Wilmer sagte, der Glaube sei "eine Quelle von Kraft". Es gehe ihm darum, das Evangelium zu verkünden. Die katholische Kirche habe eine schwere Krise hinter sich, sagte Wilmer mit Blick auf den Missbrauchsskandal. Die Kirche sei aber für viele Menschen ein wichtiger Anker. "Die katholische Kirche ist attraktiv."
Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz äußerte zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine Solidarität mit den Menschen in dem Land. "Wir schauen heute am Jahrestag des russischen Angriffs auf eine Welt, die nach Frieden ruft - im Namen Gottes, dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt", appellierte Wilmer. Frieden sei kein ferner Traum. "Wir stehen an der Seite der Menschen in der Ukraine."
Der 64-jährige Wilmer ist seit 2018 Bischof im niedersächsischen Hildesheim. In dem Bistum ist die katholische Kirche in der Diaspora, sie steht also für die Minderheit der Bevölkerung. Damit ist der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz erstmals ein Bischof aus einer Diasporadiözese.
Eine seiner Stärken ist seine Weltgewandtheit: Wilmer ist mehrsprachig und spricht auch fließend Italienisch, er gilt als gut im Vatikan vernetzt und unterhielt als Provinzial des Ordens der Herz-Jesu-Priester in Deutschland viele Kontakte in die Weltkirche.
Wilmer zählt zu den Unterstützern des innerkirchlichen Reformprozesses synodaler Weg, ist allerdings in seinen Positionen eher zurückhaltend. So äußerte er sich nach seiner Wahl auch vage dazu, wie er die in der katholischen Kirche bisher nicht vorgesehen Weihe von Frauen sieht. "Ich freue mich auf die Überraschungen des Heiligen Geistes", sagte er.
Der Sprecher der gegenüber der Amtskirche kritischen Bewegung Wir sind Kirche, Christian Weisner, kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Wilmer habe bei seinem ersten Auftritt zu den kritischen Themen nur ausweichend gesprochen und verbale "Wattebäusche" geworfen. Er hoffe, dass sich dies bald ändere und Wilmer konkreter werde. "Er wird sehr schnell liefern müssen."
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, erklärte, sie blicke "mit großer Zuversicht" auf die ökumenische Zusammenarbeit mit dem neuen Vorsitzenden. "Heiner Wilmer habe ich als einen in jeder Hinsicht vielsprachigen und aufgeschlossenen, klugen und weltgewandten Gesprächspartner kennengelernt, dem daran liegt, Strukturreformen und geistliche Erneuerung miteinander zu verbinden." Für die weiteren Schritte auf dem Weg der Synodalität, auf den sich die römisch-katholische Kirche in Deutschland gemacht habe, "können seine weltkirchlichen und seine vatikanischen Erfahrungen von Nutzen sein."
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz gilt als Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Diese ist trotz eines Mitgliederschwunds weiter die stärkste Religionsgemeinschaft in Deutschland, knapp ein Viertel der Bevölkerung ist katholisch. Er vertritt die Kirche nach außen, ist Ansprechpartner für die Politik und auch erster Ansprechpartner für den Papst. Allerdings muss sich jeder Vorsitzende an die Beschlüsse der Gremien der Bischofskonferenz halten – inhaltliche Alleingänge bei strittigen Themen sind nicht möglich.
In den vergangenen sechs Jahren gab es in der Amtszeit Bätzings wiederholte Kontroversen mit dem Vatikan über den sogenannten synodalen Weg, den Reformprozess der deutschen Kirche. Rom warf unter dem verstorbenen Papst Franziskus der deutschen Kirche zwischenzeitlich Spaltungstendenzen vor. Als eine wichtige Aufgabe des neuen Vorsitzenden gilt, das seit der Wahl von Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr bereits entspanntere Verhältnis zum Vatikan weiter zu normalisieren.