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Sexismus im Sport: Squash-Siegerinnen bekamen Hornhautfeile und Vibrator als Siegprämie - und beschwerten sich

Ob kurze Hosen oder fragwürdige Geschenke - Sexismus im Sport ist immer noch ein aktuelles Problem. Das mussten auch vier Squash-Meisterinnnen in Spanien erleben. Doch die ließen sich das nicht gefallen.

Sexismus im Sport

Sexismus ist auch im Profi-Sport ein strukturelles Problem. Das erlebte auch ein Squash-Team in Spanien. (Symbolbild)

Getty Images

Wer bei Sportevents einen Preis gewinnt, bekommt meist neben der Medaille oder dem Pokal noch weitere Geschenke – im besten Fall einen Scheck mit Preisgeld, wenn es schlecht läuft meist eher ein Plüsch-Maskottchen. Doch für die Gewinnerinnen eines Squash-Turniers in Nordspanien hatten sich die Verantwortlichen etwas ganz anderes überlegt: Bei der Siegergala in Corvera in Asturien bekamen die Spielerinnen einen Vibrator, Enthaarungswachs und eine Hornhautfeile überreicht, wie die spanische Zeitung "El País" berichtete.

"Ich war überrascht und empört", sagte Elisabet Sadó, eine der am 11. Mai ausgezeichneten Sportlerinnen. Die fragwürdigen Geschenke führten nicht nur zum Protest der Spielerinnen, sondern lösten auch eine Debatte über Sexismus aus. Immerhin mit ernsthaften Konsequenzen: Nach einer Beschwerde der vier Preisträgerinnen bei der örtlichen Squash-Vereinigung seien mittlerweile bereits drei Verantwortliche des organisierenden Clubs zurückgetreten, schreibt "El País". Die Frauen hatten die Präsente zuvor als "sexistisch und fehl am Platze" kritisiert.

Strukturelle Benachteiligung 

Der zuständige Club Squash Oviedo gab in einer Stellungnahme zu, die Geschenke seien "unangemessen" gewesen und hätten "niemals vergeben werden dürfen". "Noch nie in der Geschichte ist uns so etwas passiert", erklärte Maribel Toyos vom Squash-Verband von Asturien. Das hätte man sich wohl vorher überlegen sollen.

Die Reduzierung von Frauen auf ihre Äußerlichkeiten und strukturelle Benachteiligungen im Sport wurden in den vergangenen Monaten immer wieder öffentlich diskutiert. So spielt die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft in einem aktuellen Werbespot zur Frauenfußall-WM in Frankreich mit Vorurteilen, die weiblichen Fußballspielerinnen immer wieder entgegenschlagen: "Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt", heißt es im Werbeclip der Commerzbank.

Und auch in anderen Sportarten gibt es Kritik: So rügte der Deutsche Werberat Anfang des Jahres die Werbung des thüringischen Landkreises Schmalkalden-Meiningen beim Volleyballbundesligisten VfB 91 Suhl. Die Verantwortlichen hatten die Aufschrift "prachtregion.de" auf die Hosen der Spielerinnen gedruckt, sodass er genau über ihren Po verlief. Damit würden Frauen auf ihr Äußeres reduziert und eine Sexualisierung von Sportlerinnen begünstigt oder jedenfalls toleriert, entschied der Werberat.

lau / dpa