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Drug Checking In Berlin soll man bald offiziell seine Drogen testen können – aber ist das so sinnvoll?

Drug Checking bald auch in Berlin
Drug Checking soll es bald auch in Berlin geben
© Jamesmcq24 / Getty Images
Drogenkonsum gehört für viele Menschen inzwischen wie selbstverständlich zu einem Partyabend dazu. Das kann man so oder so finden, aber eines ist klar: der Markt ist nicht kontrolliert genug, die Inhaltsstoffe zu häufig ein Mysterium. Daran will die Berliner Landesregierung jetzt etwas ändern. 

Wer schon mal in einem der zahlreichen Berliner Techno- und Elektro-Clubs war, weiß, dass Drogen hier absolut keine Seltenheit sind. Wo man meinen würde, dass sie heimlich und sehr vorsichtig von einer Person zur anderen weitergereicht werden – immerhin handelt es sich ja um illegale Substanzen – haben auf einigen Club-Toiletten regelrechte kleine Supermärkte eröffnet. Der einzige Unterschied: Hier gibt es keine Verpackungsaufschrift, die genau aufzeigt, was da eigentlich in den Pillen drin ist. Und keine Möglichkeit, Produkte, die nicht den Erwartungen entsprechen, wieder zurückzubringen. 

Deshalb hat man sich jetzt in Berlin entschieden, offizielle Drogentest-Stellen einzurichten. Das Ziel: Anlaufstellen für Menschen zu bieten, die gerne wissen möchten, was in ihren Pillen steckt, bevor sie sie konsumieren – natürlich anonym. Die Idee dafür stand schon länger im Raum, man orientierte sich hierbei an Ländern wie Österreich, wo solche Drug-Checking-Stellen schon vor einiger Zeit initiiert wurden und zum Beispiel auch auf Festivals oder bei großen Parties zu finden sind.

Drug Checking: Bislang machten sich Laboranten strafbar

Bislang waren den Sozialarbeitern und Laboranten, die sich hierfür engagieren wollten, allerdings die Hände gebunden: Rein rechtlich gesehen machten sie sich in der Zeit, in der die Substanzen in ihrem Besitz waren, strafbar. Die rot-rot-grüne Berliner Landesregierung beauftragte ein Rechtsgutachten, das die rechtliche Lage klären sollte und kam laut Senatsverwaltung für Gesundheit zu dem Schluss, dass das geplante Drug Checking legal sei: "Die Mitarbeitenden der Einrichtungen des Drug-Checkings würden sich bei einer Vorgehensweise dem vorgelegten Konzept entsprechend nicht strafbar machen." 

In Österreich gibt es diese Art Service schon länger. Angeboten von der Suchthilfe Wien bietet Check it! Tests an, die genau aufzeigen können, wie viel von welchem Wirkstoff beispielsweise in einer Ecstasy-Pille zu finden ist – anders als freiverkäufliche Schnelltests, die eigentlich nur zeigen können, welche Wirkstoffe vorhanden sind, aber nicht in welcher Menge. Dass das nicht reicht zeigt sich beispielsweise daran, dass die Drogenberater auf ihrer Website Bilder und Beschreibung von Ecstasy-Pillen veröffentlichten, die mit 263 mg MDMA weit über der empfohlenen Dosierung liegen und somit gefährlich sein können. Zur Info: Die empfohlene Dosis für einen 100 Kilo schweren Mann liegt bei etwa 150 mg. Frauen sollten immer rund 15 Prozent weniger rechnen.

Wie sinnvoll ist Drug Checking in stationären Laboren?

Aber es kommt auch Kritik an derlei Projekten auf. Während sich die traditionell drogenpolitisch eher konservative CDU auch in Berlin gegen die Drug-Checking-Stellen aussprach – "Drug-Checking anzubieten, weil man die Kriminalität dahinter nicht unter Kontrolle bekommt, ist ein falscher und gefährlicher Ansatz", so Gesundheitspolitiker Tim-Christopher Zeelen, laut "Taz" – bleibt auch nach wie vor die Frage nach der Effizienz eines stationären Prüflabors. Denn: Die Ergebnisse brauchen nicht nur lange, sie werden auch, zumindest in Österreich, nur zeitversetzt veröffentlicht.

Auf der Website von Check it! heißt es dazu: "Es gibt einige sehr wichtige Argumente, weshalb wir die Ergebnisse bei Musikveranstaltungen nur anonym ausgeben und wir auch auf der Webpage erst nach sechs Monaten die Namen, Logos und Fotos veröffentlichen. Der wichtigste Punkt ist ganz einfach, dass von Namen, Logos und selbst von Fotos nicht auf die Inhaltsstoffe und die Menge der jeweiligen Substanzen geschlossen werden kann! Zur Zeit gibt es etwa 10 verschiedene 'Mitsubishi' am Markt, die alle unterschiedliches enthalten. […] Gleiches gilt natürlich auch für andere Tabletten. Tabletten werden häufig nachgepresst – von den ursprünglichen Produzenten oder von anderen Produzenten – mit gleichem Logo, anderem Inhalt und anderer Substanzmenge."

Sprich: Natürlich ist es richtig, vorsichtig zu sein, damit sich niemand beim Drogenkonsum zu 100 Prozent auf eine Empfehlung der Ratgeber-Websites verlässt, aber gleichzeitig heißt das auch, dass die Labore, auch wenn man Ergebnisse dort anonym per Telefon abfragen kann, dem Konsumenten im Moment des Konsums, also auf der Club-Toilette, nicht wirklich etwas bringen. Ob es die Direkttests, wie in Österreich, auch in Deutschland in der Zukunft auf Festivals, etc. geben wird, ist noch unklar. Zunächst einmal wird bis Herbst mit einem Start des Programms gerechnet, für das im Haushalt jährlich rund 150.000 Euro eingeplant sind.

Quellen: "Taz" / "Checkit"

jgs

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