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"Umgekehrter Rassismus": Warum in London plötzlich Filmplakate mit schwarzen Darstellern hängen

Diese Filmplakate hängen derzeit an den Bushaltestellen in London. Gibt es etwa bald Neuverfilmungen von "Titanic" und "Harry Potter" mit schwarzen Schauspielern in den Hauptrollen? Das nicht. Aber was steckt dahinter?

Die Filmplakate von Titanic und Harry Potter hängen in London gerade mit schwarzen Schauspielern

Unter anderem diese Filmplakate hängen in London an den Bushaltestellen. Dahinter steckt die die politische Bewegung "Legally Black".

Das offizielle Filmplakat von "Titanic" kennt vermutlich jeder. Über dem Bug des Schiffes umarmt Leonardo DiCaprio innig Kate Winslet. Doch in London hängt an einer Bushaltestelle derzeit ein ganz anderes – eines, das nicht offiziell ist: Auf dem sind die zwei Schauspieler durch eine schwarze Frau und einen schwarzen Mann in exakt der gleichen Pose ersetzt. Dahinter steckt die politische Bewegung "Legally Black".

"Wir haben uns zusammengeschlossen, die Art und Weise zu bekämpfen, in der Schwarze in den Medien dargestellt werden", sagt Belmiro Matos da Costa NEON. Er ist einer der insgesamt vier Mitglieder der Organisation. Ihr erstes Projekt ist nun, weiße Charaktere aus berühmten Filmen durch schwarze zu ersetzen: "Wir glauben, dass wir damit etwas verändern können", so da Costa.

Filmplakate sorgen nicht nur in London für Aufmerksamkeit 

In den sozialen Netzwerken werden mittlerweile mehrere Fotos solcher Plakate geteilt. Das "Titanic"-Cover ist nämlich nicht das einzige, das momentan in London hängt. Überall in der englischen Hauptstadt sind Filmplakate verteilt, auf denen weiße Schauspieler durch schwarze Schauspieler ersetzt wurden. Da ist James Bond auf einmal schwarz, genauso wie Bridget Jones, Hermine Granger, Ron Weasley oder Harry Potter.

Im Netz reagieren die Menschen größtenteils positiv, und auch medial schlägt die Aktion Wellen. "Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet", erzählt er uns. "Die Kampagne war nämlich zu 100 Prozent auf Großbritannien beschränkt." Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die "Legally Black" vorwerfen, nur Aufmerksamkeit zu wollen. Das stimme teilweise auch, sagt Belmiro Matos da Costa. "Natürlich wollen wir das. Aber wir wollen vielmehr, dass Schwarze besser und nicht in stereotypischen Rollen in Filmen auftauchen."

Man betreibe deshalb einen "umgekehrten Rassismus". Dieser richte sich nicht gegen Filme wie "Harry Potter", sondern gegen die Tatsache, dass schwarze Schauspieler in solchen Filmen keine Hauptrolle spielen. "Das ist notwendig, um zu zeigen, dass wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben", so da Costa. Zumal das Thema nicht nur schwarze Darsteller betreffe, sondern auch andere Minderheiten. "Für Muslime, Behinderte und Homo- und Transsexuelle gilt das gleiche", sagt der Engländer.

Filme wie "Black Panther" sind erste Fortschritte

Wie lange die Plakate noch an Londons Bushaltestellen hängen, ist unklar. Auf jeden Fall hat "Legally Black" den richtigen Nerv getroffen. Auch wenn die jüngere Vergangenheit zeigt, dass sich vor allem in der Filmbranche in den letzten Jahren einiges getan hat - in Sachen Gleichberechtigung. Das beweisen nicht zuletzt Filme wie "Black Panther", "Pacific Rim" oder auch der als bester Film bei den Oscars ausgezeichnete "Moonlight". Dennoch gibt es laut der Organisation noch einiges zu bewegen. Deshalb kämpfe man weiter.