Landesregierung
Regierungschef setzt auf neue Köpfe in Schlüsselpositionen

Hessens Staatskanzlei in Wiesbaden ist die Schaltzentrale der Landesregierung und Amtssitz von Ministerpräsident Boris Rhein (CD
Hessens Staatskanzlei in Wiesbaden ist die Schaltzentrale der Landesregierung und Amtssitz von Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). Dieser hat auch die zweite Führungsriege in Ministerien im Blick: die Staatssekretäre hinter den Ministern. (Archivbild) Foto
© Michael Brandt/dpa

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Frühe Karrieren und frische Dynamik in der zweiten Reihe: In Hessens Ministerien rücken zunehmend jüngere Staatssekretäre nach. Welche Strategie könnte dahinterstecken, um welche Namen geht es?

Schlüsselrollen abseits der Hauptbühnen der Politik: In Hessens Ministerien zeichnet sich zunehmend eine neue Generation von Staatssekretären ab. Die wiederholte Neubesetzung solcher frei werdender Spitzenposten mit jungen Fachleuten interpretiert das politische Wiesbaden auch als ein strategisches Vorgehen von CDU-Regierungschef Boris Rhein in CDU-geführten Ministerien – teils in diesem Jahr etwa in der Mitte der Wahlperiode. Im Januar 2024 nahm die schwarz-rote Landesregierung ihre Arbeit auf, 2028 wäre regulär die nächste Landtagswahl.

Rhein teilte der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit, Staatssekretäre seien wichtige Führungskräfte und „Schrittmacher der zweiten Reihe“, die den Ministern den Rücken freihielten. Sie sorgten dafür, „dass politische Vorhaben in der Verwaltung ankommen und umgesetzt werden. Für diese Schlüsselaufgaben setze ich auf Fachleute mit Erfahrung, Verantwortung und Gestaltungswillen“, ergänzte Rhein, der seit Anfang 2024 gemeinsam mit der SPD regiert. Als Staatssekretäre brauche es „Menschen, die ein Ressort führen, Mitarbeiter motivieren und als Motoren der Verwaltung die Zukunft unseres Landes gestalten können“, erläuterte der Landesvater mit Wohnsitz in Frankfurt.

Staatssekretärinnen und Staatssekretäre sind in Hessen Teil der Leitung eines Ministeriums. Sie vertreten ihre Minister in der täglichen Arbeit. Sie übernehmen Führungsaufgaben in der Landesverwaltung sowie im Zusammenspiel mit dem Bund und den übrigen Ländern. Staatssekretäre begleiten wichtige politische Vorhaben und fungieren als Bindeglied zwischen Landespolitik und Verwaltung.

Beispielhaft für einen Generationswechsel ist der neu berufene Digitalstaatssekretär Nicolas Sölter. Der promovierte Jurist ist 37 Jahre jung und zumindest laut Klischee wohl entsprechend digital orientiert. Er arbeitete zuvor als Anwalt, studierte in Heidelberg, Hamburg und Cambridge und lehrte an Unis im In- und Ausland. Sölters 60 Jahre alter Vorgänger als Staatssekretär, Stefan Sauer, wurde kürzlich in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Karriere auf EU-, Bundes- und Landesebene

Der promovierte Politikwissenschaftler Till Kaesbach ist seit 2025 Staatssekretär im Finanzministerium. Zuvor arbeitete der 41-Jährige in Bundesministerien, für die Europäische Kommission und in leitender Funktion in der Wirtschaft. Sein 56 Jahre alter Vorgänger als Staatssekretär, Uwe Becker, wurde 2025 Präsident des Landesrechnungshofs. 

Vizeregierungschef und SPD-Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori tauschte in seinem Ministerium in dieser Wahlperiode sogar schon beide Staatssekretäre aus: Lamia Messari-Becker, Bauingenieurin mit Professorentitel, und Ex-Opel-Betriebsrat Umut Sönmez machten zeitversetzt dem aktuellen Duo Ines Fröhlich und Johannes Loheide Platz.

Von Dresden nach Wiesbaden

Diese beiden Politiker blicken auf passende Erfahrung zurück: Fröhlich (62) war zuvor Staatssekretärin im sächsischen Wirtschaftsministerium in Dresden – und der promovierte Sozialwissenschaftler Loheide (54) zuvor bereits Abteilungsleiter im hessischen Wirtschaftsministerium. 

Ministerpräsident und CDU-Landeschef Rhein besetzte auch sein unmittelbares Umfeld mit Staatssekretären mit Expertenwissen. Benedikt Kuhn, 40, Chef der Staatskanzlei, managte den erfolgreichen Wahlkampf der hessischen CDU 2023. Zuvor war der Politikstratege Stabschef der CSU im Bundestag in Berlin und noch früher Mitarbeiter einer PR-Agentur gewesen. Heute koordiniert Kuhn von der Wiesbadener Staatskanzlei aus auch die Arbeit der hessischen Landesregierung in Berlin und Brüssel. 

Den Rang eines Staatssekretärs hat auch der 48-jährige Regierungssprecher Tobias Rösmann. Der einstige Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verantwortet die Kommunikation von Ministerpräsident Rhein und koordiniert die Kommunikation der Landesregierung. 

Das CDU-geführte Gesundheitsministerium schließlich hat mit Sonja Optendrenk eine Staatssekretärin, die – so heißt es im politischen Wiesbaden – einen Karrieresprung auf die Bundesebene machen könnte. Die promovierte Volkswirtin, 54, wird als Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses gehandelt. Dieser gilt als das wichtigste Entscheidungsgremium im deutschen Gesundheitswesen – mit Sitz in Berlin.

dpa