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Twitter-Thread "Weihnachten ist ein Teilzeitjob": Wie ein Moslem auf westliche Festbräuche schaut

Geschenke liegen auf dem Tisch, im Hintergrund ein Weihnachtsbaum
Geschenke und Deko machen Weihnachten manchmal zu einer anstrengenden und teuren Angelegenheit
© ArtistGNDphotography / Getty Images
Tannenbaum, Geschenke, Festessen – Weihnachten ist auch eine Zeit der Traditionen. Auf Menschen, die keinen westlich-christlichen Hintergrund haben, wirkt das oft fremd. Ein Moslem hat auf Twitter berichtet, wie er diese Bräuche wahrnimmt.

Weihnachten ist ein christliches Fest, auch wenn der religiöse Ursprung für viele Menschen in den Hintergrund getreten ist. Dennoch wird es vor allem in den Teilen der Welt gefeiert, die in ihrer Tradition christlich geprägt sind – auf Angehörige anderer Religionen wirken die westlichen Bräuche in der Advents- und Weihnachtszeit oft fremd.

Mohammad Hussain ist Moslem und hat auf Twitter beschrieben, wie er diese Zeit des Jahres wahrnimmt. Hussain lebt laut seines Profils in Kanada, doch die Traditionen, auf die er sich bezieht, sind denen in Deutschland sehr ähnlich. Normalerweise, erklärt Hussain, verbringe er die Weihnachtszeit mit seiner muslimischen Familie, die das Fest nicht feiert. Da er aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr jedoch zu Hause bleibt, gaben ihm seine Mitbewohner einen Crashkurs in all dem, was Weihnachten ihrer Meinung nach ausmacht.

Entspannte Weihnachten? "Das ist eine Lüge"

Hussains erste Beobachtung: "Weihnachten ist ein Teilzeitjob, den man von Mitte November bis Ende Dezember ausübt." Der berühmte Weihnachtsstress also. Von außen habe Weihnachten immer ganz einfach ausgesehen: einen Baum aufstellen und der Familie etwas schenken. "Das ist eine Lüge", hat Hussain erkannt.

In Wirklichkeit arten die Festvorbereitungen in Arbeit aus: Statt am Wochenende auszuschlafen, müssen Lichterketten aufgehängt und Geschenke gesucht werden. Hinzu kommt, dass es zwar bestimmte gesellschaftliche Übereinkünfte bezüglich der Weihnachtsbräuche gibt, diese aber in den einzelnen Familien unterschiedlich interpretiert werden. Und jeder glaubt, dass seine Art, Weihnachten zu feiern, die einzig richtige sei. "Schlag keine Alternativen vor. Sie werden dich von hinten erdolchen", rät Hussain.

Weihnachten – eine teure Angelegenheit

In manchen Ländern ist es Tradition, an Weihnachten mit Süßigkeiten gefüllte Socken zu verschenken. Hussain kann allerdings nicht nachvollziehen, warum man sich zwar selbst etwas schenken, auf keinen Fall aber seinen eigenen Strumpf vorbereiten darf. Zumindest hätten seine Mitbewohner in dem Fall interveniert. Apropos verschenken: Weihnachten ist – Überraschung – keine günstige Angelegenheit. Beim Geschenkekauf sei das ursprünglich eingeplante Budget egal: "Das perfekte Geschenk liegt immer zehn Dollar darüber. Man kann nicht gewinnen."

Auch der Christbaumschmuck kostet eine ordentliche Stange Geld, musste Hussain feststellen. Für 16 Dollar hat er sich ein Schmuckstück gekauft, das er an den Weihnachtsbaum hängen und seinen Kindern vermachen will – einen Bagel. Bei dem Preis sollte der Schmuck mehrere Generationen halten.

Moslem über Weihnachten: "Es ist mit viel Arbeit verbunden"

Als Moslem kann Hussain mit der Weihnachtsgeschichte des Kinds in der Krippe naturgemäß weniger anfangen, ist aber erfreut darüber, dass der religiöse Aspekt "optional" ist. Das würde er sich auch für die religiösen Fest in seiner Familie wünschen. Als ersten Schritt schlägt er Wichteln beim Fastenbrechen vor.

Mohammad Hussains Fazit nach den Vorbereitungen zu seinem ersten richtigen Weihnachtsfest: "Ich applaudiere Menschen, die schon seit langem Weihnachten feiern. Es ist mit viel Arbeit verbunden und sehr ermüdend. Ich habe eine wirklich gute Zeit, ich habe gelernt, dass ich Weihnachtsmusik und Geschenke suchen mag. Und ich habe gelernt, dass ich Pfefferminz nicht mag."

Quelle: Mohammad Hussain auf Twitter

epp

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