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Atommüll-Lager: Menschliche Asche in der Asse

Im maroden Atomlager Asse verrotten nicht nur Fässer mit hochgiftigem Arsen und strahlendem Plutonium. Dort lagert auch Asche von menschlichen Leichenteilen. Sie stammt von zwei Technikern, die bei einem Unfall im bayerischen Kernkraftwerk Gundremmingen getötet worden sind.

Von Wolfgang Metzner

Am 19. November 1975 sollten bei dem Atomreaktor zwei Ventile in einem Nebensystem des Primärkreislaufs repariert werden. Aus Zeitgründen und Kostenersparnis war das Leitungssystem noch unter Druck, so dass 280 Grad heißes Wasser darin stand. Als zwei Schlosser um 10.42 Uhr die Halterung einer Stopfbuchse lösten, trat explosionsartig ein radioaktives Dampf-Wasser-Gemisch aus.

Der jüngere der beiden Schlosser, ein 34-jähriger Meister, wurde von dem Strahl frontal getroffen und starb sofort an Verbrühungen und einem Hitzeschock. Sein 46 Jahre alter Kollege konnte sich mit schweren Verbrennungen aus dem engen Armaturenraum retten. Zur Notversorgung wurde er in das nahe Krankenhaus Lauingen gebracht und dann mit einem Helikopter in eine Klinik für Brandverletzte nach Ludwigshafen geflogen. Dort starb er in den frühen Morgenstunden des nächsten Tagess.

Teilweise erhöhte Radioaktivität an den Körpern

Beide Leichen wurden unter besonderer Abschirmung zum Schwabinger Krankenhaus in München transportiert, wo es eine Spezialabteilung für Strahlenschutz gab. Die Leiche des Jüngeren hatte erst etwa 15 Minuten nach dem Unfall von Kraftwerksmitarbeitern mit schwerem Atemschutz aus dem Armaturenraum geborgen werden können. Erste Messungen der Radioaktivität ergaben stellenweise erhöhte Werte am Körper, eine Dekontamination durch Abwaschen der Haut schied wegen der großflächigen Verbrennungen aus.

Bei der Obduktion zwei Tage später wurden bei beiden Leichen Teile abgetrennt, um sie bei der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in München auf Radioaktivität zu untersuchen. Nach einem Bericht des Instituts in Neuherberg wurden dem jüngeren Schlosser ("Objekt I") Lungenteile, Hirnhaut und mehrere andere Hautteile entnommen, dem älteren ("Objekt II") die gesamte Schilddrüse und beide Nieren, dazu Teile von Leber und Milz.

Weil die beiden Männer dem radioaktiven Dampf nur kurz ausgesetzt waren, erreichte die Strahlung allerdings weder in den inneren Organen noch an der Oberfläche der nackten Leichen mögliche Grenzwerte. Die höchste Dosis stellte man an Kleidungsresten und an den abrasierten Haaren fest.

Als "klinische Abfälle" entsorgt

Gleich nach der Obduktion wurden die Leichen noch im Schwabinger Krankenhaus in Zinksärge eingelötet, ohne dass die Angehörigen sie noch einmal gesehen hätten. Die Strahlung an der Sargoberfläche war so gering, dass die Männer sechs Tage nach dem Unfall in Lauingen unter Anteilnahme von Atomkraftwerksleitung und Aufsichtsbehörde beerdigt wurden.

Während in ersten Meldungen noch von einer "starken Kontamination" bei dem Unfall die Rede gewesen war, behandelten ihn die Behörden später in Berichten und Vermerken als "radiologisch bedeutungslos". Die Unterlagen über die entnommenen Organteile wurde als "vertraulich" gestempelt . Die Leichenteile lagerten noch bis 1976 bei der GSF in Neuherberg. Sie wurden später als "klinische Abfälle" behandelt und offenbar im Kernforschungszentrum Karlsruhe in einer besonderen Anlage verbrannt.

Die Asche dieser Anlage kam in 200-Liter-Fässern in das ehemalige Salzbergwerk Asse, wo heute 126.000 Fässer mit giftigen und strahlenden Abfällen unter eintretenden Laugen verrosten. Wo die menschlichen Überreste dort genau liegen, kann niemand mehr sagen - sicher ist nur, dass auch Tierkadaver in das so genannte "Versuchsendlager" entsorgt worden sind.

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