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#ThingsDiabledPeopleKnow: Twitter-User: Warum "Du siehst gar nicht behindert aus" kein Kompliment ist

Menschen mit einer Behinderung müssen sich tagtäglich viele dumme Sprüche anhören oder werden von der Gesellschaft in ihrem Alltag behindert. Das beweist nun auch der Hashtag #ThingsDisabledPeopleKnow auf Twitter. Lesen unbedingt empfohlen!

Auf Twitter teilen Menschen mit Behinderung ihre Erfahrungen

Auf Twitter teilen Menschen mit Behinderung ihre Erfahrungen unter dem Hashtag #ThingsDisabledPeopleKnow

Getty Images

Wie inklusiv ist Deutschland eigentlich? Die meisten Menschen werden auf das Thema wohl erst aufmerksam, wenn die U-Bahnhaltestelle vor der eigenen Tür für Umbauarbeiten gesperrt ist, weil im Jahr 2019 immer noch nicht alle Stationen in deutschen Großstädten barrierefrei sind. Doch Barrierefreiheit fängt nicht erst beim Bahnsteig an, sondern vor allem auch in unseren Köpfen. 

Das verdeutlicht der aktuelle Hashtag #ThingsDisabledPeopleKnow, übersetzt: Dinge, die behinderte Menschen wissen. Unter dem Hashtag teilen vor allem Menschen mit Behinderung ihre meist negativen Erfahrungen und regen zum Umdenken an. Viele dieser Dinge mussten sie lernen, weil die Gesellschaft oft immer noch sehr unsensibel – manchmal sogar übersensibel mit dem Thema Behinderung umgeht. Einige Beispiele haben wir euch zusammengetragen.

Menschen mit Behinderung teilen ihre Erfahrungen unter #ThingDisabledPeopleKnow

"Mit einem 'Was ist passiert?' sollte man kein Gespräch mit einem Fremden beginnen."

"Nicht jeder, der einen Rollstuhl braucht, ist gelähmt und ja, viele können stehen oder kurzzeitig laufen. Das heißt nicht, dass sie 'nur so tun als ob'."

"Sehe behindert genug aus, damit die Leute dir glauben, aber nicht so behindert, dass sie denken, du seist eine Belastung."

"Es ist teuer, behindert zu sein."

"Eine nicht sichtbare Behinderung zu haben, heißt nicht, dass man 'besser dran' ist als andere behinderte Menschen."

"Die Worte 'Ich bin Autist' werden immer gefolgt von einem scharfen Einatmen und einem 'Du siehst gar nicht autistisch aus'. In 97 Prozent der Fälle." Generell geht es bei vielen Tweets darum, dass ein 'Du siehst gar nicht behindert aus' kein Kompliment ist – und wie oft sich Betroffene diese unsensiblen Sprüche trotzdem anhören müssen. 

"Das ist ein Vollzeitjob"

"Ärzte davon überzeugen zu müssen, einen ernst zu nehmen, ist ein Vollzeitjob. Und Ärzte sind NICHT total aufgeregt, einen komplizierten Fall zu lösen, so wie im Fernsehen."

"Wenn du 'anders befähigt' oder 'spezielle Bedürfnisse' oder 'inspirierend' sagst, meinst du eigentlich damit 'Ich vermeide das B-Wort. Ich finde, Behinderung ist ein Schimpfwort.'" 

+++ Zu diesem Thema können wir euch den Artikel "Ungenaue Sprache hilft niemandem" von Aktivist Raul Krauthausen sehr empfehlen +++

"Wenn du 'an den Rollstuhl gefesselt' sagst, würde ich dich am liebsten erstechen. Rollstühle sind scheiß großartig und nicht traurig. Weißt du, was wir ohne sie machen würden? Niemals das Haus verlassen. Bevor ich einen bekommen habe, war ich zwei Jahre zu Hause gefangen. Er hat mich gerettet."

"Man darf nicht 'Nein' zu einer nicht-behinderten Person sagen, wenn sie Hilfe anbietet, ohne dass sie sich beleidigt fühlen, weil man ihren Feelgood-Moment des Monats sein sollte. Wer nein sagt, ist offensichtlich einfach undankbar."

"Das Etwas, das deine Schwester oder Freund oder Hund 'geheilt' hat, wird mich nicht 'heilen'."

Der Hashtag ist in der deutschen Twitter-Community noch recht still

In der deutschen Twitter-Community scheint der Hashtag noch nicht wirklich angekommen zu sein. Es finden sich nur wenige deutsche Beiträge – doch wichtige Standpunkte haben sie allemal. "Barrierefreiheit ist nicht nur eine Rampe am Bahnsteig! Wer voreilig über geschältes und vorgeschnittenes Obst urteilt und meint, dass Trinkhalme aus Plastik das Übel der Welt sind, sollte erstmal das hier zur Kenntnis nehmen", schreibt der Autor Michael Kraft und verweist auf eine Folge des "Disability Visibility Podcast", in der es um den Zugang zu Essen für Menschen mit Behinderung geht. 

Und auch zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht, gibt es einen wichtigen Aspekt, den viele bei all der Freude über die bisherigen Errungenschaften des Feminismus zu vergessen scheinen:

"Es gibt viele behinderte Frauen, die immer noch nicht wählen dürfen."

Ein Tweet macht deutlich, warum der Hashtag #ThingsDisabledPeopleKnow so wichtig ist und die Posts von jedem gelesen werden sollten:

"Bin zurecht darauf hingewiesen worden, dass es besser ist, Betroffenen zuzuhören und ihnen Reichweite zu geben, als es von außen zu erzählen." Deswegen schweigen wir jetzt auch und lassen die Tweets für sich selbst sprechen.

Christin und Julian Garcia spielen gemeinsam: Er hat einen kleinen Spielzeug-Cowboy versteckt, sie muss ihn finden
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Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?