Di Falco beteuerte nach der Urteilsverkündung erneut seine "vollkommene Unschuld". Er sei "schockiert", dass seine "moralische und psychologische Unterstützung eines Waisenjungen" falsch gedeutet werde, teilte sein Anwalt mit. Zudem gebe es keine Beweise für die ihm vorgeworfenen Taten, die mehr als 50 Jahre lang zurücklägen. De Falco werde eine Beschwerde beim höchsten Berufungsgericht einlegen.
Bei dem Kläger handelt es sich um den heute 65 Jahre alten Pierre-Jean Pagès. Er wirft De Falco vor, ihn zwischen 1972 und 1975 vergewaltigt zu haben, als der Geistliche eine weiterführende katholische Schule in Paris leitete. Die Taten sind strafrechtlich verjährt, aber Pagès strengte zudem ein Zivilverfahren an. Der 84 Jahre alte ehemalige Bischof befindet sich im Ruhestand.
Das Investigativmagazin "Mediapart" hatte vor einigen Monaten die handschriftliche Korrespondenz des früheren Bischofs mit einem anderen Jugendlichen veröffentlicht, die eine mehrjährige homosexuelle Beziehung erkennen ließ. Der Jugendliche war zu Beginn ihrer Bekanntschaft 15 Jahre alt. Er sagte später, dass di Falco die Beziehung beendet habe, als er "nicht mehr frisch genug" gewesen sei. Dies habe ihn in eine tiefe Krise gestürzt. Di Falco wies auch in diesem Fall jegliches Fehlverhalten zurück.
Di Falco war lange Zeit einer der bekanntesten Bischöfe Frankreichs, da er mit zahlreichen Politikern und Prominenten befreundet war und sich häufig in Medien äußerte. Er zelebrierte 2024 die Trauerfeier für den Schauspieler Alain Delon. 2020 hatte er eine private Trauerfeier für den verstorbenen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing mitzelebriert, dem er nahestand. Anfang der 2010er Jahre hatte De Falco landesweit Erfolg mit der von ihm gegründeten katholischen Pop-Band "Les Prêtres" (Die Priester).