HOME

Falsche Verträge: Abmahnung vom Verbraucherschutz: ADAC lockte Jugendliche in Abo-Falle

Mit einer ein Jahr langen kostenfreien Mitgliedschaft und einem Fahrtraining lockte der ADAC minderjährige Fahrschüler in eine Abo-Falle – und wurde nun von der Verbraucherzentrale abgemahnt.

ADAC-Pannenhilfe

Die gelben Engel – so wird die ADAC-Pannenhilfe gerne genannt. Aber manchmal haben wohl auch Engel ein Teufelchen auf der Schulter.

Es gibt gute Gründe, weshalb Minderjährige ohne die Zustimmung ihrer Eltern keine Verträge unterzeichnen dürfen. Mit 17 Jahren und einem knapp bemessenen Taschengeld sieht man vielleicht nur das "iPhone 1€"-Schild und nicht das mikroskopisch gedruckte "Hiermit verkaufen Sie uns ihre Seele, ihr Erstgeborenes und ihre Oma" ganz unten im Vertrag. Doch ausgerechnet der Automobilclub ADAC, die Engel in Gelb, der Retter in der Not, fand nun einen Weg, wie man die Aufregung junger Menschen trotzdem für seinen Vorteil nutzen kann – blöd nur, dass das nicht legal war.

Es kam in der Vergangenheit immer häufiger vor, dass Botschafter des ADAC in den Theorieunterricht der Fahrschulen kamen und den angehenden Pistenpiraten ein bisschen was zur Arbeit des Autoclubs erzählen. Dann wurden Zettel rumgereicht, auf denen man unterschreiben konnte, dass man gerne eine kostenfreie einjährige Mitgliedschaft beim Pannenservice beantragen würde. Besonders verlockend: Zusätzlich wurde mit einem kostenlosen Fahrtraining gelockt! Ob der Unterschreibende dabei bereits volljährig war, war dem Vertreter relativ egal. Nach einem Jahr sollte die kostenlose Mitgliedschaft dann in einen kostenpflichtigen Vertrag übergehen.

Um dies zu forcieren, schickte der drei Monate vor Ende des ersten Jahres einen Brief an den betreffenden Neu-Straßenheld: "Die Tarifumstellung deiner Mitgliedschaft erfolgt automatisch – du brauchst dich also um nichts zu kümmern. Solltest du auf eine Fortsetzung deiner Mitgliedschaft verzichten wollen, teile uns dies bitte innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt dieses Briefes mit", informierte der Automobilclub die jungen Erwachsenen. Reagierte man nicht, bekam man zum Ablauf des Jahres eine Zahlungsaufforderung über den jährlichen Mitgliedspreis von 24 Euro.

Der ADAC hätte kein Zahlungsaufforderung stellen dürfen

Einziger Haken: Wer minderjährig ist, kann ohne Einverständnis der Eltern keine Verträge dieser Art unterschreiben. Sprich: Der ADAC hätte keinerlei Zahlungsaufforderungen stellen dürfen. Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg: "Der angeblich zuvor von den Minderjährigen geschlossene kostenlose Vertrag war nämlich gar nicht rechtens, denn die Eltern hatten in der Regel nicht zugestimmt. Perfide am Vorgehen des ADAC war vor allem, dass erst durch die Zahlung des Mitgliedsbeitrags, den einige der mittlerweile Volljährigen nach einem Jahr überwiesen, der Mitgliedsvertrag wirksam wurde".

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat den Automobilclub inzwischen abgemahnt. Der ADAC reagierte und willigte ein, die kritisierten Schreiben zur Tarifumstellung ab dem 1. Juli 2018 nicht mehr zu verschicken und am dem 1. September 2018 in seinen Rechnungen darauf hinzuweisen, dass durch Zahlung ein Vertrag zustande kommt.

Das wollen wir aber auch meinen.

Deutschland bleibt Campingziel Nummer 1

 


jgs