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"Let's unfuck the world": Aktivisten starten Crowdfunding für die größte Klimakrisensitzung Deutschlands

Sie sind es leid zu warten, bis die Regierung selbst aktiv wird: Fridays for Future, Scientists for Future, Entrepreneure for Future und das Start-up einhorn tun sich zusammen und sammeln Geld, um im Berliner Olympiastadion die größte Bürgerversammlung zur Klimarettung abzuhalten, die es je gab.

Die Aktivisten bei einem Vorbereitungstreffen diese Woche in Berlin

Die Aktivisten bei einem Vorbereitungstreffen diese Woche in Berlin

UPDATE 28.11.: Die Veranstalter distanzieren sich nach Kritik an der Bezeichnung "Bürger*Innen-versammlung" von dem Begriff. Außerdem betonen sie, dass Fridays for Future die Aktion nicht mitinitiiert hat, sondern ihnen nur beratend zur Seite steht. (Mehr dazu lest ihr in diesem Statement.)

Tausende mahnende Wissenschaftler, unzählige neu gegründete Bürgerinitiativen, Millionen Protestierende auf der Straße – die Klimakatastrophe ist in den Köpfen der Menschen angekommen und sie sind bereit, für Veränderungen zu kämpfen. Die Bemühungen der Regierung in diese Richtung? Bisher gelinde gesagt ziemlich unbefriedigend.

Doch ohne neue Gesetze, die Wirtschaftskonzerne zu einem umweltfreundlichen Kurs zwingen, wird die Wende nicht gelingen, da sind sich alle Experten einig. Es müssen also Druckmittel her. Kräfte müssen gebündelt, Ideen gesammelt und Forderungen formuliert werden.

"Wir wollen Wissenschaftlern eine Bühne geben, wie sie sonst nur Rockstars bekommen"

Dieses Ziel verfolgt eine sich gerade formierende Bewegung, die sie alle zusammenbringen will: Fridays for Future, Scientists for Future, Entrepreneure for Future. Im Juni 2020, so das ambitionierte Ziel, soll im Olympiastadion in Berlin die größte Bürgerversammlung stattfinden, die es je in Deutschland gab. "Die Straße alleine bringt nicht genug Druck", sagt Waldemar Zeiler, Gründer des Start-ups einhorn und Mitinitiator der Bewegung, die unter dem Hashtag #12062020olympia bereits für Aufsehen sorgt. "Die Regierung macht nichts, dabei gibt es ganz klare Lösungen. Wir wollen Wissenschaftlern eine Bühne geben, wie sie sonst nur Rockstars bekommen."

Teilen sollen sich die Klimaexperten die Bühne mit bekannten Musikern wie Seeed und den Beginnern. Außerdem soll es rund um die Olympiahalle eine Zeltstadt geben, wo weitere Aktionen stattfinden. Das Datum ist bewusst gewählt, denn am selben Tag startet auch die Fußball-Europameisterschaft. "Ziel ist es, die vielen Public-Viewing-Spots in ganz Deutschland für unser Event zu kapern und die Veranstaltung live für Millionen Menschen zu streamen", sagt Waldemar.

60.000 Tickets müssen verkauft werden

Das Event selbst soll nur der Startschuss einer groß angelegten Initiative werden. Im Vorfeld wollen die Organisatoren gemeinsam mit den beteiligten Wissenschaftlern und Aktivisten konkrete Forderungen ausarbeiten, die sie im Anschluss an die Bürgerversammlung in Form von Petitionen beim Bundestag einreichen.

Die Klimakämpfer haben für ihr Projekt bereits namhafte Unterstützung. In einem Video zur Aktion kommen Charlotte Roche und Sophia Neubauer zu Wort. Auch Andreas Bourani zählt zu den Supportern. 

Auf reichweitenstarke Unterstützer werden die Initiatoren von #12062020olympia auch angewiesen sein, denn: Damit die Bürgerversammlung stattfinden kann, müssen sie 60.000 Tickets à 29,95 Euro verkaufen – die nicht nur als Eintrittskarten für das Event im Juni fungieren sollen, sondern auch als Mitgliedskarte in die Aktivisten-Community. Die Startnext-Kampagne ist am heutigen Donnerstag gestartet und läuft bis Weihnachten. Wenn sie es schaffen, die angestrebten 1,8 Millionen Euro für die Miete des Stadions zu sammeln, wäre das die größte Crowdfunding-Aktion, die es in Europa je gab.

Alle Infos zum Event findet ihr auf Instagram und Facebook.

lko