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Noch Fragen?

Frage Nummer 3000007392 Croc

Mein Katapult

ich bin die Tochter anstatt des Sohnes, den mein Vater gern gehabt hätte.
Wenn die Nachbarn in Ohnmacht fielen, wenn ich den Baum hochkletterte, gab er mir Anweisungen, wie man noch höher klettern kann.
Das nur zur Erklärung.
Ich habe mir im internet ein Katapult mit Kugeln, die aussehen wie aus einem Kugellager geklaut, gekauft. Und auch schon mal damit geschossen. Es haut mehr hin, als man so einfach annimmt.
Meine Frage ist, welche Geschwindigkeit erreichen diese Kugeln, und gibt es Vergleiche mit zB .22 Geschossen?
Antworten (16)
Amos
Bei uns hieß das Flitsche oder Zwille.
bh_roth
Nein, vergleichen kann man das nicht mit .22 lfb. Die Energie liegt bei .22 lfb zwischen etwa 200* Joule (Scheibenmunition, über 400* Joule (High Velocity) bis zu etwa 500* Joule (Stinger-Munition). Damit liegt die stärkste .22er im Bereich einer 9mm-Munition, wie sie beimMilitär und bei der Polizei zum Einsatz kommen.
Stahlkugeln aus einer Zwille (das sind tatsächlich meistens Kugellagerkugeln) erreichen - je nach Zwille etwa 50 m/s und kommen - abhängig vom Gewicht der Kugel auf etwa 100* Joule.
Das ist allerdings ausreichen, um im Bereich des Gesichts zu schweren Verletzungen zu führen. Ein Treffer im Auge zertört dieses.
Zwillen mit Armstütze und Kugellagerkugeln sind per Waffengesetz verboten. das nur so am Rande.
.
*) Die Energiewerte sind stark angenähert, nicht exakt berechnet, und von vielen beitragenden Faktoren abhängig.
bh_roth
Nachtrag: Eine .22 High Velocity aus einer Pistole mit 4" Lauf durchschlägt getragene Kleidung und kann z.B. das Herz locker erreichen und durchdringen. Genauso locker durchschlägt das Geschoss einen menschlichen Schädel. Diese (tödlichen) Verletzungen sind mit einer Zwille nicht möglich.
Amos
Ich erinnere mich noch an die Erbsenpistolen aus meiner Kindheit, die durchaus kleinere Verletzungen - insbesondere im Gesicht - verursachen konnten. Meine Eltern sahen die Dinger nicht gerne. Zumal wir statt Erbsen auch Metallkügelchen einfüllten.
ing793
@bh: Du solltest Deine Berechnung noch mal überprüfen. Um auf etwa 100 Joule zu kommen, brauchst Du einen Kugeldurchmesser von 12cm. Das erscheint mir eher unpraktisch.
Tatsächlich liegt der Wert um eine Zehnerpotenz darunter (10 Joule).
bh_roth
Lieber ing, danke für deine Ergänzung. Ich habe im Eifer eine Null zuviel getippt.
.
Hier ist ein Beispiel dafür, dass Korrekturen oder Richtigstellungen nicht mit Beleidigungen einhergehen muss.
Croc
Danke ihr beiden, auf euch ist Verlass.
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ihr ganz gern solche Fragen beantwortet. Na ja, sonst währt ihr ja auch nicht hier.
Ups, aber nun zurück zu meiner Frage.
Die Kugel aus meiner Zwille (wieder was gelernt ... hihihi ...) fliegt also 50 Meter per Sekunde. Das finde ich nicht besonders schnell, genügt aber einen anständigen – Klacks – an der Blechwand zu hinterlassen (für Fensterscheiben bin ich zu alt).
Wie schnell fliegt denn eine .22 Kugel?
Das mit dem Jule glaubt ihr doch nicht, dass ich das verstehe, oder? Jeder Mensch hat seine Beschränkungen.

\rm J = {}\rm \frac{kg \cdot m^2}{s^2} = N \cdot m = \rm Pa \cdot m^3={}\rm W \cdot s = C \cdot V

