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MSN, Emo-Bilder und Co.: Fünf Dinge aus dem Internet der 2000er, die ich dringlichst vermisse

Das Internet heutzutage mag zwar nützlich sein, aber es ist irgendwie auch unübersichtlich und zu voll geworden, findet unsere Autorin. Manchmal vermisst sie eben die einfacheren Tage, in denen dein größtes Problem war, ob der Schwarm bei MSN zuerst schreibt. 

Zwei junge Mädchen mit Handys

"Oh mein Gott, er ist so süühüüüüß!!!" "Und er hat dich heute soooo lieb angelächelt." "Ja nääää?"

Getty Images

[Moment, geht gleich los mit dem Artikel, muss mir noch kurz die 2000er-Playlist anmachen.]

Der Großteil meiner Teenie-Zeit spielte sich in den 2000ern ab. Und ein großer Teil meiner Teenie-Zeit spielte sich im Internet ab. MSN? Schüler-VZ? Knuddels? Ich war dabei! Allerdings nur für eine Stunde am Tag. Das war das Limit an Computerzeit, die meinen Brüdern und mir zustand. (Verrückter Scheiß, wa?) Während die Jungs wild irgendwelche Mittelalter-Strategiespiele zockten, erkundete ich die Weiten des neu-populären Internets. Aber erst nachdem ich den riesigen "Kindercomputer" auf seinem Schiebewagen durch die Wohnung in mein Zimmer gerollert, das Lan-Kabel enttüddelt und durch den Flur manövriert und die zwei Minuten abgewartet hatte, bis der Router im World Wide Web eingewählt war. Dann noch die neuste "Bravo"-Hits reinschieben und ab ging die Post. 

Fünf Dinge aus dem Internet der 2000er, die ich aus völlig sinnlosen Gründen dringlichst vermisse

MSN

Oke. Ich bin mir nicht sicher, ob ich MSN an sich vermisse oder die abstrusen Unterhaltungen über Jungs und Schminke, die mit 14 völlig normal waren und heute irgendwie nicht mehr das gleiche aufgeregte Gefühl im Magen machen. 

US5forever: "oh mein got er is on aba schreibt mia nich"

Du: "oh man süse das tut mia leid hdggggdl" 

US5forever: "aba heute in der schule hat er so geguckt... ida" 

Hach, wird euch da nicht auch ein bisschen warm ums Herz? Und die SCHMETTERLINGE, wenn er dann doch geschrieben hat.

Natürlich gibt es immer noch Messaging-Dienste und je nachdem, mit wem man schreibt, hat sich im Zweifel auch an der Anzahl der Rechtschreibfehler nichts geändert. Aber die Inbrunst, mit der wir uns damals in Gespräche über das andere Geschlecht gestürzt haben … die gibt's so heute einfach nicht mehr. Shoutout hiermit an meine Freundin Lena – danke, dass du auch die fünfhundertste Unterhaltung über du-weißt-schon-wen mit genau so viel Enthusiasmus angegangen bist wie die ersten 499. Hdgdl.

[Afk. Brb. Dance Break. "Crazy in Love" von Beyoncé und Jay-Z läuft grad.]

schülerVZ

Facebook ist ja schön und gut, aber ich habe eine sehr ernst gemeinte Frage: Wo zur Hölle sind die Gruppen? Und damit meine ich jene, die sehr prominent auf dem Profil zu sehen sind und einem mehr über die andere Person verraten als ein DNA-Abstrich. Der frühe Vogel kann mich mal? Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen? Du holst deine Freunde, und ich komme auch alleine? LOL! Bevor all diese Dinge deutschlandweit auf Frühstücksbrettchen und Kaffeebechern auftauchten, waren sie schülerVZ-Gruppen.

Ich würde jetzt gerne schreiben, dass ich genau wie alle meine Freundinnen auch noch bei studiVZ war, mich als 18 ausgegeben und mit älteren Jungs gechattet hab, aber das wär gelogen. War bestimmt nett da, kann ich aber nicht für bürgen. Sry.

Youtube

Das Youtube der 2000er war anders. Ohne Netflix, Amazon Prime und Co. musste man sich eben etwas einfallen lassen, um die neusten Blockbuster zu gucken, ohne einen Cent dafür auszugeben. Willkommen zu: "Hitch – Der Date Doktor Teil 1/5629". 

Und statt "Bibis dm-Haul – Diese Mascara habe ich mir heute gekauft" gab es Internet-Perlen wie "Monkey Smells Finger" und "Show Me Your Genitals" von JonLajoie. Rofl. DAS waren noch Influencer.

[ALTER! KENNT IHR NOCH "LEAVE (GET OUT)" VON JOJO??? Läuft grad. Tuuuuuune!]

Anstupsen

Habe ich auf Facebook viele Freunde, die ich nicht direkt zuordnen könnte? Ja. Könnte ich dir nach kurzem Nachdenken aber trotzdem irgendeinen Berührungspunkt nennen, der uns im Social-Media-Universum miteinander verbindet? Jep.

Das war früher anders. Da fügte man einfach Menschen als Freunde hinzu, die man süß fand. Erst Freundschaftsanfrage, dann anstupsen – der ultimative digitale Balztanz. Tatsächlich habe ich einige dieser Freundschaften noch über Jahre geführt. Wir haben uns nie getroffen, waren aber auch mit Anfang 20 noch auf dem neuesten Stand, was das Leben des jeweils anderen anging. Und jetzt? Weiß ich gar nicht mehr, wann ich zum letzten Mal angestupst wurde. :(

[Myyyyyy Milkshake brings all the boys to the yaaard…]

Emo-Fotos

Seien wir mal ehrlich: Teenie sein ist HART! Wohin mit den ganzen Gefühlen? Wohin mit dem ganzen Abdeckstift? (Das einzige, mit dessen Platzierung ich nie ein Problem hatte, war der grellblaue Lidschatten. Der kam in dicken Schichten auf die Augen. HOT!) Und weil einem mit 14 zwar alles peinlich ist, man aber noch nicht das Schamgefühl eines Erwachsenen entwickelt hat, ergossen sich all diese Probleme in dra-ma-ti-schen Statusnachrichten und Bildunterschriften. 

Die dazugehörigen Bilder waren zu 80 Prozent von adrett über die Augen geföhnten Haaren gefüllt, die sich dank eines halben Liters Haarspray selbst im Orkan keinen Millimeter zur Seite bewegt hätten. Heutzutage sehen die Mädels, die sich im Internet so furchtbar gerne präsentieren, schon mit 13 aus wie Mitte 20. Keine Pickel, kein Lidstrich komplett ums Auge herum und keine Haare im Gesicht. Hat irgendwie nicht den gleichen Charme wie "Schweigen ist manchmal der lauteste Schrei" im Status und zwei bemalte Converse im Anzeigebild.

Naja, meine Stunde ist rum. Ciao. CYA.

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