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Britney Spears: Ein Stück von ihr

Das vergangene Jahr mag der Tiefpunkt in Britney Spears' Leben gewesen sein: Höschenlos tanzte sie von Reha-Klinik zu Richter und verlor nicht nur ihre Haare, sondern auch das Sorgerecht für ihre Kinder. Doch noch ist die Hoffnung für die Gefallene nicht verloren.

Von Claudia Pientka

Miniberockt steigt sie über das Gesicht eines zu Boden gefallenen Paparazzo, streckt ihren nackten Hintern aus dem Fester und vernascht einen Jüngling auf dem Damenklo eines Clubs: Die Szenen aus Britney Spears neuem Video "Piece of me" könnten genauso gut Mitschnitte ihres wahren Lebens sein. Kein Promi hat dieses Jahr so viele intime Einblicke in sein Leben gewährt wie die Sängerin - wenn auch nicht freiwillig. Und zum krönenden Jahresabschluss setzte ihre kleine Schwester noch eins drauf: Die 16-Jährige ist schwanger. Mag das vergangene Jahr mit der Trennung von Exmann Kevin Federline schon bös geendet haben, 2007 fiel Miss Spears noch tiefer. Und trotz etlicher Fettnäpfchen hat sich Britney still und heimlich zurück an die musikalische Spitze gearbeitet. Und das verdient allen Respekt.

Als sich Spears eine Glatze rasieren und das Handgelenk tätowieren ließ, war der öffentliche Aufschrei des Entsetzens laut - fast so laut wie die Häme, die sich bald darauf über den Star ergoss. Selbst wer Mitleid heuchelte, konnte seine Schadenfreude kaum verbergen.. Darüber, dass das Wunderkind, das mit 17 seinen ersten Nummer-Eins-Hit "Hit Me, Baby, One More Time" im Lolita-Outfit sang, sich aber in Interviews das Image einer Jungfrau gab, endlich gefallen ist. Wie sehr dieses Image ein Stück echte Spears widerspiegelte, lässt sich nicht sagen. Wohl aber, dass ihr öffentliches Bild Spuren hinterließ bei der privaten Britney. Diese wurde 2007 auf grausamste sichtbar: Das Jahr begann noch harmlos mit einer Spitzenposition auf der Liste der am schlimmsten angezogenen Stars. Den Titel errang sie dank halbnackter Auftritte an der Seite von Kurzzeitfreundin Paris Hilton. Im Februar plauderten diverse Exliebhaber über Spears sexuellen Vorlieben: "Sie steht auf Dreier und Mädchen", sagte zum Beispiel Omar Sharif. Und als wäre Britneys Bild in der Öffentlichkeit nicht schon ramponiert genug, rasierte sie sich in einem Friseursalon selbst den Schädel kahl. Vor den klickenden Kameras der Paparazzi. Es folgten Einweisungen in und Fluchten aus diversen Reha-Kliniken, seelisch gesundet wirkte Spears jedoch nicht.

Lieber Kippe als Kinderwagen

Kein Wunder, immerhin musste sie neben dem versauten Image ihren Ehemann Kevin Federline bekämpfen. Es ging um das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Söhne, Sean Preston, 2, und Jayden James, 1, und als Ende März vermeldet wurde, Britney teile zwar das Sorgerecht, aber nicht ihr Vermögen, schien es, als würde endlich Ruhe einkehren in ihr wirres Leben. Doch statt mit Kinderwagen und Nanny zog die Sängerin lieber mit Kippe und Männern um die Häuser, die Glatze mit einer blonden Marylin-Monroe-Perücke bedeckt. Eine Vorzeigemama sieht anders aus.

Auch auf die Bühne traute sich Spears 2007 wieder, doch ihre Mini-Gigs in San Diego und Orlanda läuteten eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie ein, die mit einem verkorksten Auftritt bei den MTV-Music-Awards ihren Höhepunkt fand. Fast noch mehr Aufmerksamkeit wurde Spears außerhalb der Bühne zuteil: Ob sie mit Sahne bedecktem Cappuccino aus Kaffeehäusern wankte, mit ihren Kinder unangeschnallt über rote Ampeln raste, ohne Unterhose durch die Clubs zog - immer wurde sie dabei von einer Horde Paparazzi begleitet. Ihre Abschüsse verkauften sich gut, und Britney bediente den Markt mehr oder weniger freiwillig. Denn so tragisch es für die junge Mutter sein musste, dass jeder Erziehungsfehler weltweit kommentiert wurde, so oft fütterte sie die Gier der Meute auch. Gerüchteweise bestellte sie Paparazzi für manchen "privaten" Ausflug oder entledigte sich auch mal spontan ihrer Klamotten, um vor den Fotografen in Unterwäsche ins Meer zu hüpfen.

Unbelehrbar?

Nicht nur die Öffentlich verfolgte diese Eskapaden, auch den Richtern, die sich seit Monaten mit dem Sorgerechtsstreit befassten, entgingen sie nicht. Ende Juli wurde ihre Scheidung von Federline rechtsgültig; doch das Sorgerecht stand weiterhin auf dem Prüfstand. Im September befanden die Richter schließlich, dass Spears das halbe Sorgerecht nur behalten dürfe, wenn sie sich regelmäßige Drogen- und Alkoholtests unterziehe und einen Erziehungskurs für Eltern besuche - doch sie scheiterte erneut. Das alleinige Sorgerecht liegt nun bei Federline, der es schaffte, sich zumindest das Image eines besorgten Vaters zuzulegen.

Die Frage des Images war immer schon das Kernthema der Spears. Früher war sie nie, was sie schien, statt jungfräulichem Popprinzchen, "born to make you happy", eher unbedarfter Teenager aus der Provinz, der sich dem Willen von Mutter, Plattenfirma und Erfolg beugte. Wahrscheinlich ist sich Britney Spears noch nie so treu gewesen, wie in diesem katastrophalen Jahr. Hat sich endlich mal den Frust von der Seele gefeiert, auf Manager, Stylisten und Choreographen gepfiffen, sich von der Mutter abgenabelt. Der persönliche Preis, den sie dafür bezahlte, war hoch. Doch der Lohn, den sie als Künstlerin dafür erhält, dürfte sie für einiges entschädigen.

Denn allen Unkenrufen zum Trotz und entgegen aller Marketingkonzepte hat sich Spears mit ihrem fünften Studioalbum "Blackout" auf Platz zwei der Billboardcharts zurückgesungen. Sollte sie als Künstlerin ihr Tal durchschreiten und sich etwas ihrer früheren Perfektion und Ambition - denn die hatte sie zweifelsohne - erhalten haben, dann dürfte man von dieser Sängerin bald noch mehr hören, nicht nur aus den Klatschspalten.