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Gerichtsskandal in Hamburg: Schöffe forderte 40.000 Euro Bestechungsgeld - für Freispruch

Als Laienrichter sollte Johann D. der Justiz eigentlich bei der Wahrheitsfindung helfen. Doch stattdessen soll er vom Angeklagten Geld für einen Freispruch gefordert haben. Nun steht er vor Gericht.

Am Donnerstag begann in Hamburg der Prozess gegen den ehemaligen Schöffen Johann D.

Am Donnerstag begann in Hamburg der Prozess gegen den ehemaligen Schöffen Johann D.

Einst legte Johann D. vor dem Hamburger Gericht einen Eid ab und schwor "nur der Wahrheit und Gerechtigkeit zu dienen". Als Schöffe saß er nämlich 2014 neben dem Richter und sollte über den Angeklagten Peter B. in einem Bestechungsprozess ein Urteil fällen. Doch nun musste er die Richterbank aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen. Denn anstatt nach seinem besten Wissen und Gewissen zu urteilen, soll er von dem Beschuldigten 40.000 Euro gefordert haben. Im Gegenzug wollte er einen Freispruch erwirken. Dies berichten mehrere Hamburger Zeitungen.

Am 16. Juni 2014 soll der Elektriker den Angeklagten Peter B. in seiner Wohnung aufgesucht und ihn zu einer Bestechung aufgefordert haben. Jeweils 20.000 Euro sollten an ihn und einen zweiten Laienrichter bezahlt werden. Vier Tage später sollte das Geld schließlich am Hamburger Hauptbahnhof übergeben werden. Doch dazu kam es offenbar nicht. Peter B. informierte wohl lieber die Polizei und seine Verteidigung.

Am vergangenen Donnerstag begann schließlich der Prozess gegen Johann D. Laut der Staatsanwaltschaft wollte er sich mit seiner Bestechlichkeit einen "Vorteil besonders großen Ausmaßes" verschaffen. Ihm droht nun eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und 15 Jahren. Bislang wollte sich der Angeklagte, der 2014 auf der Bezirksliste Wandsbek der SPD stand, zu dem Verfahren nicht äußern. Das Verfahren wird am 3. März fortgesetzt.

ivi
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