Die von den Behörden genannten Opferzahlen stiegen am Samstagmorgen stetig an. Der Staatssender CCTV berichtete, 123 Menschen seien verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, vier unter ihnen in lebensbedrohlichem Zustand. Aufnahmen des Senders zeigten Helfer am Unfallort, die Menschen auf Tragen abtransportierten. Zahlreiche Rettungskräfte setzten die Suche nach Überlebenden fort.
Der verletzte Bergarbeiter Wang Yong sagte dem Sender, es habe eine starke Rauchentwicklung gegeben und er habe Schwefel gerochen. Er habe gesehen, wie Menschen erstickten, bevor er selbst das Bewusstsein verlor. "Ich lag etwa eine Stunde dort und bin von selbst wieder aufgewacht", berichtete Wang. Dann habe er gemeinsam mit anderen das Bergwerk verlassen können.
Die Gasexplosion im Liushenyu-Kohlebergwerk war das folgenschwerste Bergbauunglück in China seit 17 Jahren. 2009 waren bei einer Explosion in einem Bergwerk in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang 108 Menschen ums Leben gekommen.
Chinas Staatschef Xi Jinping rief zur Versorgung der Verletzten auf und forderte laut Xinhua eine gründliche Untersuchung des Unglücks. Alle Beteiligten müssten "Lehren aus diesem Unfall ziehen" und hinsichtlich der Arbeitssicherheit "stets wachsam bleiben". Eine "verantwortliche Person" des zuständigen Bergbauunternehmens sei "gemäß den gesetzlichen Bestimmungen in Gewahrsam genommen worden", berichtete Xinhua.
Die Provinz Shanxi ist das Zentrum der Kohleförderung in China. Die asiatische Großmacht verzeichnet trotz des rasanten Ausbaus erneuerbarer Energien den größten Verbrauch von Kohle weltweit. Die Sicherheit in Bergwerken in China hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verbessert, trotzdem gibt es immer wieder Unfälle.