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Maulbronn in Baden-Württemberg: Junge sucht mit Plakaten seinen Kater – muss die Familie nun ein Bußgeld bezahlen?

Die beschauliche Kleinstadt Maulbronn diskutiert: Nachdem eine Familie ihren entlaufenen Kater per Plakataktion suchte, bekam sie einen Bußgeldbescheid. Ist das korrekt oder herzlos?

Suchplakat für Kater Karlsson

Mit diesem Plakat suchte die Familie Wiedmer nach ihrem entlaufenen Haustier

Der Sohn von Katrin Wiedmer war verzweifelt. Von dem Kater der Familie aus dem baden-württembergischen Maulbronn fehlte plötzlich jede Spur, alles Suchen war vergeblich. Nur noch eine Möglichkeit blieb dem 15-Jährigen: Gemeinsam mit seiner Mutter hängte er überall in der Kleinstadt (etwa 6.000 Einwohner) 25 Suchplakate auf, mit denen er um Hinweise zum Verbleib von Kater Karlsson bat.

Der Kater ist leider immer noch nicht aufgetaucht. Und zu allem Überfluss haben Wiedmer und ihr Sohn nun auch noch Ärger mit den Behörden. Für die Zettel an Laternen und Wänden braucht man nämlich eine Genehmigung der Stadt – die kostet 15 Euro, berichten die "Stuttgarter Nachrichten". Da Familie Wiedmer diese Erlaubnis nicht eingeholt hatte, flatterte ihnen ein Bußgeldverfahren ins Haus.

Bußgeldverfahren für Suche nach entlaufenem Kater

"Es war wie ein Schlag ins Gesicht", sagte Katrin Wiedmer im Interview mit dem Fernsehsender SWR. Sämtliche Plakate seien abgerissen worden, wenige Tage später habe der Brief der Stadtverwaltung im Briefkasten gelegen: "Sie haben im Stadtgebiet Maulbronn an mehreren öffentlichen Stellen Suchplakate Ihres Katers Karlsson aufgehängt ohne in Besitz einer Plakatierungserlaubnis zu sein." Deshalb werde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Außerdem wurde  Wiedmer aufgefordert, sich innerhalb von zwei Wochen zu dem Sachverhalt zu äußern.

Bitte beachtet dies! Wir haben unseren Karlsson geflyert und müssen nun noch dafür bezahlen!

Gepostet von Katrin Wiedmer am Samstag, 11. August 2018

"Es hätte auch ein einfacher Anruf bei uns genügt und wir hätten die Plakate wieder abgenommen. Gleich mit dem Bußgeldverfahren zu kommen, finde ich übertrieben und beschämend", kritisiert Wiedmer die Reaktion der Stadt im SWR-Interview. Ihr Sohn sei völlig entsetzt gewesen. Weder sie noch ihr Sohn hätten gewusst, dass eine Erlaubnis der Stadt für die Plakataktion notwendig gewesen sei.

Tierfreunde vermissen Fingerspitzengefühl

Die Stadt Maulbronn sah sich anschließend einem – für Kleinstadtverhältnisse – veritablen Shitstorm ausgesetzt. Nachdem Katrin Wiedmer den Brief in der Facebook-Gruppe "Tiere entlaufen Baden-Württemberg" gepostet hatte, um – wie sie sagt – andere Tierhalter zu warnen, entlud sich der Ärger entsetzter Tierfreunde. "Haben die keine andere Sorgen?", kommentierte zum Beispiel eine Userin. Auf der Facebook-Seite der Stadt Maulbronn häufen sich die Beschimpfungen: "Das Kaff wird auch nicht schöner, wenn man Katzensuchplakate konsequent bestraft", schreibt jemand. "Das ist ja wohl das Allerletzte, dass jemand, dessen geliebtes Tier verschwunden ist, eine Strafe wegen Suchflyern zahlen soll. Pfui Teufel, sie sollten sich schämen."

Viel Ärger also in der sonst so beschaulichen Provinz. Doch ein Sprecher der Stadt verteidigt die Regelung: "Eine solche Plakatierung kann den öffentlichen Verkehr beeinträchtigen und gefährden." Zudem seien die Behörden auch erst durch Hinweise aus der Bevölkerung auf die Ordnungswidrigkeit aufmerksam geworden. So schildbürgerlich das Verhalten der Stadt auch wirkt – es entspricht den Regularien. Trotzdem werden Katrin Wiedmer und ihr Sohn wohl mit einem blauen Auge davonkommen, ließ Pressesprecherin Ulrike Fegert bei den " " durchblicken: "So wie die Sachlage jetzt ist, wird es wohl nicht zu einem Bußgeldbescheid kommen. Die Stadt ist ja nicht kaltblütig."

Vier Hundewelpen sitzen auf einer Decke. zwei spielen miteinander.
epp