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Interview

"High Snobiety"-Gründer: Wie man eine Social-Media-Marke aufbaut und ein erfolgreiches Business daraus macht

David Fischer ist Gründer des Lifestyle-Blogs "High Snobiety". Millionen Menschen folgen ihm auf Social Media. Im Interview mit NEON erzählt er, was sein Erfolgsgeheimnis ist und welchen Rat er jungen Menschen gibt, die selbst ein Projekt starten wollen.

Von Linus Günther

"High Snobiety"-Gründer David Fischer erklärt, wie man eine erfolgreiche Social-Media-Marke aufbaut

"High Snobiety"-Gründer David Fischer erklärt, wie man eine erfolgreiche Social-Media-Marke aufbaut

David Fischer hat etwas erreicht, von dem viele träumen: Mit "High Snobiety" betreibt er einen der erfolgreichsten Lifestyle- und Fashion-Blogs der Welt. Auf dem erreicht er monatlich über neun Millionen Leser und hat auch auf Social Media enorme Reichweiten. Allein auf Instagram hat "High Snobiety" mehr als zwei Millionen Abonnenten.

Ich treffe David Fischer im Rahmen der OMR, einem Online-Marketing-Festival, auf der Territory ConCom Night, bei der er als Speaker auftritt. "Das ist der Typ mit der Cap und dem grauen Kapuzenpulli da vorne", erklärt mir die Pressebauftragte und zeigt in seine Richtung. "Der ist total nett." Und tatsächlich: Er hat eine angenehm uneitle Aura um sich, springt sofort auf, als ich zu ihm komme und nimmt sich im gesamten Gespräch sehr viel Zeit – obwohl die Party direkt nebenan bereits in vollem Gange ist.

Moin David! Du hast deinen Blog bereits im Jahr 2005 gegründet. Wie kamst du auf die Idee? 

Das war eigentlich reiner Zufall. Ich bin während meines Studiums auf amerikanische Blogs gestoßen und fand die total spannend. Irgendwann habe ich dann eine Plattform entdeckt, bei der man seinen eigenen Blog starten konnte. Und das habe ich dann gemacht, eigentlich erstmal nur als Archiv für coole Sachen, die ich mir merken wollte. Später habe ich einen Zähler installiert und gemerkt, dass sich über 500 Leute täglich meinen Blog ansehen. Das fand ich ziemlich krass – und es hat mich motiviert. Irgendwann wurde das Füllen dieser Blogseiten wie eine Sucht für mich.

Wann wurde dir klar, dass du daraus ein Business machen kannst?

Nach vier Monaten kam der Inhaber eines Ladens auf mich zu und fragte, ob er ein Banner bei mir auf die Seite stellen kann, wenn er mir dafür einmal im Monat kostenlos Turnschuhe schickt. Ein Dreivierteljahr später wollte dann jemand 400 Dollar für ein Banner zahlen. Das fand ich damals schon echt krass.

Irgendwann war ich dann in einem Blognetzwerk, das Deals für mich abschloss. Das war eigentlich die erste Situation, in der ich dachte: Vielleicht mache ich das doch länger. Vorher traute ich mich gar nicht, das Ganze eine Firma zu nennen. Und 2014 haben mein Team und ich dann bemerkt, dass wir viel mehr Geld verdienen, wenn wir die Vermarktung komplett selbst übernehmen. Seitdem haben wir Umsatz und Mitarbeiterzahl mit jedem Jahr verdoppelt. Heute besteht "High Snobiety" aus über 100 Mitarbeitern.

Ihr habt über zwei Millionen Instagram-Abonnenten und fast zweieinhalb Millionen Follower auf , obwohl ihr eine relativ spitze Zielgruppe habt. Was ist euer Erfolgsrezept? Wie habt ihr das gemacht?

Vor allem hatten wir einfach 13 Jahre Zeit, eine Marke aufzubauen. Man muss sich vorstellen: Als ich den Blog gründete, fragten mich die Leute in Deutschland: Erstens, was sind Sneaker? Zweitens: What the fuck ist ein Blog? Wir waren also einfach sehr früh da. Genauso ist es mit den Social-Media-Plattformen. Wir haben die früh besetzt und konnten uns dann Stück für Stück Reichweite aufbauen.

Aber dieser First-Mover-Vorteil ist ja sicherlich nicht euer einziges Erfolgsgeheimnis.

Nein, ich glaube, der zweite entscheidende Vorteil war die Konsistenz. Wir liefern durchgehend seit 13 Jahren News auf einem hohen Qualitätslevel. Ich bin im Juli 2005 eine Woche in den Urlaub gefahren und habe eine Nachricht auf dem Blog hinterlassen: Hey, ich bin jetzt für eine Woche nicht da und mache danach weiter. Seitdem gab es keinen einzigen Tag, an dem auf der Seite nicht neuer Content erschienen ist. 24/7, 365 Tage im Jahr.

