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Modern Work: Nur 35 Stunden in der Woche arbeiten? Ein Pro und Contra

Jeder zweite Deutsche möchte kürzer arbeiten als bisher, sagt eine aktuelle Studie. Eine Ex-Teilzeitlerin und ein 40-Stunden-Fan diskutieren.

Mann mit Uhr

Keine Zeit, keine Zeit: Viele Deutsche wünschen sich laut einer Studie die 35-Stunden-Woche

Getty Images

Homeoffice, weniger Arbeiten und aus der Teilzeit in die Vollzeit wechseln: Traumhaft flexibel sagen die einen, nicht mein Ding, die anderen. Laut einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz mit 9000 Beschäftigten wünschen sich die meisten Deutschen eine 35-Stunden-Woche. Im Schnitt würden viele gern vier Stunden in der Woche weniger arbeiten; selbst, wenn das weniger Gehalt bedeuten würde.

Nach Aussage der Forscher handelt es sich jedoch oft nicht um einen Lifestylewunsch – viele Befragte hatten gesundheitliche Probleme, Stress oder wenig Zeit mit der Familie. Auf der anderen Seite gab es jedoch auch Befragte, die gern mehr arbeiten würden: Fast jeder achte wollte beruflich stärker eingebunden werden, durfte aber nicht. Teilzeit oder Vollzeit? Zwei Meinungen aus der NEON-Redaktion:

Pro Teilzeit: "Auch mit 80 Prozent kann man 100 Prozent geben"

NEON-Redakteurin Denise: "Meinen ersten richtigen Job nach dem Studium habe ich mit 32 Stunden pro Woche begonnen. Nicht freiwillig, muss ich dazu sagen. Denn eine 80-Prozent-Stelle bedeutet auch nur 80 Prozent Gehalt. Als Berufseinsteigerin natürlich erst mal nicht berauschend, aber besser als arbeitslos zu sein. Und weniger Stunden schienen mir damals auch ganz angenehm zum Einstieg. (Natürlich hatte ich davor schon einmal Praktika, in denen ich in einer 40-Stunden-Woche gearbeitet habe.)

Und ich sollte Recht behalten. Jeden Mittwoch hatte ich frei – Wochenend-Feeling mitten in der Woche. Immer nur zwei Tage am Stück arbeiten hat schon was. Meine Work-Life-Balance war perfekt, würde ich behaupten. Alle Termine wie Frisör, Arzt oder den Wocheneinkauf legte ich auf meinen freien Tag. So hatte ich das Wochenende ohne lästige Termine ganz für mich. Herrlich! Hinzu kommt: Auch mit 80 Prozent kann man 100 Prozent geben. Durch die kleine Erholung in der Wochenmitte war ich super produktiv.

Dann kam das Angebot auf 100 Prozent aufzustocken. Obwohl ich meinen freien Mittwoch wirklich geliebt habe, musste ich nicht lange nachdenken – und habe es angenommen. Mehr Geld konnte ich gut gebrauchen. Und seien wir mal ehrlich: Wenn ich meine Karriere jetzt schon bei nur 80 Prozent starte, wie soll ich dann später mal mit 100 klar kommen?

Trotzdem kann ich jedem eine Vier-Tage-Woche empfehlen (vor allem den Mittwoch als freien Tag!). Deswegen träume ich auch davon, irgendwann mal wieder dahin zurückzukehren – nur jetzt noch nicht."

Contra Teilzeit: "Wer jetzt schon von Rente träumt, wird ein verdammt hartes Leben haben"

NEON-Redakteurin Jule: "Zuerst einmal: Wir reden hier nicht von Vätern und Müttern, die Teilzeit arbeiten, weil sie kleine Kinder zu Hause haben. Oder von Menschen, die täglich harte körperliche Arbeit leisten. Ich bin ja nicht so verblendet, zu glauben, dass mein Job mit dem eines Minenarbeiters vergleichbar ist.

Aber wer einen Bürojob hat und mit Mitte Zwanzig schon der Meinung ist, 40 Stunden Arbeit die Woche seien zu viel, der braucht meiner Meinung nach dringend einen neuen Job. Denn wenn du deine Tage damit verbringst, dem Feierabend entgegenzufiebern, die Woche damit verbringst, vom Wochenende zu träumen und die Monate nur rum bekommst, weil du jetzt schon von der Rente träumst, dann wird das ein verdammt hartes Leben, meine Lieben.

Eine Woche besteht aus 168 Stunden. Und selbst wenn wir von acht Stunden Schlaf die Nacht ausgehen, bleiben immer noch 112 Stunden. Minus 40 macht 72 Stunden Freizeit. Just saying. 

Dass ich nicht die Norm bin, weiß ich. Ich hatte während der Uni-Zeit gerne mal Wochen, in denen wir zwölf Stunden am Tag im Unterricht waren und bin danach am Wochenende noch 28 Stunden kellnern gegangen. Dass das nicht gesund war, ist mir auch klar. Aber eins kann ich mit Sicherheit sagen: Danach fühlen sich 40 Stunden Arbeit  wie Urlaub an."

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lau/jgs/def