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Lebensnaher Unterricht: Was man wirklich können muss: Highschool organisierte Unterricht im Erwachsenwerden

In Kentucky hat eine Highschool beschlossen, ihre Schüler neben den klassischen Schulfächern auch in lebenswichtigen Dingen zu unterrichten. Etwa darin, eine Steuererklärung auszufüllen oder einen Reifen zu wechseln.

Eine junge Frau löst die Schrauben an einem Autoreifen, um den Reifen zu wechseln

Zum Erwachsenwerden gehört auch, sich in Alltagssituationen selbst helfen zu können

Getty Images

Die Bullitt Central High School in Kentucky hat ihre Seniors einen Tag in Dingen unterrichtet, die normalerweise nicht in der Schule angeboten werden. Christy Hardin, Leiterin des Familienhilfe- und Jugendarbeit-Zentrums an der Schule, hatte die Idee dazu und machte sich an die Organisation eines sogenannten Adulting Days. "Ich glaube, mir kam die Idee ursprünglich, als ich ein Facebook-Posting von Eltern sah, in dem stand, sie hätten in der Highschool ein Unterrichtsfach in Steuern und Kochen gebraucht", erklärt sie bei "Wave 3 News". Im Dezember vergangenen Jahres wurde genau das umgesetzt: Die Schule bot einen Tag lang elf Kurse an, aus denen jeder Schüler drei auswählen konnte. Nun berichten mehrere Medien darüber und die Aktion verbreitet sich ein wenig viral. Die Idee dahinter war, die Schüler auf das Leben vorzubereiten, das sie nach dem Verlassen der Schule bewältigen müssen. Selbstständig leben, Essen kochen können und jene Dinge beherrschen, die sich nicht in Schulbüchern finden lassen.

Für das Kursangebot stellten sich diverse Partner und Organisationen aus der Gemeinde zur Verfügung – von der Armee über die Polizei bis hin zu UPS.

Der Wunsch nach mehr

In den Kommentaren auf Facebook wird deutlich, dass ein solcher Unterricht für Highschool-Absolventen überfällig ist. Und dass ein einziger Tag im letzten Schuljahr dafür nicht ausreicht. Die Idee ist gut, richtig und sinnvoll, kann aber nur der Anfang von praxisnahem Unterricht sein. Was in Deutschland auf diversen Gesamt- oder Stadtteilschulen bereits angeboten wird, kann man auf Gymnasien ebenso wenig finden wie auf amerikanischen Highschools. Das Leben zu Hause hat sich im Vergleich zu früher stark verändert, Mütter sind kaum noch Vollzeit-Hausfrauen, die ihr Wissen in Küche und Haushalt an ihre Kinder vermitteln. Väter entsprechen ebenfalls nicht mehr dem 50er-Jahre-Klischee eines Daddys, der sich samstags im Feinripp-Unterhemd in die Garage stellt und schraubt. Die Eltern fallen daher in diesen Bereichen der Wissensvermittlung oft aus, manchmal auch, weil sie es in ihrer Generation selbst nie gelernt haben.

Wenn sich Jugendliche heute nach ihren acht Jahren am Gymnasium mit 17 oder 18 an der Uni immatrikulieren und mit 21 und einem Bachelor in der Tasche auf dem Arbeitsmarkt landen, können sie in der Regel nichts von all dem, was fürs (Über-)Leben hilfreich ist. Und die Zeit, Lebenserfahrungen zu sammeln, indem sie reisen und sich mit ihrem Studium mehr Zeit lassen und etwa nebenbei arbeiten, haben sie auch nicht mehr. Auch in Deutschland werden die Rufe nach lebensnahem Unterricht lauter. Die Schule scheint ein sinnvoller Ort dafür zu sein.