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Frage Nummer 3000023816 Gast

Darf der Arbeitgeber nach Kündigung Minusstunden mit dem Gehalt verrechnen?

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 01.06.15 habe ich bei meinem Arbeitgeber angefangen (Sozialpädagogin im öffentlichen Dienst). Im ersten Monat gab es nicht genug Arbeit, aber uns wurde versichert, dass es kein Problem sei Minusstunden anzuhäufen. Die darauf folgenden Monate arbeitete ich nach Dienstplan, kam aber trotzdem nie auf meine Stunden und häufte weiter Minusstunden auf meinem Arbeitszeitkonto an. Daraufhin ergab sich ein Gespräch mit dem Arbeitgeber in dem gesagt wurde Minusstunden sollen bis zum Ende des Jahres abgearbeitet werden, worauf hin ich und die Kollegen anfingen unsere Stunden bestmöglich abzuarbeiten. Dann wurde ich krank und mein Arbeitgeber behauptete meine Krankmeldungen seien zum Teil nicht eingegangen, was meine Minusstunden noch weiter erhöhte. Jetzt wurde ich zum Ende der Probezeit gekündigt, obwohl ich krank bin und habe auch ohne eine Vorwarnung kein Gehalt bekommen. Ich gehe davon aus, dass der Grund dafür meine Minusstunden sind.
Was kann ich rechtlich dagegen unternehmen, bzw. habe ich überhaupt Möglichkeiten dagegen vorzugehen? Darf der Arbeitgeber das?

Vielen Dank schon mal im Voraus.

N.P.
Antworten (5)
ing793
1) Kündigung
Eine Kündigung zum Ende der Probezeit ist auch ohne Angabe von Gründen rechtlich nicht zu beanstanden. Gegen die Kündigung kannst Du nichts machen.
2) Minusstunden aus der Anfangszeit
So wie ich das verstehe, hast Du nach Dienstplan gearbeitet, d.h. die Stunden abgeleistet, die der Arbeitgeber Dir abgefordert hat. Danach wurdest Du krank und hattest daher keine Möglichkeit mehr, das vollständig auszugleichen. Das aber ist das "unternehmerische Risiko" des Arbeitgebers (selbst im ÖD), das er nicht auf Dich abwälzen darf. Eine Verrechnung dieser Stunden erscheint mir nicht zulässig.
3) fehlende AU-Bescheinigung
keine Ahnung (wobei mich der Umfang wundert - selbst wenn es zulässig sein sollte, Du hast doch Anspruch auf 12-15 Tage Urlaub, so viele Fehltage ohne AU kannst Du doch gar nicht haben, oder wie soll der verrechnet werden?)

Insgesamt solltest Du umgehend den Betriebsrat kontaktieren. Eine Einbehaltung des Gehalts erscheint mir zumindest fragwürdig.
machine
Wer's glaubt, wird selig.
Gast
Sozialpädagogin im öffentlichen Dienst??????
Träum weiter - aber nicht im öffentlichen Dienst!
Mars-Ultor
1. Die Kündigung während der Probezeit ist juristisch in Ordnung. Das Arbeitsverhältnis kann in diesem Zeitraum ohne Angabe von Gründen beendet werden.

2. Die fehlenden AU-Bescheinigungen verwundern mich ein wenig. Ich würde erwarten, dass der AG das Fehlen unverzüglich reklamiert. Dann hättest du die Möglichkeit, entsprechende Bescheinigungen nachzureichen.

3. Die Verrechnung der Minusstunden ist m. E auch okay. Auch bei variabler Arbeitszeit ist dir die "Sollarbeitszeit" bekannt. Diese Sollarbeitszeit ist abzuleisten und wurde vom Arbeitgeber in der Vergangenheit bezahlt. Du hast sie aber nicht abgeleistet und hast insofern das Gehalt zu Unrecht vereinnahmt. Eine Rückrechnung ist nicht nur logisch, sondern auch gerecht.
ing793
@mars-ultor: Punkt 3 ist so nicht korrekt.
Es ist Sache des Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer die Möglichkeit zu geben, seine Arbeitszeit abzuleisten.
Das hat er in den ersten Monaten nicht getan, daher sind Minusstunden aufgelaufen.
Prinzipiell sind diese später zwar auszugleichen. Wenn aber der Umstand der "Unmöglichkeit" auftritt (hier erst durch Krankheit und dann durch Kündigung) besagt die Rechtsprechung, dass eine Verrechnung mit dem Gehalt unzulässig ist.
Ob das gerecht ist oder nicht sei dahingestellt. Es ist aber Recht.