Und jahrelang war das nur ich allein. Ich war mit Freunden abends unterwegs und bin noch um vier Uhr nachts an den Computer, um News zu schreiben. War mit meiner heutigen Frau im Urlaub und habe dort News geschrieben, da gab es für mich einfach absolut keinen Kompromiss. Unser Versprechen an die Leserschaft ist eben, dass wir schnell sind mit neuen Trends und neuen Produkten. Und wir geben alles, dieses Versprechen zu halten.

Was würdest du heute jungen Menschen mitgeben, die vor der Überlegung stehen, zu gründen oder eigene Projekte zu starten?

Mein Rat ist relativ klassisch, glaub ich. Ich war als BWL-Student Praktikant bei mehreren großen Firmen und habe immer drei Kreuze gemacht, wenn das endlich vorbei war. Es hört sich immer so einfach an, aber man sollte echt das machen, wofür man brennt. Ich habe gefühlt seit 13 Jahren keinen und gehe jeden Abend wehmütig ins Bett, weil ich gern weitermachen würde.

Ich glaube, heute hat man mehr denn je die Möglichkeit, seine Passion zum Beruf zu machen. Vielleicht ist das auch ein Problem, weil jeder das Gefühl hat, sich selbst verwirklichen zu müssen, aber in erster Linie ist das eine Chance. Wenn du irgendwas gut kannst und glaubst, das in einen Job übersetzen zu können, dann mach es.

Letztendlich ist es immer noch die Ausnahme, über Nacht Multimillionär zu werden. Die Realität ist meistens: You have to work your ass off for a really long time. Wenn das der Fall ist, ist es logischerweise cooler, wenn du dabei Spaß hast. 

Hattest du denn das Gefühl, für deinen Traum viel riskieren zu müssen?

Ich muss ehrlich sagen, ich wurde damals gerade 23 und hatte echt nichts zu verlieren. Ich habe mir irgendwann gesagt, ich probiere das mal für zwei Jahre und wenn das dann nichts wird, dann kann ich später immer noch einen normalen Job machen. Ich habe anfangs nicht viel gebraucht und genug verdient, dass ich meine Eltern nicht mehr fragen musste – das reichte mir erstmal. Insofern dachte ich mir: Warum nicht einfach ausprobieren?

Siehst du dich selbst als Influencer? 

Ich würde mich selbst nicht als Influencer bezeichnen, aber natürlich werde ich in der einen oder anderen Form wie ein Influencer eingesetzt. Insofern kann ich verstehen, wenn andere mich so sehen. Dennoch ist es nach wie vor komisch, darüber nachzudenken, weil ich nie der Typ war, der unbedingt in der Öffentlichkeit stehen wollte und auch heute nicht muss. Ich bin auch immer noch nervös, bevor ich auf die Bühne gehe. Das Schöne ist ja, dass ich nur über Sachen reden muss, die mich selbst interessieren und nicht wie in der Schule, dass du abgefragt wirst über Sachen, von denen du keine Ahnung hast. 

Es gab ja vor einigen Wochen Aufregung um eine Influencerin, die kostenlos in einem Hotel in Dublin schlafen wollte und anbot, im Gegenzug Werbung zu machen. Der Hotelier fand das gar nicht lustig. Wie verstehst du den Begriff des Influencers allgemein? Ist er für dich mittlerweile negativ konnotiert? 

Nein. Natürlich kann ich den Hotelier in der Situation verstehen, aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass das Modell Influencer zu einem gewissen Grad unfassbar gut funktioniert. Man muss es nur richtig einsetzen. Wichtig, wenn wir mit Influencern zusammenarbeiten, ist für mich nur immer, dass sie selbst einen echten Skill haben. Bei uns sind das häufig gute DJs, Modedesigner oder andere Künstler. Man sollte schon ein Talent haben, das über den Umgang mit hinausgeht. Dann finde ich es auch mehr als legitim als Marke, mit solchen Leuten zusammen zu arbeiten. Man muss nur darauf achten, dass der Match zwischen Marke und Influencer immer stimmt und es authentisch bleibt. 

Apropos Marken: Welche Rolle spielen sie in der ganzen Debatte um Blogger und Influencer?

Da habe ich eine kleine Lieblingsanalogie: Wir sagen bei uns immer: "Brands are the new bands." Soll heißen: Zu einem gewissen Grad sind für unsere Leser und für diese Generation Marken die neuen Bands. Während wir uns früher vielleicht ein Band-Shirt gekauft haben, um unsere Loyalität auszudrücken, ziehst du dir heute eben einen Champions-Sweater, einen Fila-Hoodie oder die neuen Nike-Sneaker an. Und dann drückst du so deine Zugehörigkeit aus. Da hat sich in den letzten Jahren einfach extrem viel getan.

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