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Abtreibungs-Debatte Dieser Post zeigt, wie man sachlich mit Abtreibungsgegnern diskutiert


Sie werden von Gegnern als "Mörder" bezeichnet: Abtreibungsbefürworter. Vor allem in den USA kommt es bei diesem Thema immer wieder zu hitzigen Debatten. Dieser Chatverlauf zeigt, wie es besser ablaufen könnte.

Es gibt Themen, bei denen spalten sich die Lager. Abtreibung zum Beispiel. Diskutieren Gegner und Befürworter, kommt es nur selten zu einem Konsens. Besonders in den USA streiten sich Abtreibungsbefürworter (Pro-Choicer) und Abtreibungsgegner (Pro-Lifer) heftig auch in der Öffentlichkeit. Nachdem kürzlich in vielen US-Staaten ein noch schärferes Abtreibungsgesetz verabschiedet wurde, wird der Kampf auf beiden Seiten immer verbitterter und verläuft oft im Nichts, da beide sich von ihren Argumenten nicht abbringen lassen.

Jetzt teilte der Facebook-Account "Insufferably Intolerant Science Nerd" einen Chatverlauf, wahrscheinlich aus den USA, der aufzeigt, wie man als Abtreibungsbefürworter so sachlich wie möglich und ohne Fakten-Gebashe auf Anschuldigungen wie "Du bist ein Mörder" reagieren kann.

Ein Pro-Lifer begann die Unterhaltung nämlich genau damit. Eine Terminologie, die viele Abtreibungsgegner immer wieder benutzen, denn für sie beginnt Leben mit der befruchteten Eizelle. Daraufhin antwortete ein Pro-Choicer zuerst etwas verwirrt mit "Wie bitte?". Als ihm dann an den Kopf geworfen wurde, er habe das "Blut von Millionen ungeborenen Kindern" an den Händen kleben, holte er zu einer langen und schlagfertigen Antwort aus.

Was passiert danach?

"Ich überspiele einfach mal, dass sie mich einen Mörder genannt haben, um eine Frage zu stellen. Was passiert danach? Sobald ein Schwangerschaftsabbruch verhindert worden ist, ganz abgesehen von den Gründen, warum die Frau oder das Paar eine Abtreibung wollte, was passiert als nächstes?"

Es folgte eine Reihe von Fragen, die selten von Abtreibungsgegnern beantwortet werden: "Wer zahlt für die prä- und postnatale Versorgung? Sicher nicht das Paar mit Mindesteinkommen, das kaum seine Miete zahlen kann. Wer zahlt die Krankenversicherung für die Single-Frau ohne Wohnplatz oder das verheiratete Paar, das sich die Kinder, die es schon hat, nicht leisten kann? Wer ist für die Millionen Kinder in Heimen da, die darauf warten, adoptiert zu werden? Wer hilft ihnen, wenn sie ohne Geld oder eine Ausbildung mit 18 auf die Straße gesetzt werden? [...]Wer zahlt für die Forschung, damit es mehr Verhütungsoptionen für Männer geben kann?" Und die entscheidende Frage: "Wenn du es geschafft hast, einen Schwangerschaftsabbruch zu verhindern, welche Rolle wirst du spielen, um Lebensqualität für den Fötus zu gewährleisten, den du so dringend retten wolltest?" Die Antwort des Pro-Lifers auf dieses Pamphlet fällt knapp aus: "Das ist die Verantwortung der Eltern."

Genau diese Antwort sei der Knackpunkt, so der Abtreibungsbefürworter. Und jetzt wurde auch seine Wortwahl direkter: "In Wirklichkeit hört Ihr Mitgefühl beim Scheidenkanal auf." Anstatt sich wirklich "für das Leben" auszusprechen und es Menschen einfacher zu machen, Eltern zu werden, würden viele Pro-Lifer Frauen dafür verurteilen, nicht erfolgreich verhütet zu haben, schrieb er weiter.

Auch in den Kommentaren wird sachlich diskutiert

In den Kommentaren unter dem Post wird die Herangehensweise des Pro-Choicers gefeiert: "Ich wünschte, ich könnte meine Gedanken in so einem Moment so gut artikulieren", schreibt eine Userin. Auch Nutzer, die von sich selbst sagen, sie seien Pro-Lifer, begannen in den Kommentaren sachlich über das Thema zu diskutieren - und einige stimmten danach mit den Argumenten aus dem Chat sogar überein. Für sie bedeute Pro-Life zum Beispiel auch gleichzeitig, Pro-Adoption zu sein - das heißt, sie stellten sich eben diese Fragen, auf die der Abtreibungs-Befürworter eine Antwort verlangte. Viele stimmten damit überein, dass es mehr Aufklärung über Verhütung geben sollte. Die Kommentarspalte zeigt, dass nicht alle Abtreibungsgegner zu einer so extremen Wortwahl greifen und durchaus in der Lage sind, auf Augenhöhe zu diskutieren.

Wer von beiden Gesprächspartnern humaner reagiert hat, überlassen wir euch, wir nehmen aus diesem Gespräch jedenfalls einiges für die nächste Diskussion mit.

Quelle:Facebook

ivy

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