"Ich bin wegen eines Abszesses zu ihm gegangen, er hat mir alle Zähne gezogen", berichtete eine 47-jährige Frau namens Anabela. "Sie haben meine Familie zerstört. Meine Mutter kann nur noch Püriertes essen, sie wollte nicht mehr weiterleben", bestätigte ihre 28-jährige Tochter Raquel.
Der ehemalige Zahnarzt zeigte sich von den Schilderungen seiner früheren Patienten ungerührt. Er hatte zu Prozessbeginn alle Vorwürfe zurückgewiesen. Er sei Opfer seiner Assistentin gewesen, erklärte er.
"Mir tat nur der Weisheitszahn weh, aber er hat gesagt, es müsse alles raus", sagte der 54 Jahre alte Pierre. Der Angeklagte habe ihm innerhalb von zwei Stunden 14 Zähne gezogen.
"Ich habe nicht den Eindruck, dass ihm das Ausmaß des Trümmerfelds bewusst ist, das er hinterlassen hat", sagte der Anwalt Michel Chomiac de Sas.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann die Krankenkasse durch unnötige oder falsch abgerechnete Eingriffe um 330.000 Euro betrogen hat. Die Ermittler hatten 44 Opfer identifiziert, die tatsächliche Zahl könnte noch höher sein.
Der Mann hatte etwa zwei Jahrzehnte in Portugal und in Mosambik als Zahnarzt gearbeitet und sich 2018 im südfranzösischen Ort Badaroux niedergelassen.
Der Fall erinnert an die sogenannten Horror-Zahnärzte von Marseille: Im Oktober 2023 hatte ein französisches Gericht zwei Zahnärzte aus der südfranzösischen Hafenstadt zu fünf und acht Jahren Haft verurteilt. Sie hatten etwa 400 Patienten aus einkommensschwachen Vierteln gesunde Zähne gezogen oder ihnen unnötige Behandlungen aufgedrängt.