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Eltern sprechen erstmals über Mircos Tod "Wir müssen nicht mehr zwischen Hoffen und Bangen leben"


Seit einer Woche ist klar: Der kleine Mirco ist tot. Mit einem Gottesdienst wollen die Menschen im Städtchen Grefrath nun Abschied nehmen. Erstmals äußerten sich Mircos Eltern über ihre Gefühle nach der Gewissheit über das traurige Schicksal ihres Kindes.

Genau fünf Monate nach Verschwinden des kleinen Mirco nehmen die Menschen in Grefrath an diesem Donnerstag Abschied von dem getöteten Jungen. Etwa 1000 Nachbarn, Freunde und Mitschüler werden am Abend zu einem Trauergottesdienst in dem niederrheinischen Städtchen erwartet. Der Westdeutsche Rundfunk zeigt den ökumenischen Gottesdienst in der Laurentius-Kirche von 18.30 Uhr an unter www.wdr.de im Internet.

In einem Gespräch mit "GEISTbewegt", einer Zeitschrift der Pfingstbewegung, erinnern sich Mircos strenggläubige Eltern an die Wochen nach dem Verschwinden ihres Sohns. "Wir wollten in den ersten Tagen am liebsten gar nicht mehr das Haus verlassen, weil wir befürchteten, einen wichtigen Anruf oder Nachricht zu verpassen", wird die Mutter in der Online-Ausgabe des Magazins zitiert.

Immer hätten ein frischgebackener Kuchen oder duftende Kekse auf dem Tisch gestanden. "Damit auch Gebackenes da ist, wenn der Mirco wieder nach Hause kommt." Nach Festnahme von Olaf H. habe sich auch Erleichterung breitgemacht, "dass wir nun nicht mehr zwischen Hoffen und Bangen leben müssen", sagte die Mutter, die außer Mirco noch einen Sohn und zwei Töchter hat.

Wann die Ermittler Mircos Leiche freigeben, ist noch unklar. Die Beerdigung soll "in den nächsten Wochen" im engsten Kreis sein, wie es aus der freikirchlichen Christengemeinde Krefeld hieß - zu ihr gehört die Familie von Mirco. In einem Online-Kondolenzbuch der Pfingstbewegung fanden sich am Donnerstagmittag Hunderte Einträge. "Die Frage nach dem Warum bleibt", schrieb dort zum Beispiel eine Familie aus Sachsen.

Seit einer Woche sitzt der mutmaßliche Mörder des zehnjährigen Mirco in Untersuchungshaft. Der 45-Jährige - selbst Vater dreier Kinder - hat gestanden, den Jungen am 3. September getötet zu haben. Am Donnerstag bestätigte die Polizei, dass sich Olaf H. selbst eine leichte Verletzung zugefügt hat. Der Vorfall sei aber nicht als Suizid-Versuch zu werten, betonte Polizeisprecher Peter Spiertz. Der Mann gelte nicht als akut selbstmordgefährdet. Olaf H. habe sich "leichte oberflächliche Hautverletzungen" zugezogen, die mit Desinfektionsspray und Pflaster behandelt worden seien.

Der Chef der Sonderkommission, Ingo Thiel, wird nicht an der Trauerfeier teilnehmen. Auch Mircos Eltern werden nicht zugegen sein. Dennoch ist etwa der evangelische Pfarrer Hartmut Boecker überzeugt, dass die Eltern aus dem Gottesdienst Kraft schöpfen können. "Ich glaube schon, dass die Familie die Anteilnahme sieht und davon berührt ist", hatte Boecker gesagt.

DPA DPA

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