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Meinung

Trump und die Folgen: Wir leben in einer Welt, in der Worte nichts mehr wert sind – was das wirklich bedeutet

Es besteht schon längst kein Zweifel mehr: Donald Trump verändert die Welt, wie wir sie kennen. Der US-Präsident hat es in weniger als zwei Jahren Amtszeit geschafft, dass Wahrheit und Fakten nur noch willkürlich definierbare Begriffe sind. Welche Folgen das für uns alle hat.

"Eine schreckliche Person!": Trump attackiert CNN-Reporter – sehen Sie hier den Eklat im Video

Gestern habe ich es mal wie Donald Trump versucht. "Der Himmel ist grün", habe ich zu meiner Freundin gesagt. Daraufhin schaute sie mich an wie eine Krankheit. "Ähm, nein", sagte sie, "der Himmel ist blau." Ich machte ein ernstes Gesicht, zeigte mit dem Finger auf sie und sagte: "Für mich ist der Himmel grün.Wir sind da unterschiedlicher Meinung." Das war der Moment, in dem meine Freundin nicht mehr anders konnte: Sie lachte mich aus.

Recht hatte sie. Wer etwas so offensichtlich Lächerliches von sich gibt wie ich in jenem Moment, der darf sich nicht wundern, wenn er nicht ernstgenommen wird. Aber leider ist die Situation manchmal zu ernst für eine angemessene Reaktion wie diese. Zum Beispiel, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten, der vermeintlich mächtigste Mann der Welt, genau so vorgeht: wenn er Tag für Tag Lügen verbreitet, die mit Fakten leicht zu widerlegen sind, worum er sich aber nicht im Geringsten schert. Unverdrossen beharrt er weiter auf seiner Unwahrheit.

Donald Trump: narzisstischer Lügenwahnsinn

Es besteht schon längst kein Zweifel mehr: Donald Trump verändert die Welt, wie wir sie kennen. Er hat es in weniger als zwei Jahren Amtszeit bereits geschafft, dass Wahrheit und Fakten nur noch willkürlich definierbare Begriffe sind. Er stellt rund um die Uhr Behauptungen auf, die keiner sachlichen Prüfung standhalten, uns sobald ihn jemand darauf hinweist, versucht er, den Zweifler mit der Mimik und Gestik eines überforderten Kindergärtners ("Ruhe jetzt!", "Hinsetzen!") zu maßregeln. Es ist ein so lächerliches Schauspiel, dass es eigentlich unmöglich ist, ernsthaft darüber zu diskutieren – wäre das Amt, das dieser Mann unfassbarerweise bekleidet, nicht von solcher Wichtigkeit für die Weltpolitik. Und würde dieser notorische Lügner mit seiner törichten Taktik nicht immer wieder davonkommen.

Das jüngste Beispiel für Trumps narzisstischen Lügenwahnsinn: Der Streit des Präsidenten mit dem unliebsamen CNN-Reporter Jim Acosta. Dessen forsche Nachfragen quittierte Trump mit Wut, natürlich führte der Präsident auch wieder die gute, alte "unterschiedliche Meinung" bezüglich der sogenannten "Flüchtlingskarawane" ins Feld. Schlimmer noch: Im Anschluss an den Eklat wurde Acosta seine Akkreditierung für das Weiße Haus "bis auf Weiteres" entzogen – weil er gegenüber einer Mitarbeiterin des Weißes Hauses während der PK handgreiflich geworden sein soll.

Fernsehbilder belegen, dass dies nicht den Tatsachen entspricht – was Regierungssprecherin Sarah Sanders natürlich nicht davon abhält, auf ihrer Version zu bestehen und sie mit der Erklärung zu veredeln, so ein Verhalten "niemals zu tolerieren". Dass sich CNN stolz über die Arbeit ihres Reporters geäußert habe, sei "nicht nur widerlich, sondern auch ein Beispiel ihrer empörenden Missachtung für alle, auch junge Frauen, die in dieser Regierung arbeiten". CNN sah sich gar genötigt, das Video zur umstrittenen Szene zu twittern, sodass die Welt es sehen könne:

Wir haben uns an diese Idiotie gewöhnt

Aber das Schlimmste daran ist weder diese Anekdote noch all die anderen, mit denen Trump nicht nur den Late-Night-Moderatoren seines Landes zuverlässig Stoff zum fassungslosen Staunen liefert: Es ist die seltsame Selbstverständlichkeit, mit der wir diese Idiotie inzwischen über uns ergehen lassen. Wir sind abgestumpft, wir haben uns daran gewöhnt. Und das ist die eigentliche Katastrophe: Dank Trump, der längst als Vorbild für politische Kollegen von Budapest bis Brasilien fungiert, leben wir in einer Welt, in der Worte, Wahrheit und Fakten langsam, aber sicher nichts mehr wert sind.

Das hat gravierende, langfristige Folgen für uns alle, die wir gar nicht abschätzen können, weil wir noch viel zu sehr damit beschäftigt sind, unsere Fassungslosigkeit wegzulachen. Aber sobald wir wider besseres Wisses darauf beharren, dass der Himmel grün oder die Erde eine Scheibe ist, sobald wir uns nicht mehr auf das Wort unseres Mitmenschen verlassen können, wird Demokratie unmöglich. Mehr noch: Dann wird Kommunikation unmöglich. Wenn wir erstmal an diesem Punkt angelangt sind, ist das Ende unserer Zivilgesellschaft nicht mehr fern. Und nein, das ist keine Übertreibung Trump'scher Prägung. Es ist bloß die Wahrheit. Also, falls ihr euch dieser Tage überhaupt noch erinnern könnt, was das ist: die Wahrheit.

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