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Mord im Namen der Ehre?: Der Tod von Hatun Sürücü

Hatun Sürücü wurde nur 23 Jahre alt. Die junge Deutsch-Türkin wurde von ihrem eigenen Bruder erschossen. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: ein Ehrenmord. stern TV hat mit Freunden und Lehrern der Getöteten gesprochen.

Drei Schüsse in den Kopf: Hatun Sürücü starb am 7. Februar dieses Jahres an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof. Die Staatsanwaltschaft glaubt, die junge Deutsch-Türkin musste aus einem einzigen Grund sterben: weil sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollte.

Im Alter von 15 Jahren wurde Hatun in der Türkei mit ihrem Cousin verheiratet, sie wurde schwanger. Zurück in Deutschland entscheidet sie sich für ein anderes als das ihr zugedachte Leben: Sie will sich von den Zwängen und Traditionen befreien.

Hatun zieht mit ihrem Sohn in ein Mutter-Kind-Haus. Später nimmt sie sich eine eigene kleine Wohnung. Hatun schminkt sich, färbt sich die Haare und lernt deutsche Männer kennen. Ihre Familie kann den Lebenswandel nicht akzeptieren.

Erschossen hat sie der jüngste Bruder, Ayhan, 19 Jahre alt. Doch angeklagt sind alle drei Brüder. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Tod Hatuns in der Familie gemeinschaftlich beschlossen wurde. Es soll ein sogenannter Ehrenmord gewesen sein.

Melek A. ist die Kronzeugin der Anklage. Sie ist die ehemalige Freundin des Täters Ayhan und sagt aus, dass alle drei Brüder von der geplanten Tat gewusst haben sollen. Der 26-jährige Mutlu soll die Munition besorgt, der 25-jährige Alpaslan soll Schmiere gestanden haben.

Hatuns Familie bestreitet, dass es sich um einen Ehrenmord handelt. Niemand habe etwas von Ayhans Vorhaben gewusst. Tatsächlich wird bei Ehrenmorden häufig der jüngste Mann der Familie als Täter auserkoren, weil er mit der geringsten Strafe zu rechnen hat.

Das Urteil wird das Berliner Landgericht voraussichtlich im März 2006 fällen.