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Email-Fehde: Influencer-Braut will Hochzeitsbilder umsonst – Fotograf lässt sie grandios auflaufen

Es ist völlig in Ordnung, dass Influencer gewisse Dinge günstiger oder umsonst bekommen, immerhin betreiben sie auf ihren Kanälen häufig effektive Werbung für Firmen. Aber manche Anfragen sind einfach ein bisschen dreist.

Braut

Eine Braut in England wollte möglichst günstig wegkommen – und wurde dreist

Unsplash

Hochzeiten sind teuer. Zwischen Veranstaltungsort, Blumen, Catering und Kleid, können die Preise da schnell in die zigtausende steigen. Kein Wunder also, dass es immer wieder Fälle gibt, in denen Menschen versuchen, Dinge für umsonst zu bekommen. Erst kürzlich versuchte eine Braut, eine Floristin davon zu überzeugen, ihre Dienste fast komplett umsonst anzubieten. Ihre Begründung: Sie habe doch bereits so viel für die Hochzeit ausgegeben. Ah ja. Dass es sich hierbei um den Lebensunterhalt derer handelt, die den Service anbieten, scheint vielen nicht bewusst oder – noch schlimmer – egal zu sein.

Eine Braut in England versuchte nun, ein wirklich umfangreiches Foto- und Video-Paket für ihre Hochzeit 2021 zu bekommen. Der Wert: zwischen drei- und viertausend Pfund. Ihr Angebot: Social-Media-Posts für ihre rund 55.000 Follower auf Instagram und Facebook. In einer Mail, die das angeschriebene Fotografen-Duo auf Facebook teilte, schreibt die Managerin der selbsternannten 'Influencerin': "Vor der Hochzeit hätte meine Klientin gern eine Art Dokumentations-Video über die Vorbereitungen (eine Stunde lang) und Fotos von den Anproben, die mit ihren Followern geteilt werden könnten. Am Tag der Hochzeit hätte sie gern ein Video, mit dem der ganze Tag dokumentiert wird (muss eine Stunde oder länger sein) und ein Paket, das in etwa 1000 Bilder beinhaltet. Als Gegenleistung wäre sie bereit, Ihr Unternehmen intensiv bei ihren Followern auf Instagram und Facebook (kombiniert in etwa 55.000) zu bewerben. Inklusive Story-Shout-Outs und das Angebot eines Rabattes von mindestens 25 Prozent auf Ihre Pakete." Außerdem werden die Fotografen informiert, dass man diese Mail noch an vier weitere Unternehmen versendet habe, weshalb eine zügige Rückantwort vorteilhaft sein könnte.

In case you missed it, this morning Frankie and I got an email from a “Social Media Influencer”. Frankie replied and hilarity ensued.

Gepostet von Laura Dunning am Mittwoch, 19. Juni 2019

Der Fotograf antwortete der Influencer-Managerin 

Dass das ein ziemlich absurdes Angebot ist, insbesondere da 55.000 Follower über zwei Plattformen heutzutage kaum noch jemanden hinter dem Ofen herlocken, darüber müssen wir nicht sprechen. Jetzt hätten Laura und Frankie von "Betrothed&Co.", dem angefragten Unternehmen, einfach "Nein, danke." antworten können. Doch stattdessen sammelte Frankie all seine rhetorische Gewalt zusammen und antwortete der Managerin ausführlich, fragte zunächst einmal, ob man sich bei der Anzahl der Follower vielleicht in einer Null vertan habe: "Wie Sie mit Sicherheit wissen, ist 55.000 normalerweise nicht das Level an Following, mit dem man sich um einen Warenaustausch im Gesamtwert von etwa drei- bis viertausend Pfund bewerben kann, besonders wenn man noch in Erwägung zieht, dass es Bots und doppelte Accounts gibt und nicht alle Follower unserer Zielgruppe entsprechen werden."

