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"Unbegreiflich" Nach homophoben Attacken: So reagiert der queere Fanclub der Bayern auf den Shitstorm

Homophobe kommentare unter dem Post des FCB
Unter dem Post des FC Bayern auf Instagram finden sich viele homophobe Kommentare
© Instagram @fcbayern / Unsplash
Nachdem der FC Bayern auf Instagram einen Shitstorm bekam, weil die Allianz Arena zum CSD in München in den Pride-Farben erstrahlte, äußert sich nun der queere Fanclub.

Seit einigen Jahren erstrahlt pünktlich zum Christopher Street Day in München nicht nur das Rathaus und der Flughafen in Regenbogenfarben. Auch der FC Bayern unterstützt die Rechte von LGBTQ+ und ließ die Allianz Arena zur Feier des Tages in den Pride-Farben leuchten.

Ein Bild der bunten Arena sorgte daraufhin auf Instagram für einen Shitstorm. Zahlreiche User äußerten homophobe Kommentare unter dem Posting.

Jetzt äußert sich der erste queere Fanclub des Vereins dazu auf unsere Nachfrage:

"Unsere Arbeit ist so wichtig"

"Dass dieses Zeichen der Solidarität unseres FC Bayern so viele Menschen dazu motiviert, derart negative Kommentare abzugeben, ist für uns nach wie vor unbegreiflich", sagt Tom, einer der Vorstände des Queerpass Bayern e.V.. Seit 2006 setzt sich der Fanclub für die Interessen von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) innerhalb der Fanszene des FC Bayern München sowie im Umfeld des Fußballsports im Allgemeinen ein. "Es zeigt uns aber auch, dass unsere Arbeit nach wie vor nötig ist.[...]Wenn ich dann lese, dass sich diese sogenannten 'Fans' einen anderen Verein suchen wollen, weil der FC Bayern seine queeren Fans unterstützt und für eine offene und tolerante Lebensweise einsteht, dann kann ich nur sagen, 'Servus, alles Gute und viel Glück bei der Suche!'", sagt Tom. Viele User hatten in diese Richtung argumentiert: dass sie einen Verein nicht unterstützen könnten, der sich so positioniert.

Der Queerpass Bayern e.V. beim CSD in München
Der Queerpass Bayern e.V. beim CSD in München
© Queerpass Bayern e.V.

Weiter sagt Tom, es sei spätestens nach dem Outing von Thomas Hitzlsperger klar, dass Fußball kein rein heterosexuelles Umfeld sei, was aber wohl noch nicht bei allen Fans angekommen sei: "Wir glauben dennoch, dass die Mehrzahl der FC-Bayern-Fans eine offene und tolerante Einstellung haben. Dies sind zumindest unsere Erfahrungen." Gleichzeitig könne er aber auch verstehen, dass es für viele Profi-Fußballer ein Karriere-Risiko wäre, sich zu outen: "Stell dir vor, so ein eben geouteter erbringt schlechte Leistung auf dem Feld, da sind meines Erachtens Schwuchtelrufe vorprogrammiert – und das will keiner hören." Es wäre nur möglich, wenn sich gleich mehrere Spieler outen würden, damit sich die Aufmerksamkeit nicht nur auf einen konzentriert.

Der FCB setzt ein wichtiges Zeichen

Der queere Fanclub ist dem FC Bayern sehr dankbar, dass er dieses Jahr nicht nur das Stadion erleuchten ließ, sondern inklusive des Maskottchen des Vereins, Bernie, auf der Politparade am CSD in der Münchner Innenstadt Präsenz zeigte. Dies sei ein starkes und wichtiges Zeichen, so der Vorstand des Fanclubs. Er hofft, dass ein solches Statement eines Weltvereins wie dem FC Bayern Vorbild und Ansporn für andere sein kann.

"Wir sind genauso Fans des FC Bayern wie die ganzen Hater, wir gehen ins Stadion und supporten unseren Verein", so Tom. "Die Hater sollten sich besser dran gewöhnen, wir sind da und bleiben es auch." Zumindest so lange, bis es nicht mehr erwähnt werden müsse, bis es egal sei, welche sexuelle Orientierung ein Spieler oder ein Fan hat, dann packen sie gerne ihre Regenbogenfahne im Stadion ein: "Aber unser Gefühl sagt uns, dass das noch sehr lange dauert."


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