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Alptug Sözen rettete einen Obdachlosen: Junge stirbt bei heldenhaftem Einsatz – jetzt wollen Frankfurter ihm ein Denkmal setzen

Alptug Sözen starb, weil er einen bewusstlosen Mann von den Gleisen rettete – und dann selbst von der S-Bahn überrollt wurde. Nun hat der Bruder der 2014 getöteten Tuğçe Albayrak eine Petition gestartet, um die selbstlose Tat des 17-Jährigen in Gedenken zu halten.

Petition für Alptug Sözen

Mit dieser Petition sollen genug Unterschriften gesammelt werden, um die Bahnstation umbenennen zu lassen

Was der 17-jährige Mustafa Alptug Sözen aus Hanau vor wenigen Wochen tat ist heldenhaft. Als er an der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße einen bewusstlosen Mann auf den Gleisen entdeckte, entschied er sich kurzerhand, ins Gleisbett zu steigen, um den Mann zu retten. Der Obdachlose, der vom Bahnsteig gefallen war, überlebte den dramatischen Unfall – doch Alptug Sözen wurde von der einfahrenden S-Bahn überrollt und tödlich verletzt.

Nun gibt es eine Petition, die sich dafür einsetzt, dass der Bahnhof Ostendstraße umbenannt wird – in "Alptug Sözen Station". "Mit seinem selbstlosen, mutigen Handeln" habe er gezeigt, "dass ihm sein eigenes Leben nicht mehr Wert war, als das eines Unbekannten", heißt es in der Petition, die von Dogus Albayrak ins Leben gerufen wurde. Dogus ist der Bruder der 2014 getöteten Tuğçe Albayrak, die damals ebenfalls Zivilcourage gezeigt hatte, als sie bei einer Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen hatte helfen wollen und daraufhin durch einen Schlag und den darauffolgenden Sturz getötet wurde.

"Vor fast genau vier Jahren ist meiner Schwester Tuğçe Albayrak Ähnliches widerfahren. Auch Tuğçe hat anderen Menschen in Not geholfen. Sie hat nicht weggeschaut, als sie zwei Minderjährige in Not gesehen hat. Sie ist eingeschritten und auch Tuğçe hat ihren Mut mit ihrem Leben bezahlen müssen," heißt es in der Petition weiter.

Alptug und seine Tat solle den Menschen über kommende Generationen hinweg als Vorbild dienen. Auch die Familie des getöteten Jungen sei informiert und würde eine Umbenennung als kleines Trostpflaster sehen.

Auch Frankfurts Oberbürgermeister unterstützt die Petition für Alptug Sözen

Nun bekommt die Petition auch politische Unterstützer. Peter Feldmann, Frankfurts Oberbürgermeister, teilte sie auf Facebook, schrieb dazu: "Ich habe in Briefen an die Deutsche Bahn, die VGF und den Ortsbeirat eine Umbenennung der Station Ostendstraße oder eines anderen würdigen Gedenkens angeregt. Die Petition von Doğuş Albayrak zeigt mir, dass ich damit nicht alleine bin."

Reaktionen auf die Unterstützung des Oberbürgermeisters sind gemischt. Während ihm einige für sein Engagement danken, finden andere eine Umbenennung der Station zu extrem, fordern stattdessen eine Gedenktafel. Noch andere sehen den Vorfall vor allem als Anlass, das grundsätzliche Problem der Schienentode anzugehen und setzen ich für die Anschaffung von Notstoppschaltern und Schutztüren – wie beispielsweise an einigen hochfrequentierten Bahnstationen in London – ein. 

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels hatte die Petition bereits über 37.800 Unterschriften gesammelt.

jgs