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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Ich bin 28 Jahre alt - und wohne noch bei meinen Eltern

Bei den Eltern auszuziehen, gehört zum Erwachsenwerden dazu. Elena hat es mit 28 immer noch nicht geschafft - obwohl sie längst mitten im Berufsleben steht. Wie soll sie so einen Mann kennen lernen?

Erwachsen bei den Eltern zu wohnen, ist eine ganz eigene Herausforderung (Symbolbild)

Erwachsen bei den Eltern zu wohnen, ist eine ganz eigene Herausforderung (Symbolbild)

Getty Images

Hallo Frau Peirano,

Ich bin 28 und lebe noch bei meinem Eltern. Es ist mir sehr peinlich, dass zuzugeben. Ich erzähle das nur meinen engsten Freundinnen. Eigentlich müsste ich es mit 28 mal geschafft haben, auf eigenen Beinen zu stehen, einen Mann zu finden und langsam eine Familie zu gründen.

Und ich? Habe eigentlich nur meinen Job. Ich arbeite als Bankkauffrau. Und danach gehe ich zu meinen Eltern, in mein altes Kinderzimmer, und verkrieche mich. Meine Eltern sind Griechen, orthodox, und mein Vater hat Parkinson. Meine Mutter ist ein sehr ängstlicher Mensch, sie sieht überall nur das Negative. Sie hat Angst davor, dass ich an den falschen Mann gerate. Wenn ich abends ausgehe, kontrolliert sie, was ich anhabe, ob ich nach Rauch rieche und wann ich nach Hause komme. Öfters schlafe ich am Wochenende bei einer Freundin, weil mir die Fragerei meiner Mutter die letzte Energie raubt.

Dann hält meine Mutter mir vor, welche meiner Cousinen alle schon verheiratet sind und Kinder haben. Ihr Fensterbrett ist voller Familienbilder. Nur in Griechenland (im Dorf) ist das mit dem Heiraten viel einfacher als hier, alle kennen sich und man wird auch manchmal von Freunden verkuppelt.

Ich habe bisher nur eine Erfahrung mit einem Mann gemacht (auch kein Sex), das war nur kurz und vor 4 Jahren. Ich wüsste gar nicht, wie ich das anstellen soll, einen Mann kennen zu lernen. Seit einem Jahr bin ich auf Wohnungssuche, das ist bei den Preisen sehr frustrierend. Mein Vater rechnet mir immer wieder vor, dass mein Geld nicht reichen wird, um alleine zu leben. Das belastet mich total.

Die Stimmung zu Hause ist sehr schlecht. Meine Eltern streiten sich viel und um nichts, mein Vater sieht oft fern und stellt den Fernseher laut, weil er schlecht hört. Meine Mutter hat eigentlich gar kein eigenes Leben außer ihrer Arbeit, und darüber beschwert sie sich auch viel.

Wie schaffe ich es, endlich auf eigenen Beinen zu stehen?

Viele Grüße,

Elena V.


Liebe Elena,

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie bedrückend es sein muss, mit 28 Jahren noch bei Ihren Eltern zu leben. Vor allem, weil Sie sich das Leben eigentlich ganz anders vorstellen.

In Ihnen prallen als Kind von Einwanderern ganz unterschiedliche und zum Teil unvereinbare Wertesysteme aufeinander.

In Griechenland, in der Generation Ihrer Eltern, wurde es meistens erwartet, dass die Frau als Jungfrau in die Ehe einging. Heiraten war auf dem Dorf für alle normal, und meistens heiratete man jung. Sie hingegen sind rund 30 Jahre jünger als Ihre Eltern und in Deutschland aufgewachsen. Hier ist es üblich, dass man erst einmal auf eigenen Beinen steht, vielleicht studiert, eine eigene Wohnung oder eine WG mit Gleichaltrigen hat und auch den einen oder anderen Partner ausprobieren darf. Bevor man dann überlegt, ob man heiratet, zusammen zieht oder weiterhin getrennt lebt, ob man Kinder bekommt (von einem oder mehreren Vätern) und mit denen zusammen lebt.

Um selbstständig zu werden, muss man sich von seinen Eltern abgrenzen. Das passiert in der Regel in der Pubertät: Die Eltern sind spießig und scheiße, man legt sich wegen allem und jedem mit ihnen an und weitet die eigenen Spielräume aus. Wer das hinter sich hat, hat eine klare Grenze zwischen sich und seinen Eltern gezogen. Eines ist klar: Wer sich selbst finden will, muss sich ausprobieren dürfen, und dabei geschehen natürlich auch manche Fehler.

Ein Mädchen verließ mit 24 ihren ersten Freund, um andere Männer kennen zu lernen. Sie hatte einen anderen Partner (sehr erotische, aufregende Beziehung, aber auch mit Untreue seinerseits) und kehrte nach zwei Jahren zu ihrem ersten Freund zurück, mit dem sie jetzt drei Kinder hat.

Andere wohnen eine Zeit lang mal sehr alternativ, machen sich nicht allzu viel aus den häuslichen Pflichten und sind statt dessen jede Nacht in irgendeinem Club. Und nach einer Zeit finden sie selbst heraus, wie viel Ruhe und wie viel Ausgehen ihnen wirklich gut tut.

