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Kritik an Essener Tafel: Ausschluss von Migranten: So verteidigt der Tafel-Vorsitzende den Beschluss

Die "Essener Tafel" nimmt seit Wochen keine Bedürftigen ohne deutschen Pass mehr auf. Dafür muss sie viel Kritik einstecken - nicht nur von anderen Tafeln. Doch der Vorsitzende verteidigt den Beschluss.

Jörg Sartor, ein kräftiger Mann mit grauem Seitenscheitel, schwarzer Brille und in roter Fleecejacke, gestikuliert

Jörg Sartor, Vorsitzender von "Essener Tafel e.V.", wehrt sich gegen Kritik 

DPA

Der Satz steht nach wie vor auf der Homepage der "Essener Tafel": "Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen." Doch momentan verstößt die Essener Tafel gegen den zitierten "Grundsatz 4", denn seit Mitte Januar nimmt die Tafel "nur Kunden mit deutschem Personalausweis" auf.

"Wenn wir hier um 9 Uhr die Tür aufmachen, dann wird die Oma, die seit 7 Uhr da steht, weggeschubst", sagt der Vorsitzende der "Essener Tafel", Jörg Sartor, im "ARD-Morgenmagazin" (MoMa). Von rund 5000 Kunden der Tafel seien inzwischen 75 Prozent Nicht-Deutsche und von denen hätten etliche ein Mentalitätsproblem, so Sartor laut MoMa. Dadurch seien immer weniger Ältere und Alleinerziehende gekommen. Das will man bei der Tafel in Essen offenbar nicht hinnehmen. Der Bericht im "Morgenmagazin" zeigt auch, dass andere Tafeln im Ruhrgebiet auf ähnliche Probleme anders reagiert haben. Etwa, indem an der Ausgabe Menschen arbeiten, die auch Arabisch sprechen. Oder durch spezielle Öffnungszeiten für ältere Menschen.

Kritik an der "Essener Tafel"

Doch die "Essener Tafel" hat sich für eine andere Regelung entschieden - und muss deshalb einiges an Kritik einstecken. "Wir sind für alle Bedürftigen da, egal welche Hautfarbe oder Nationalität sie haben", sagte Nico Schäfer, Vorsitzender des Thüringer Landesverbands der Tafeln. Ähnlich äußerten sich Schäfers Kollegen aus anderen Landesverbänden. "Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweiter Klasse", sagte Sabine Werth, Vorsitzende der Berliner Tafel.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband in NRW kritisierte die Entscheidung ebenfalls. "Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Tafeln unter großem Druck stehen und ihre Ressourcen im Blick haben müssen", sagte Landesgeschäftsführer Christian Woltering. "Aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp sind Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten."

Essener Tafel steht zu Beschluss

Das alles beeindruckt Sartor wenig. "Ich stehe dazu", sagte der Vorsitzende der "Essener Tafel". Die Reaktionen, die er erhalte, seien zu 80 Prozent positiv. Es sei im Tafel-Vorstand lange diskutiert worden über den Entschluss. "Wir wollten erreichen, dass der Weg in die Tafel für alle wieder offen ist", sagte Sartor. Der Aufnahmestopp sei nur eine vorübergehende Maßnahme, "wahrscheinlich nicht über den Sommer hinaus".

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mit DPA