doch gesagt, du liebst mich!
  • Du bist nicht voll porno. Du bist Heimatfilm.
  • Irgendwann lösche ich alle meine Gruppen und werde geheimnisvoll.
  • Ich renn beim Zähneputzen in der Gegend rum.
  • Meine Motivation rennt nackig mit einem Cocktail über die Wiese.
  • Du musst immer davon ausgehen, dass ich's voll drauf hab.
  • Guck nich. Du würdest auch so abgehen, wenn dein Leben so geil wär.
  • Ich fürchte den Tag, an dem SüZza und amoqq im Duden stehen.
  • Ich dachte, du wärst anders. Besser irgendwie.
  • Ich hasse zwei Dinge: Leute, die nicht zählen können.
  • Menschen wie du sind Gründe, warum wir Mittelfinger haben.
  • Abends Aronal – morgens Elmex ... einfach mal was riskieren!
  • Brichst du mir das Herz, dann brech ich dir die Beine. 
  • Brot kann schimmeln – was kannst du?
  • Das Niveau ist gerade unter's Bett gekrabbelt und heult .
  • Der frühe Vogel kann mich mal!
  • Es glitzert ... es ist sinnlos ... ICH WILL ES!
  • Ich bin nicht kompliziert, sondern eine Herausforderung.
  • Ich kaufe ein A und löse: "Bockwurst".
  • Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila.

Einige dieser Sprüche kommen einem vielleicht noch heute sehr bekannt vor, denn nicht wenige von ihnen haben es auf geschmacklose Sprüche-T-Shirts geschafft. (Wer die heutzutage noch trägt, hat meiner Meinung nach sowieso die Kontrolle über sein Leben verloren.)

Ist das neue ICQ einfach nur Whatsapp?

Neulich habe ich mich dann gefragt, wo die ganze kreative Energie und der Drang zum öffentlichen Mitteilen seiner Gefühle heutzutage hin sind. Als Facebook noch in den Kinderschuhen steckte, konnte man hin und wieder geheimnisvolle Status-Updates und Posts von Mädchen aus der Nachbarklasse lesen, die in etwa alle so formuliert waren: "Leider bemerkt man oft zu spät, wie falsch manche Menschen sind ... Bitte fragt nicht nach, was los ist. Die betroffene Person weiß Bescheid!!11!!" Ja, genau Melanie. Tu doch nicht so. Du WILLST, dass jetzt alle nachfragen, was los ist. Das ist nicht "Fishing for Compliments" sondern "Fishing for Attention". 

Meine neuste Entdeckung ist aber: Dieses Mitteilungsbedürfnis hat sich nicht einfach in Luft aufgelöst, nein. Mit geballter Kraft entlädt es sich bei Whatsapp. Glaubt ihr nicht? Dann schaut mal durch eure Kontaktliste. Ich wette, mindestens ein Drittel eurer Freunde und besonders eurer Familienmitglieder hat statt dem einfachen "Hey there! I am using Whatsapp" einen nachdenklichen Spruch dort stehen – garniert mit einem seltsamen Emoji.

 

Ein Mann hält ein Smartphone mit der Seite eines Bringdienstes in den Händen, dahinter steht ein Laptop mit Mail-Eingang
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