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Galaktische Probleme: Erster Fraueneinsatz im All fällt aus – weil die Klamotten nicht passen

Zwei Frauen sollten erstmals einen Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS leiten. Doch daraus wird nun nichts: Denn es fehlen die passenden Raumanzüge.

ISS Raumanzug Christina Koch

Nick Hague, Christina Koch und Anne McClain (v.l.n.r.) an Bord der ISS vor einem Weltraumspaziergang

Es wäre ein weitere kleiner Schritt für einen Menschen und ein großer für die Geschichte gewesen: Als erstes Frauenteam sollten die NASA-Astronautinnen Christina Koch und Anne McClain einen Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS bestreiten und dort eine Batterie wechseln. Doch wie die NASA nun bekannt gab, kommt der Außeneinsatz am Freitag nicht zustande – weil nicht ausreichend Raumanzüge zur Verfügung stehen. Christina Koch soll nun zusammen mit einem männlichen Kollegen den Einsatz antreten.

Nur ein Raumanzug in Größe M

In der Vorbereitung auf den Einsatz hatte Astronautin Anne McClain in Raumanzüge der Größe M und L trainiert und diese getestet. Bei einem anderen Reparatureinsatz in der vergangenen Woche hatte sie jedoch bemerkt, dass ihr ein Raumanzug-Oberteil in mittlerer Größe am besten passe, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Jedoch benötigt auch ihre Kollegin Christina Koch ein Raumanzug-Oberteil in dieser Größe. Weil es aber nur einen einsatzfähigen Anzug in dieser Größe gibt, bleibt McClain an Bord der ISS und wird durch ihren Kollegen Nick Hague ersetzt.

In den vergangenen Wochen hatte der rein weibliche Einsatz große mediale Aufmerksamkeit erregt. Zwar haben schon mehrere Raumfahrerinnen Außeneinsätze absolviert – eine nur mit Frauen besetzte Mission gab es aber laut der Nasa noch nie. Die erste Frau auf Außeneinsatz war 1984 Swetlana Sawizkaja, den Rekord hält Peggy Whitson mit zehn Außeneinsätzen. Der Einsatz von Koch und McClain sei nicht von langer Hand geplant gewesen, sagte NASA-Manager Kenneth Todd, wie die ARD berichtet. Erst im Laufe der Planung für die Mission sei aufgefallen, dass es zu einem historischen Moment kommen könnte.

Mit 127 Kilo in der Schwerelosigkeit

Für Außeneinsätze an der ISS müssen sich Raumfahrer in wuchtige Spezialanzüge quetschen. Jeder Anzug wiegt inklusive Handschuhe und Helm rund 127 Kilogramm – in der Schwerelosigkeit des Alls spüren die Astronauten das Gewicht jedoch nicht. Er schützt vor gefährlicher Strahlung und den extremen Temperaturen, die von minus 160 bis mehr als 120 Grad reichen können. Die aus mehr als einem Dutzend Schichten bestehenden Anzüge sind weiß, um das Sonnenlicht zu reflektieren. Das Anlegen dauert etwa eine Dreiviertelstunde und ist ohne Hilfe von Kollegen nicht möglich.

Entwickelt wurden die Anzüge allerdings vor mehr als 40 Jahren und haben damit Experten zufolge ihre eigentlich auf 15 Jahre angelegte Design-Lebensdauer schon sehr weit überschritten. Die Nasa entwickelt zwar neue Anzüge, doch bis die testbereit sind, kann es noch Jahre dauern.

lau / DPA