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Meinung

Body Positivity: Bebe Rexha trägt Größe 38. Modedesigner finden das zu dick. Wir sagen: WTF!

Bebe Rexha ist für die Grammys nominiert und kein Designer will sie einkleiden. Ihrem Ärger macht sie auf Instagram Luft. Unsere Autorin findet: Gut so – jetzt müssen wir nur alle laut werden.

Bebe Rexha bei Jimmy Fallon

Bebe Rexha ist wunderschön, trotzdem will kein Designer sie für die Grammys ausstatten.

Getty Images

Sie ist der Inbegriff eines Teenie-Schwarms, mein 14-jähriges Ich wäre Fan. Bebe Rexha ist gerade gleich zweimal für den Grammy nominiert worden und hätte eigentlich allen Grund zu feiern. Immerhin handelt es sich um den wohl wichtigsten Musikpreis der Welt. Aber ein Problem trübt ihre Freude – ihr Körper. Kein Modedesigner will sie mit einem maßgeschneiderten Kleid ausstatten. Kleidergröße 36/38 ist ihnen zu dick. WHAT!? Insta-Rant incoming.


"Alle Frauen auf der Welt, die Größe 38 oder mehr haben, sind nicht schön und können eure Kleider nicht tragen? An alle, die denken, ich könnte deren Kleider nicht tragen: Fuck you!" Unter ihrem Video schreibt sie außerdem: "Wenn ihr meinen Kleidungsstil oder meine Musik nicht mögt, ist das eine Sache. Aber sagt nicht, dass ihr jemanden nicht einkleiden könnt, der keine Runway-Größe hat. Ermutigt Frauen, ihren Körper zu lieben, anstatt sie dazu zu bringen, sich durch ihre Größe minderwertig zu fühlen. Wir sind mit jeder Größe schön! Klein oder groß. UUUUND mein Größe-38-Arsch geht trotzdem zu den Grammys."

Was hat das mit mir zu tun?

YAS girl! Aber warum müssen wir darüber überhaupt noch reden? Wenn jemand mit einer unterdurchschnittlichen (durchschnittlich tragen Frauen in Deutschland eine Größe 42-44) Größe 38 schon Probleme hat – was machen dann wir "Normalbürger"?

Gut, wir kommen wohl äußerst selten in die Situation, kostenlos von einem Modedesigner für ein Event ausgestattet zu werden. Aber genau das gleiche Problem erwartet uns, wenn wir shoppen gehen. Mit meiner Größe 42 habe ich es schon lange aufgegeben, normal einkaufen zu gehen. Da helfen auch keine Plus-Size-Kollektionen der Fast-Fashion-Riesen. Ich will keine Extra-Kollektion. Ich will das Gleiche tragen können wie meine dünne Freundin. Und ich will, dass mir keiner sagt, dass ich mit meiner Figur irgendetwas nicht tragen könne. Ich will keine Artikel mehr in Modezeitschriften sehen, die Überschriften tragen wie: "Die richtige Jeans für deine Po-Form" oder "Das sind die besten Styling-Tipps für meine Figur". Ich will nicht mit Freundinnen bummeln gehen und ganz selbstverständlich Kommentare wie "Mit ihrer Figur würde ich das nicht tragen" hören.

Was haben die Designer damit zu tun?

Das Problem bei der Sache: Wenn sich die Einstellung der großen Designer – Gucci, Prada und wie sie alle heißen – nicht ändert, kommt das Ganze nicht bei uns Normalsterblichen an. Solange sogar unsere Pups-Influencer in Deutschland nicht mehr zu Fittings gehen, weil ihnen mit einer 36/38 nichts von den Sample Sizes passt, haben auch wir ein Problem. Solange du mit Kleidergröße 40 kein fancy Brautkleid kaufen kannst, haben wir ein Problem.

Klar, die Modelabels wollen, dass ihre Kleidungsstücke möglichst hübsch zur Schau gestellt werden. Ist für sie ja Werbung. Dass dieses "möglichst hübsch" ein gesellschaftlich geprägtes Ding ist, das die Labels selbst mitprägen, ist das Problem. Wäre es für die Labels nicht viel wichtiger zu evaluieren, wer da in unserem Kleid drinsteckt, und nicht, wie viel diese Person auf die Waage bringt? Beispiel: Angenommen, Bebe Rhexa gewinnt ihre zwei Grammys – wäre es nicht bessere Werbung, eine Grammy-Gewinnerin auszustatten, als einfach nur eine möglichst dünne Frau?

Wir müssen alle für mehr Body Positivity kämpfen

Es handelt sich hierbei keineswegs um ein Ideal, das nur bei den Reichen und Dünnen herrscht. Auch wir sind so oberflächlich. Eine dünne Frau, die erfolgreich ist, ist diszipliniert, eine Powerfrau, elegant, schön. Die Dicken sind die Lustigen und das ist noch das netteste Klischee. Unterbewusst weisen wir verschiedenen Körpern unterschiedliche Attribute zu. Wir müssen uns alle an die eigene Nase greifen, Charaktereigenschaften vom Körpergewicht trennen und das auch laut äußern. Sagt eurer Freundin, die das Outfit einer Fremden wegen des Körpergewichts kritisiert, dass das nicht in Ordnung ist. Oder noch besser: Hört auf, nicht inklusive Kleidung zu kaufen, auch wenn ihr reinpasst! Solange nur wir Dicken diesen Kampf kämpfen, bleibt das Problem in einer Blase und kommt nur dann zum Vorschein, wenn eine wunderschöne und, ja, dünne Sängerin darauf aufmerksam macht.

Jeder Körper ist schön.

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