Quelle: Wiki

Und *grusel* meine Zwille ist illegal? Herrlich.
bh_roth
Wie bei allen Geschossen kommt es auf die Lauflänge an. Aus einer Pistole oder Revolver erreicht eine .22 lfB hohen Unter- bis knapp Überschall. Die von mir beschriebene Stinger erreicht über 450 m/s.
Croc
Danke, bh_roth 450 Meter pro Sekunde *gruselschön*, aber fliegt ein solches Geschoss auch 450 Meter weit?
ing793
wenn Du das Gewehr senkrecht nach unten hältst eher nicht ...
bh_roth
Es gibt in der Ballistik einen sogenannten"optimalen Abgangswinkel" für jedes Kaliber, mit dem eine maximale Reichweite erzielt wird. Es handelt sich um eine Lauferhöhung von etwa 45°, bezogen auf waagerecht. Deshalb gibt es auf Gewehrschießständen auch alle paar Meter Überbauten, die Geschosse, in diesem Winkel abgefeuert, aufhalten.
Eine .22er fliegt etwa 2000 m mit diesem optimalen Winkel.
Vielfach wird, vor allem zu Silvester, die Reichweite von Geschossen unterschätzt. Aus meinen Sachkundelehrgängen könnte ich über Vorkommnisse berichten, was die Projektile von im "Spaß"abgefeuerten Waffen in der Entfernung alles angerichtet haben. Aber das würde den Thread hier sprengen.
Croc
Herr ing793,
bitte benehmen Sie sich, wir sind hier auf dem Schießstand.
Croc
bh_roth
total interessant! Danke.
2 km weit fliegt so eine kleine Kugel. Hätte ich nicht gedacht.
Wissen sowas die Soldaten bei der BW? Und die Geschosse aus deren Gewehren fliegen ja bestimmt doppelt so weit.
Du bist doch Sniper, da hast du bestimmt ein besonderes Gewehr. Wie weit könntest du da tödlich treffen *doppelgrusel*?
bh_roth
Croc, ich habe dienstlich ein handelsübliches G3 mit Zielfernrohr gehabt. Es hatte einen ausgesuchten, besonders präzisen Lauf und einen überarbeiteten Abzug, der nur so flutschte. Allerdings war das zu einer Zeit, in der die Scharfschützen mit Massenware auskommen mussten. So war die Kampfentfernung eines Scharfschützen etwa bei 300 Meter. Mit den heutigen Hightec-Waffen der BW-Sniper kann man schon mal auf 800 Meter "hinlangen", entsprechendes Training vorausgesetzt. Damit kann der Sniper endlich aus einer Entfernung kämpfen, in der er nicht selbst durch Infantriewaffen gefährdet ist, von Counter-Snipern mal abgesehen.
Mein eigenes Scharfschützengewehr ist ein Geschenk meiner Frau. Es ist ein Steyr SSG Police im Natokaliber 7,62x51 oder .308 Winchester. Damit habe ich schon mal ein sich bewegendes Ziel auf 800 Meter getroffen. Ein Geschoss 7,62 aus diesem Gewehr neutralisiert aus dieser Entfernung einen Soldaten, der keinen ballistischen Schutz trägt. Da das aber immer mehr machen, hat man die Kaliber vergrößert, um auch geschützte Personen neutralisieren zu können.
Ein Vorfall zu Silvester - jetzt zitiere ich doch mal einen Vorfall: Ein Bauer hat seinen alten Wehmachtskarabiner im Kaliber 8x57 in die Luft abgefeuert. Im knapp 4 km entfernt liegenden Nachbardorf kam das Geschoss an, durchschlug der Reihe nach Dach und Sitz eines PKW und blieb im Unterboden stecken. Durch diese Löcher konnte die Kripo die Flugbahn berechnen und den Bauern ermitteln.
Das nur als Beispiel für die Durchschlagsleistung eines erwachsenen Gewehrkalibers in fast 4 km Entfernung. Hätte das Projektil einen Menschen am Kopf getroffen, wäre eine tödliche Verletzung die Folge gewesen.
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Sorry, ich plaudere bei diesem Thema gerne mal aus der Nähkiste.
Mein Schießsportverband, der BdmP, nimmt regelmäßig an Schießwettbewerben in GB teil. Dort wird auf Entfernungen bis 1500 Meter geschossen. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Da muss man das Gelände "lesen" können, und die Mirage mit einberechnen, sonst trifft man die kopfgroße Scheibe nicht.
Der erfolgreichste Scharfschütze der USA (sein Leben wurde gerade verfilmt--> American Sniper) hat einen bestätigten Abschuss auf 1800 Meter- Opfer war ein Scharfschütze, der auf ihn angesetzt war. In Wirklichkeit war die Waffe ein auf Einzelfeuer umgebautes Maschinengewehr im Kaliber .50. Im Film hat er das mit seinem "normalen" Gewehr gemacht.
Skorti
Wenn der Bauer in die Luft schießt und die Kugel beim Aufprall auf die Erde ein Autodach durchschlägt hat das erstmal nichts direkt mit dem Gewehr zu tun, abgesehen davon, welche Höhe man mit dem Gewehr erreicht.
Die Kugel hat mit Sicherheit an irgendeiner Stelle der Flugbahn einen Scheitelpunkt erreicht, an dem die Geschwindigkeit nicht mehr gegen die Erdanziehung ankam und ist nach einem kurzen Augenblick durch die Erdanziehung wieder Richtung Erde geflogen.
Welche Geschwindigkeit und Durchschlagskraft sie dabvei erreicht hat, hängt eher von der Höhe und der ihrer Lage in der Luft (Luftwiderstand) ab, als von dem Gewehr.
bh_roth
Ich wollte nur veranschaulichen, was ein Geschoss anrichten kann. Bei meinem Beispiel kann davon ausgegangen werden - die Löcher in der Karosserie haben das bestätigt -, dass das Geschoss eine ballistische Flugbahn beschrieb, abgekommen in einem optimalen Abgangswinkel. Bei dieser Parabel kommt das Geschoss nicht zum Stillstand, ist also noch wesentlich schneller als die berechenbare Fallgeschwindigkeit nach relativem Stillstand (Produkt aus Gewicht, Höhe und Luftwiderstand). Dazu kommt, dass das Geschoss dabei kein Fahrzeugblech mehr durchschlagen könnte, weil es keinen stabilisierenden Drall mehr hat, und anfangen würde zu trudeln und sich zu überschlagen.
Die damals errechnete Geschwindigkeit lag bei etwa 200 m/s.