Dutroux-Prozess Der Vater :"Ich liebte den Jungen, unbedingt"


Der Vater des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux rätselt seit Jahren über die Ursachen für das kriminelle Verhalten seines Sohnes. "Das ist die Frage, die mich nachts wach hält", sagte Marcs Vater Victor Dutroux in einem Interview mit der belgischen Zeitschrift "Humo" kurz vor dem siebten Jahrestag der Verhaftung des einschlägig Vorbestraften.

Ein Nebenbuhler zeugte das Kind

"Das Wichtigste ist, denke ich, dass er die Liebe seiner Mutter entbehren musste", sagte der pensionierte Lehrer. Seine geschiedene Frau, Marcs Mutter, habe es ihrem erstgeborenen Sohn unbewusst immer vorgeworfen, dass sie wegen ihrer Schwangerschaft seinerzeit habe heiraten müssen. Sich selbst sieht Victor Dutroux als liebenden Vater, obwohl ein Nebenbuhler das Kind mit seiner untreuen Frau gezeugt habe: "Ich liebte den Jungen, unbedingt." Heute habe er vor allem Mitleid: "Marc ist nicht mein leiblicher Sohn, aber ich habe ihn groß gezogen, und darum kann ich ihn nicht verstoßen."

Vater Dutroux ist sicher, dass der Sohn trotz einer früheren Verurteilung wegen der Vergewaltigung Minderjähriger kein Pädophiler ist. Die Entführung von sechs Mädchen, von denen vier in Gefangenschaft starben, habe Marc zweifellos im Auftrag anderer geplant: "Ich bin davon überzeugt, dass er Teil eines Netzwerks war, und dass er es für Geld getan hat", sagte Victor Dutroux.

"Nicht besonders gescheiht"

Berichte über Marcs besondere Intelligenz bezeichnete der Vater als Mythos: "Er entführte Mädchen in einem weißen Lieferwagen mit knallendem Auspuff - das erscheint mir nicht besonders gescheit." Marcs Großmutter, die Schwiegermutter von Victor Dutroux, habe dem Jungen aber schon früh beigebracht, dass sich Betrug lohnen könne: "Wenn Papa Dich schlägt, dann komm’ mir das ruhig erzählen", sagte sie. Das begann er wieder und wieder - zu Unrecht - zu tun, und dann bekam er Süßigkeiten und Taschengeld. Er benutzte sie einfach.

DPA

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