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EU-Austritt: "Es tut mir so leid": Pro-Brexit-Wähler bricht während Radiosendung in Tränen aus

Die Ernüchterung der Realität dürfte inzwischen bei vielen Pro-Brexit-Wählern eingeschlagen sein. Doch ein Mann scheint nun besonders mit seiner Entscheidung zu hadern und brach in einer britischen Radiosendung in Tränen aus. 

Brexit: Trauriger Mann

Ein ernüchterter Pro-Brexit-Wähler brach in einer Radiosendung in Tränen aus (Symbolfoto)

Getty Images

Der Brexit hat die Briten in eine Krise gestürzt. Nicht nur finanziell, auch gesellschaftlich schlug die Entscheidung, die EU zu verlassen, tiefe Kerben in ein bislang recht behütetes Miteinander. 

Während in Großstädten wie London noch wenige Wochen vor der Abstimmung fest davon ausgegangen wurde, dass die Entscheidung niemals Pro-Brexit ausfallen könne, ignorierte man hierbei diejenigen, die in den ländlichen Gegenden wohnen und sich seit Jahren von der Politik im Stich gelassen fühlen. Die Protest-Wähler. Dabei waren genau sie es gewesen, die von den Brexit-Speerspitzen um Nigel Farage und Boris Johnson mit ihrer politischen Kampagne ins Auge gefasst wurden.

Was die Protest-Wähler sich jedoch niemals erträumt hätten: Am Morgen nach der Abstimmung – als die Tinte des sehr knappen Ergebnisses noch nicht ganz getrocknet war –, verkündete Farage im Frühstücksfernsehen bereits, dass das versprochene Geld, das in das Gesundheitssystem gesteckt werden sollte, wohl doch nicht kommen würde. Es sei "ein Fehler" gewesen, dies zu versprechen. 

Nach und nach stellte sich heraus: Die Anführer der Pro-Brexit-Kampagne hatten keinen wirklichen Plan, hatten vermutlich nicht damit gerechnet, die Abstimmung tatsächlich zu gewinnen. Sie traten, einer nach dem anderen, zurück und hinterließen ein Schlachtfeld, welches andere nun versuchen, mit Mühe und Not aufzuräumen. Mit anderen Worten: Die Brexit-Wähler wurden getäuscht.

Die Schuld am Brexit liegt nicht auf den Schultern einzelner Wähler

Was das konkret bedeutet, zeigt nun der Anruf eines Mannes beim britischen Radiosender "LBC". Während des Gesprächs mit Moderator James O'Brien am Donnerstagmorgen, bricht der Mann, der sich "Bill" nennt, urplötzlich in Tränen aus. Er habe damals für den Brexit gestimmt, weil er wirklich geglaubt habe, dass es im besten Interesse seiner Heimat sei. "Ich lag falsch. Du hattest recht und ich lag falsch", schluchzt er ins Telefon. Es tue ihm wahnsinnig leid: "Was habe ich meinem Land nur angetan? Es tut mir so leid."

Ein sichtlich aufgebrachter O'Brien verliert daraufhin kurz die Fassung und findet klare Worte: "Bill, es waren 17,4 Millionen Menschen. Du kannst nicht die ganze Last auf deine Schultern nehmen. Schau dir an, wie viel Geld diese Menschen darein investiert haben, dass du so entscheidest. Ich werde nicht erlauben, dass du dir selbst die Schuld gibst." Stattdessen solle er die Leute zur Verantwortung ziehen, die ihm die falschen Informationen ins Ohr geflüstert hätten: "Entschuldige dich nicht, sei wütend. Und wenn du dazu noch nicht bereit bist, werde ich an deiner Stelle wütend sein."

Die britische Regierung hat am Mittwochabend den Entwurf eines Austrittsvertrags mit der Europäischen Union gebilligt. Doch die eigentliche Hürde wartet noch, denn im britischen Parlament, das dem Entwurf zustimmen muss, gibt es großen Widerstand, der zuletzt zu einigen Rücktritten geführt hatte.

jgs