Nicht ganz frei von Sarkasmus bot er der Managerin an, die Abmachung unter der Voraussetzung anzunehmen, dass die Braut ihr Following in den nächsten zwei Jahren bis zur Hochzeit bis auf eine halbe Million gesteigert habe – sonst müsse sie die Bilder und Videos selbst zahlen. Auch dankte er für den "wohl überlegten" Vorschlag, 25 Prozent Rabatt auf alle Buchungen zu schlagen, die durch diese Kollaboration zu Stande kommen könnten: "Bislang war es immer so, dass Empfehlungen und Promotionen von wertvollen Klienten dazu geführt haben, dass wir unsere Preise ein wenig anheben konnten, aber es ist nützlich zu wissen, dass die Verbindung mit ihrer Klientin automatisch zu einem fünfundzwanzigprozentigen Wertverlust eines Produktes führt, das wir jahrelang aufgebaut haben."

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Wieder hätte die Gegenseite die Sache einfach auf sich beruhen lassen können, doch auch Melissa und ihre Klientin schienen nicht bereit, die verbale Flinte ins Korn zu werfen, meldeten sich per Mail zurück. Man sei empört und würde das Fotografen-Duo nicht weiter als Kollaborationspartner in Erwägung ziehen. Die Hochzeit sei eine tolle Möglichkeit gewesen, mit anderen Social-Media-Influencern zu networken und auch einige Stars kennenzulernen, "die später im Jahr im Fernsehen zu sehen sein werden." 

"Diese Hochzeit ist meiner Klientin sehr wichtig, da ihre Mutter die Diagnose Krebs erhalten hat und es ist wirklich unfair von Ihnen, sie so gemein zu behandeln, wenn Sie einfach höflich hätten Nein sagen können. Bitte schreiben Sie mir nicht wieder, da wir Sie namentlich werden bloßstellen müssen, sollten Sie mit diesen Beleidigungen weitermachen."

Die Antwort des Fotografenteams trieft vor Sarkasmus

Doch Frankie schien es noch weiter in den Fingern zu jucken, weshalb er das große Risiko auf sich nahm und trotzdem antwortete: Es sei natürlich schwer zu verkraften, dass man nun die Möglichkeit verspielt habe, mit Prominenten zu arbeiten, "die später im Jahr im Fernsehen zu sehen sein werden. (Oder in nicht PR-Sprech: Menschen, die noch nie im Fernsehen waren)", schreibt er sarkastisch, "Wir werden das jetzt mit Fassung tragen und hoffen müssen, dass wir unser Unternehmen irgendwie wieder aufbauen können."

Sein tiefes Beileid zur Erkrankung der Brautmutter drückte er trotzdem aus: "Ich habe meine Mutter vor 15 Jahren an diese schreckliche Krankheit verloren und verstehe daher, was Ihre Klientin durchmacht. Trotzdem wundere ich mich sehr, dass Sie diese Information nutzen, um mir damit ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn Sie diese Information vorher nie erwähnt haben. An Ihrer Stelle hätte ich das sofort gesagt, da es zahlreiche Geschichten von Hochzeitsfotografen gibt, die Ihre Arbeit für Familien von Menschen mit unheilbaren Krankheiten komplett umsonst angeboten haben."

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Zu guter Letzt entschuldigt er sich, trotz explizitem Wunsch doch geantwortet zu haben: "Wenn Sie uns nun deshalb 'namentlich bloßstellen' wollen, dann lassen Sie sich nicht aufhalten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jemand bloßgestellt sein wird – ich glaube nur, dass Sie dabei vielleicht auf die falschen Personen setzen."

Im Internet wird der Fotograf für seine verbale Naturgewalt gefeiert: "Ich will heiraten, nur damit ich Frankie anstellen kann", schreibt eine Userin beispielsweise. Um welche Influencerin (kann man das mit 55.000 Followern schon sagen?) es sich handelt, ist unklar, aber zumindest dürften Frankie und seine Kollegin in Zukunft vor Anfragen für Gratis-Arbeit gefeit sein.

jgs