Studie an Forschenden
Studie: Dauer-Isolation fördert Misstrauen und Konflikte

Monatelange Isolation kann Konflikte in Gruppen verstärken, zeigt eine Studie aus der Antarktis. Foto: Jessica Studer/EurekAlert
Monatelange Isolation kann Konflikte in Gruppen verstärken, zeigt eine Studie aus der Antarktis. Foto
© Jessica Studer/EurekAlert/dpa

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Spannungen, Misstrauen, Paranoia: Monatelange Isolation kann für Konflikte in Gruppen sorgen, zeigt eine Studie aus der Antarktis. Was das für geplante Mond- und Marsmissionen bedeutet.

Wenn Menschen monatelang unter Extrembedingungen in einer kleinen Gruppe leben, hat das weitreichende Auswirklungen auf die Psyche. Das zeigt eine Studie an der Besatzung einer entlegenen Antarktis-Forschungsstation. "Bei längerer Isolation stärkt ständige Nähe Beziehungen nicht unbedingt, sondern kann viel mehr Spannungen, Misstrauen und psychische Belastungen verstärken", berichten Forschende mehrerer Universitäten, darunter Zürich, Bern und Würzburg, in der Fachzeitschrift "PNAS" ("Proceedings of the National Academy of Sciences"). Dies sollte man bei künftigen Weltraummissionen berücksichtigen.

Das Autorenteam untersuchte zehn Monate lang die zwölfköpfige Besatzung der französisch-italienischen Antarktisstation Concordia, die an einem der entlegensten Orte der Erde auf etwa 3.200 Metern Höhe liegt. Dabei ging es unter anderem um Teamdynamik, soziales Miteinander, Misstrauen und Einsamkeit. Fazit: "Unter Extrembedingungen nehmen Einsamkeit, Misstrauen und Konflikte zu, während Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit sinken", schreibt die maßgeblich beteiligte Universität Bern. 

"Wir haben in der Gruppe deutliche Paranoia gemessen" 

Weil ein Zugang im antarktischen Winter von Mitte Februar bis Mitte November nicht möglich ist, lebte und arbeitete die Besatzung in völliger Abgeschiedenheit. Die zwölf Forscher trugen Sensoren, die erfassten, wann sie sich wie lange mit wem trafen, und sie füllten mehrfach Fragebögen aus. 

Einige Teammitglieder hätten nach ein paar Monaten geglaubt, dass andere über sie sprechen oder sie beobachten würden, berichtet der Würzburger Psychiater Sebastian Walther. Diese Personen hätten angenommen, dass die anderen ihr Schaden wollten, sagte Walther der dpa. Er wertet dies nach gängigen Kriterien als Paranoia, die es auch in leichter Ausprägung gebe: "Wir haben in der Gruppe der Expedition deutliche Paranoia gemessen. Aber das ist natürlich weit entfernt von einem paranoiden Verfolgungswahn wie bei schweren psychischen Erkrankungen."

Wichtige Erkenntnisse für Langzeit-Weltraummissionen

Und auch mehr physische Nähe wirkte sich nicht automatisch positiv auf die Antarktiscrew aus. "Personen mit vielen Kontakten berichteten häufiger von Konflikten, wachsendem Misstrauen und geringerer Leistungsfähigkeit", fast die federführend beteiligte Universität Zürich (UZH) ein Resultat zusammen. Denkbar sei, dass einsame Personen zwar vermehrt Kontakt suchen, dieser ihnen jedoch nicht ausreichend Unterstützung geboten habe.

Das Team sieht in den Ergebnissen wichtige Erkenntnisse für geplante Langzeit-Weltraummissionen, etwas zu Mond und Mars, aber auch für andere extreme Arbeitsumgebungen wie etwa U-Boote und Offshore-Plattformen. "Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, soziale Dynamiken früh zu erkennen und Teams gezielt zu unterstützen", kommentierte UZH-Co-Autor Jan Schmutz.

dpa

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