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Dänische Journalistin: Jemand postet Nacktbilder von ihr im Netz - nun hält sie nackt dagegen

Jemand postet Nacktfotos von Emma Holten im Internet. Als Reaktion stellt die dänische Journalistin Aktbilder von sich ins Netz. Ihre Botschaft: Ich will kein Opfer sein!

Die dänische Journalistin Emma Holten geht mit Nacktfotos in die Offensive und wehrt sich so gegen Rachepornos ihres Ex-Freundes

Die dänische Journalistin Emma Holten geht mit Nacktfotos in die Offensive und wehrt sich so gegen Rachepornos ihres Ex-Freundes

Die Fotos zeigen eine blonde, hübsche Frau im Badezimmer. Sie ist nur mit einem Slip bekleidet, steht vor einem Spiegel, cremt sich das Gesicht ein, putzt sich die Zähne oder sitzt auf der Fensterbank und liest ein Buch. Die junge Frau ist Emma Holten - und sie hat die Bilder selbst ins Netz gestellt. Nicht, weil sie sich halbnackt der Internetgemeinde präsentieren wollte, sondern als Reaktion auf die illegale Veröffentlichung privater Bilder von ihr.

2011 findet die dänische Journalistin Nackftotos von sich im Internet. Hochgeladen zusammen mit ihrem Namen und ihrer Mail-Adresse: "Es war ein ganz normaler Oktobermorgen. Ich kam nicht in meine E-Mails oder meinen Facebook-Account. Ich habe mir nichts dabei gedacht - ich vergesse mein Passwort ständig - und habe es einfach wieder versucht. Plötzlich waren da Hunderte von Nachrichten und E-Mails. Mit Bildern von mir darin."

"Mein Schamgefühl törnte sie an"

Holten wusste nicht, wer die Bilder hochgeladen hatte. Sie sah nur, dass sie auf verschiedenen Webseiten waren. Und sie bekam jede Menge Nachrichten von Fremden: "Wissen deine Eltern, dass du eine Schlampe bist?", "Bist du gefeuert worden?" oder "Schick mir mehr Nacktfotos oder ich schicke die, die ich habe, Deinem Chef".

Die Nachrichten kamen von Männer aus der ganzen Welt - Teenager, Studenten, Familienvätern - die wussten, das die Fotos gegen ihren Willen geteilt wurden. "Die Tatsache, dass mein Schamgefühl sie antörnte fühlte sich an wie eine Schlinge um meinen Hals. Sie genossen mein Leid."

Holten macht ihren Körper für ihr Schamgefühl verantwortlich, fängt an, ihn zu hassen und fühlt sich als Objekt.

Ihre Ziel war es, Nacktfotos zu machen, die kein Lustobjekt zeigen, sondern ein menschliches, sexuelles Wesen

Ihre Ziel war es, Nacktfotos zu machen, die kein Lustobjekt zeigen, sondern ein menschliches, sexuelles Wesen

Sie will kein Lustobjekt sein

Erst drei Jahre später schafft sie es, sich zu wehren. Im vergangenen September kontaktierte sie die Fotografin Cecilie Bødker. Die erklärt ihr zwar, dass es fast unmöglich ist, eine Frau nackt zu fotografieren, ohne dass Männer sie anstarren oder sexualisieren werden, dennoch wagen sie den Versuch.

"Es ging dabei nicht darum, dass ich mich besser fühle. Vielmehr wollte ich zeigen, dass ich kein Lustobjekt, sondern ein menschliches, sexuelles Wesen bin." Die Bilder veröffentlichte sie im Magazin "Friktion" und unter dem Namen "Consent Project" (zu deutsch: "Zustimmungs-Projekt)" als Essay in dem Blog "Hystericalfeminism", in dem sie auch über ihre Gründe dazu schrieb.

Dieses und andere Fotos stellte Emma Holten von sich ins Internet

Dieses und andere Fotos stellte Emma Holten von sich ins Internet

Rachepornos häufen sich

Doch Holten will nicht nur ihre eigene Geschichte erzählen. Sie will aufmerksam machen auf alle, die wie sie Opfer sind von Belästigung und Missbrauch. Gerade Rachepornos haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Es gibt eigene Webseiten, auf denen rachelustige Männer Nacktbilder ihrer Ex-Partnerinnen hochladen können, ohne dafür mit einer angemessenen Strafe rechnen zu müssen. Holten will mit ihrer Kampagne darauf aufmerksam machen. Auch Jahre nach der Veröffentlichung wird sie immer noch belästigt. Bei ihr war es allerdings nicht ihr Ex-Freund, wie es gerüchteweise immer wieder hieß. In einem Interview mit der "Welt" betont sie: "Das ist eine Lüge und eine Diffamierung. Mein Ex-Freund hatte damit nichts zu tun."

jek
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