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Flyer-Aktion in Münster Unbekannte hetzen gegen Obdachlosenzeitung


Noch nicht umgezogen und schon unerwünscht: In Münster verteilen Unbekannte Flyer gegen den Umzug des Straßenmagazins "draußen". Redaktion und Nachbarn sind entsetzt, die Polizei ermittelt.
Von Timo Brücken

Die Zeitschrift "draußen!" aus Münster ist ein Straßenmagazin wie viele andere. Autoren schreiben Texte, Redakteure machen daraus ein Heft, und Obdachlose verkaufen es auf der Straße, um Geld zu verdienen. Eigentlich eine gute Sache. Doch auch bei guten Sachen gibt es immer jemanden, dem sie nicht in den Kram passen.

In Münster schreibt dieser Jemand boshafte Flyer mit vielen Ausrufezeichen. "Dieses Viertel wird jetzt zum neuen sozialen Brennpunkt", steht darauf, und: "Hier wird ein Obdachlosenasyl installiert!!!!" Die Zettel richten sich gegen die "draußen!"-Redaktion, sie wurden in unmittelbarer Nachbarschaft des Ladenlokals verteilt, in das diese im Dezember umziehen will.

"Menschenverachtend und feige"

Sabrina Kipp erfuhr als erstes Redaktionsmitglied von der Kampagne. "Am Montag bekam ich einen Anruf von einer Nachbarin, die so einen Flyer im Briefkasten hatte. Sie war ganz entsetzt", berichtet die Journalistin stern.de. Ihr selbst ging es nicht anders: "Der Zettel ist menschenverachtend, rechtslastig und trägt feigerweise keine Unterschrift."

Das Straßenmagazin will ausdrücklich nicht als Unterkunft für Wohnungslose verstanden werden. Die Verkäufer kommen lediglich regelmäßig zur Redaktion, um die Zeitungen abzuholen. Wer da nun trotzdem annonym vor "Gewalt, Drogen, Lärm, Alkohol, Vermüllung und Belästigung" warnt und gegen eine "finanzkräftige Interessenlobby" und die "linke Mehrheit im Stadtrat" hetzt, wüsste Sabrina Kipp auch gern.

Genauso die Polizei: Die Redaktion habe Anzeige gegen unbekannt erstattet, so Kipp. "Der Staatsschutz ist auch schon dran."


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