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Neue Sicherheitssysteme für Motorräder Das Auto steht Pate

BMW K 1600 GTL mit Laserlicht
BMW K 1600 GTL mit Laserlicht
© press-inform - das Pressebuero
ABS, ESP und Totwinkelwarner sorgen nicht nur im Auto für Sicherheit. Immer mehr Technik kommt auch den Motorradfahrern zugute.

Motorradfahren ist eine gefährliche Sache. Die so wichtigen Crashzonen fehlen und oftmals wird der kleinste Fehler am Steuer bestraft. Immer mehr Sicherheitssysteme, die einst für Autos eingeführt wurden, sind mittlerweile auch für Motorräder zu bekommen. Hier retten sie Leben. Von 2008 bis 2013 sank die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer in Deutschland um 13 Prozent auf 568. Dank neuester Sicherheitssysteme soll sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen.

Licht ist für die Biker wichtiger denn je. Mittlerweile sind bei zahlreichen Herstellern Motorräder mit ebenso kleinen wie lichtstarken LED-Modulen zu bekommen. Zudem sind je nach Modell adaptives Kurvenlicht, LED-Tagfahrlicht oder ein dynamisches Bremslicht zu bekommen. BMW geht derzeit noch einen Schritt weiter. Nachdem bei den Automobilen i8 und 7er BMW das Laserlicht als Zusatzfernlicht eingeführt wurde, soll die Technik mittelfristig auch Einzug aufs Zweirad halten. Das Konzeptmotorrad BMW K 1600 GTL ist mit einem Laserlichtmodul ausgestattet, dass die Reichweite des Fernlichts auf rund 600 Meter verdoppelt.

Auf der CES in Las Vegas stellte BMW zudem einen realitätsnahen Motorradhelm vor, der über ein Head-Up-Display verfügt, das Informationen zu Verkehr und Fahrzeug ins Sichtfeld des Motorradfahrers projiziert. Um die Ablenkung so minimal wie möglich zu halten, kann sich der Biker nur die Informationen einblenden lassen, die er benötigt. Dazu gehören je nach Wunsch Navigation, Reifendruck, Öl- und Tankfüllstand, Fahrgeschwindigkeit und eingelegten Gang, Speedlimit- und Schildererkennung. In einem zweiten Schritt kann der Helm auch auf plötzliche Gefahrenstellen hinweisen. Der auf der CES vorgestellte Zukunftshelm verfügt zudem über zwei integrierte Kameras. Die vordere kann das Verkehrsgeschehen aufnehmen und komplette Fahrtvideos produzieren; die Kamera nach hinten dient als digitaler Rückspiegel; sinnvoll auch innerhalb einer Motorradgruppe. Die Bedienung der zahlreichen Helmfunktionen geschieht über einen Controller auf dem Lenker. Einziges Problem: aufgrund der vielfältigen Module liegt die Akkulaufzeit des Helms bei überschaubaren fünf Stunden.

Dieses Jahr heißt es für die letzten Hersteller technisch aufzustocken. Das ABS, Ende der 80er Jahre ebenfalls von BMW eingeführt, wird ab 1. Januar kommenden Jahres für alle neu zugelassenen Motorräder über 125 ccm Hubraum zur Pflicht. Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control: "ABS kann ein Viertel aller Motorradunfälle mit Toten und Verletzten verhindern." Das aktive Sicherheitssystem verhindert das Blockieren der Räder. Der Fahrer kommt damit bei einer Vollbremsung oder beim Bremsen auf rutschigem Untergrund wesentlich sicherer zum Stehen.

Mehr und mehr haben sich neben dem Blockierverhinderer ABS auch die Anti-Schlupf-Regelungen - ebenfalls eine Technologie aus dem Bereich Automobil - durchgesetzt. Immer mehr Zweiräder kontrollieren nunmehr feinfühlig, ob die Motorleistung überhaupt auf den Asphalt zu bringen ist. Droht das Hinterrad durchzudrehen, nimmt die Motorelektronik die Leistung zurück und das Motorrad wird stabilisiert. Noch einen Schritt weiter geht die Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC. Das von Bosch entwickelte System erfasst die aktuelle Schräglage und passt die Unterstützung des ABS und der Traktionskontrolle daran an. Es hilft damit insbesondere in Kurven, wo sich nahezu jeder zweite Motorradunfall mit Todesfolge ereignet. "MSC bietet wie das ESP im Auto die derzeit bestmögliche Unterstützung - beim Beschleunigen und Bremsen, und das auch in starker Schräglage", so Gerhard Steiger.

Die Motorrad-Stabilitätskontrolle ging Ende 2013 erstmals in der 1190 Adventure und der Adventure R von KTM als Weltneuheit in Serie. Technisch basiert MSC auf einem ABS mit Verbundbremsfunktion und nutzt zusätzlich einen Schräglagesensor. Dieser misst die tatsächliche Neigung des Motorrads, und das System passt die Eingriffe beim Bremsen und Beschleunigen an diese Schräglage an. Auswertungen zeigen, dass MSC zwei Drittel aller selbst verschuldeten Motorradunfälle in Kurven positiv beeinflussen kann. Bleibt abzuwarten, wie lange es dauert, dass MSC sich in der Motorradszene verbreitet und letztlich einen ähnlichen Weg wie das ABS geht.

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