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Interview

Was ist guter Stil?: The Chainsmokers über Selbstbewusstsein, Mode und Hörner auf der Stirn

In New York trägt man Schwarz, in L. A. lieber Bunt. Warum Rautenmuster nicht mehr gehen und warum ihr eure Cargo-Pants nicht weggeben solltet. Ein Gespräch über guten Stil mit: The Chainsmokers.

The Chainsmokers machen sich Gedanken über Mode

Von total unbekannt zu wochenlang in den Charts brauchten sie nicht mal ein Jahr:

Das DJ-Duo The Chainsmokers arbeitet mit Superstars wie Coldplay zusammen und ist aktuell das Kampagnenmodel von Tommy Hilfiger.

Stellt euch vor, es gäbe eine Modepolizei, und ihr dürftet euer ganzes Leben nur noch ein und dasselbe Outfit tragen. Was wäre das?

Andrew Taggart: Sneaker. Und ein Band-T-Shirt. Damit liegt man nie falsch.

Alex Pall: Unser Manager macht das tatsächlich, er zieht sich jeden Tag gleich an. Ich würde schon gerne die ganze Zeit Maßanzüge tragen, wenn ich könnte. Aber mit unseren Auftritten geht das nicht, die sähen immer zerknittert aus.

Hattet ihr schon als Teenager Stilbewusstsein?

AP: Nein. Ich war auf einer Schule, wo man Schuluniform tragen musste. Da konnte man höchstens am Wochenende den Freunden vorführen, was man gerne angezogen hat.

AT: Ich bin im Bundesstaat Maine aufgewachsen, in einer Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern. Der einzige Modeladen dort war Tommy Hilfiger. Ich bin da jeden Tag dran vorbeigelaufen auf dem Weg zur Schule. Aber reingegangen bin ich nie. Mein Stil hat sich über die Jahre oft verändert, je nachdem, wo ich wohnte oder welche Musik ich hörte. In New York haben wir sehr viel Schwarz getragen. Jetzt in L. A. probiere ich viel mehr Farben aus, da kann man sich abenteuerlicher anziehen.

Was für Modestile hast du denn durchprobiert?

AT: Ich überlege gerade, was die extremsten Auswüchse waren …

AP: Ich kann's dir sagen: die Phase mit den Teufelshörnern.

AT: Haha, müssen wir wirklich darüber reden? Ich hatte diese Hardcore-Phase. Ich war ganz in Schwarz, mit Spikes überall, auch die Fingernägel hatte ich schwarz lackiert. Mein Kopf war rasiert, bis auf hier vorne zwei Stellen an der Stirn, und dann habe ich die Haare so hochgestellt wie Teufelshörner.

AP: Wir haben gemerkt, dass wir die gleichen extremen Phasen durchgemacht haben, was Musik angeht. Und das hat dann auch unseren Modegeschmack bestimmt. HipHop, Metal, Grunge.

Gibt es eine Phase, die ihr heute bereut?

AT: Nein, ich bereue die Hardcore-Phase nicht! Vielleicht mache ich das sogar mal wieder. Aber ich hatte auch eine Rautenmuster-Phase, da trug ich ständig diese Pullover und so eine Sonnenbrille, von der ich dachte, sie wäre geil. Facebook erinnert einen da ja immer dran, mit alten Fotos. Oder an die Cargo-Shorts.

The Chainsmokers: Mit Coldplay war es perfekt


Was ist denn mit Cargo-Shorts?

AT: Der nächste Schritt nach Cargo-Shorts sind Zip-off-Pants! Erinnert ihr euch an Zip-off-Pants? Schrecklich.

Und worin fühlt ihr euch am wohlsten, wenn ihr auf der Bühne steht und auf Tour seid?

AT: Am wichtigsten ist, dass Kleidung bequem ist. Auf der Bühne spielen wir aber auch eine Rolle, da wollen wir uns wie Künstler fühlen. Ein Kleidungsstück kann helfen, diese Rolle zu finden.

Habt ihr modische Vorbilder?

AP: Es gefällt mir, wenn Künstler in eine Rolle schlüpfen, die überlebensgroß ist. David Bowie hat das Bühnenoutfit auf ein ganz anderes Level gehoben, er war wie ein Alien für die Leute damals. Viele Künstler, die ich als Jugendlicher bewundert habe, haben auf der Bühne diese dramatischen Rollen gespielt, das hat mich sehr beeinflusst. Ich muss mir auch jetzt manchmal vorstellen, wie das wäre: Wenn ich ein Shirt trage auf der Bühne, und die Leute ziehen sich dann meinetwegen genauso an! Das ist bei uns noch nicht passiert, aber vielleicht irgendwann.

Euer Durchbruch war ein Song, den ihr alleine aufgenommen habt: "#Selfie", eine Parodie auf Partygänger, die ihr Aussehen zu ernst nehmen.

AP: Ja, aber der Track war eigentlich ungewöhnlich für uns. Er war als lustige Idee gedacht, für unsere Freunde hier in New York, als Inside-Joke.

Der Song hat inzwischen 500 Millionen Abrufe bei Youtube.

AP: Ja, es war dann doch kein Inside-Joke. Wir haben den umsonst ins Netz gestellt - und waren plötzlich für DEN Song bekannt. Wie außergewöhnlich es ist, so einen Hit zu landen, haben wir erst später kapiert.

Die Party, um die es in "#Selfie" geht, klingt eher anstrengend. Was ist für euch die perfekte Party?

AT: Man braucht eine coole Location. Ich will immer, dass ich mich wie in einer anderen Welt fühle.

AP: Es muss over the top sein, auf die bestmögliche Art. Man muss sich als Gastgeber der Party wirklich ganz verschreiben und dafür sorgen, dass sich jeder wohlfühlt, egal ob er over- oder underdressed ist.

Und wie geht das?

AP: Wir haben neulich Bono von U2 kennengelernt. Als wir ihn trafen, saßen in dem Studio sechs Leute rum, aber er hat diese besondere Art, mit einem zu reden: Er sagt etwas zu allen in der Runde, aber es fühlt sich an, als würde er es nur zu dir sagen. So ist auch der perfekte Gastgeber.

Ihr arbeitet oft mit anderen Musikern zusammen. Wie wichtig ist es, dass man sich versteht?

AT: Manchmal spürt man gleich, ob was Gutes rauskommt oder nicht. Mit Coldplay war es perfekt. Den Song "Something Just Like This" haben wir gleich am ersten Tag aufgenommen, als wir Chris Martin getroffen haben. Mit manchen Leuten kommen wir vielleicht auch ZU gut klar. Mit Ryan Tedder von One Republic haben wir zwei Sessions gemacht, aber wir haben nur gequatscht die ganze Zeit.

Von wem wollt ihr noch was lernen in Bezug auf Stilfragen?

AP: Ich mag Rihannas Art, mit Mode umzugehen. Sie schafft es, Sachen cool zu machen, und: Kanye West natürlich. Ich schaue mir auch Marken wie Supreme an, die Street-Style definieren.

Und was wird das nächste große Mode-Ding?

AP: Andrew, das wird jetzt hart für dich! Ich glaube an die Cargo- Shorts, die kommen zurück.

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