Ein Bekannter von mir hatte eine Zeit lang 3-4 Freundinnen parallel, bis er erschöpft feststellte, dass ihm eine Frau eigentlich reicht. Und so hält er es bis heute.

Ich habe den Eindruck, dass Sie sehr hohe Ansprüche an sich selbst stellen und erwarten, dass Sie das Alleinleben sofort gut bewältigen müssen. Ich denke aber, dass Sie sich ruhig Zeit lassen können, um zu schauen, was auf Anhieb klappt und was nicht. Vielleicht fühlen Sie sich zwischendurch in einer eigenen Wohnung mal einsam, aber dann wird Ihnen sicher auch etwas einfallen, wie Sie mehr unter Menschen kommen.

Vielleicht reicht Ihr Geld wirklich mal nicht , doch dann können Sie als Bankkauffrau das bestimmt auch lösen.

Vielleicht erwischen Sie nicht gleich die perfekte Wohnung, aber dann können Sie immer noch umziehen.

Ich denke, dass die pessimistische Denkweise Ihrer Eltern Ihnen allen Wind aus den Segeln nimmt und die Probleme größer macht, als sie wirklich sind. Eigentlich müsste es die Aufgabe Ihrer Eltern sein, Ihnen Mut zu machen.

Ich befürchte allerdings, dass Ihre Eltern sehr starke eigennützige Gründe haben, um Sie einzuschüchtern und somit bei sich zu behalten. Man kann es so sehen, dass Ihre Eltern sehr viel Unterstützung und Trost dadurch haben, dass Sie noch bei ihnen wohnen. Wenn Sie weg wären, müsste Ihre Mutter sich alleine um Ihren Vater kümmern, die beiden hätten außer einander keinen Ansprechspartner, und das ganze Szenario wäre extrem düster und trostlos.

Haben Sie eigentlich Schuldgefühle, Ihre Eltern sich selbst zu überlassen? Ich meine damit nicht, dass Ihre Schuldgefühle berechtigt sind. Aber es kann sein, dass Ihre Eltern es so sehen, dass es eigentlich Ihre Aufgabe ist, sich im Alter um sie zu kümmern. Das würde Ihnen das Loslösen natürlich sehr schwer machen.

Wie wäre es, wenn Sie es in ganz kleinen Schritten versuchen? Rechnen Sie doch einmal durch, wie viel eine Wohnung oder ein Zimmer kosten dürfte. Mieten Sie dann eine Wohnung oder ein Zimmer und verbringen Sie erst einmal nur ein paar Stunden, einen Abend oder ein Wochenende dort. Den Rest der Zeit sind Sie bei Ihren Eltern, sodass Sie beide Welten spüren und vergleichen können.

Haben Sie eine sehr eigenständige Freundin, die Ihnen bei der Einrichtung helfen kann, mit Ihnen Zeit in der neuen Wohnung verbringt und Ihnen mal konkret erzählt, wie das Alleinleben mit Mitte 20 aussehen kann?

Vielleicht können Sie Auf- sich-gestellt-sein auch erst einmal mit den Wochenenden und Ihrem Urlaub 'üben': Fahren Sie doch einmal mit einer Freundin oder einer Reisegruppe für Singles an einen Ort, an den Sie immer schon mal reisen wollten. Verbringen Sie mal ein Wochenende in einer anderen Stadt und probieren Sie aus, was Ihnen gefällt und was nicht. Auch das schult die Autonomie.

Was sind denn eigentlich Ihre Wünsche oder Träume, die mit dem Alleinleben verbunden sind? Zum Beispiel: Einfach mal eine Wand pink anstreichen. Ein ganzes Wochenende mit einer Freundin verbringen ohne Kontrollfragen Ihrer Eltern. Drei Freundinnen zum Kochen einladen. Mal einen gutaussehenden Mann mitbringen…

Sie können sich auch ganz genau vorstellen, wie genau Ihr Leben verlaufen würde, wenn Sie in 10 Jahren immer noch bei Ihren Eltern wohnen. Wie sehen Sie dann aus? Welche Richtung haben Ihre Mundwinkel? Wie ist Ihre Stimmung? Welche körperlichen Beschwerden haben Sie? Wie sieht Ihr Tag aus (Vater pflegen, Mutter aufmuntern…). Und wie geht es Ihnen, wenn Sie Ihre Freundinnen besuchen, die Kinder haben?

Wichtig ist auch, dass Sie sich vor Augen führen, dass Sie höchstwahrscheinlich keinen Mann kennen lernen können, solange Sie noch bei Ihren Eltern wohnen und damit so unzufrieden sind. Ihre Zukunftspläne und Ihre Familiengründung hängt also ganz stark davon ob, ob Sie jetzt auf eigenen Beinen stehen und sich einen guten Partner suchen können.

Ich hoffe sehr, dass Sie es bald schaffen, eine Wohnung zu finden und von dort aus in mutigen Schritten in ein unabhängiges Leben zu gehen.

Herzliche Grüße,

Julia Peirano





Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(