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Aktion Deutschlands Herzschlag Wie der "Freundeskreis Asyl" einem Syrer hilft

Hier in der Landeserstaufnahmeeinrichtung beginnt für die Flüchtlinge das Bangen um Asyl. Im vergangenen Jahr waren rund 26.000. Das sind 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Vor einer solchen Aufnahmeeinrichtung stand vor fünf Monaten Achmed aus Aleppo. In einer acht Tage langen Odyssee flüchtete er in einem Fischerboot mit 65 anderen Syrern über das Mittelmeer.
"Die Flucht aus Syrien ist gefährlicher als das Leben dort. Darum musste ich meine Familie zurücklassen. Nach den ersten Bombenanschlägen gewöhnst du dich langsam an die Gefahr. Aber niemals werde ich mich an die Angst und die Tränen meiner Kinder gewöhnen. Meine dreijährige Tochter weicht meiner Frau nicht mehr von der Seite. Seitdem ich weg bin, befürchtet sie, dass auch ihre Mutter plötzlich nicht mehr da ist, wenn sie aufwacht. Wenn meine Familie nicht mehr lebt, will ich es auch nicht mehr."
Die meisten Flüchtlinge kommen derzeit aus dem Kosovo, dicht gefolgt von Syrien und Serbien. Der Verein Freundeskreis Asyl hilft ihnen sich auf die Anhörungsgespräche bei den Bundesamtsberatern vorzubereiten, die die Anträge bearbeiten. Christoph Schneller ist Mitbegründer des Vereins. Er sorgt dafür, dass die Beratung reibungslos abläuft.
"Man setzt sich zu ihnen, man schaut sie an, und wenn möglich hat man einen muttersprachlichen Berater oder jemanden, der seine Sprache sehr gut beherrscht, sodass die Leute sich problemlos verständigen können. Das sind mehr so informelle Anknüpfungsbereiche, die aber für das Gefühl des Angenommen seins wichtig sind."
Wer über ein sicheres Land wie Italien nach Deutschland gekommen ist, hat hier keinen Anspruch auf Asyl. Rund 80 Prozent der Bewerber können sich nicht ausweisen, weil sie ihre Ausweispapiere vernichtet haben.
„Es gibt sehr viele Flüchtlinge, die sich von anderen beraten lassen und sagen du darfst deine Identität nicht preisgeben du darfst um Gottes willen nicht den und den und den Namen erwähnen. Dann bringen wir ihnen nahe, dass das so nicht geht. Das wird alles nachgeprüft und das ist die Kunst auf der einen Seite Vertrauen zu schaffen und auf der anderen Seite das wissen, man darf keine Märchen erzählen.“
Neben der Beratung bietet der Verein einen regelmäßiger Deutschkurs an, der vom Mennonitischen Hilfswerk durchgeführt wird. Lehrerin Erika Pintschorius betont, warum Deutschkenntnisse im Alltag so wichtig sind und berichtet von einer jungen Asylbewerberin. „Sie hat ihre Tasche zuhause vergessen, da war der Ausweis drin, dass sie Asylbewerberin ist, da war die Fahrkarte für die Straßenbahn drin. Dann kam die Kontrolle: 'Ihre Fahrkarte! - häää?' Der Mann hat gemacht, was er machen musste, er hat die Polizei geholt, und sie war in Afrika von der Polizei vergewaltigt und gefoltert worden. Sie fing nur noch an zu schreien, die haben 24 Stunden gebraucht in der Psychiatrie, um herraus zu kriegen, wer ist diese Frau, wo gehört die hin.“
Im Jahr 2015 werden in Baden Württemberg rund 33.000 Flüchtlinge erwartet. Umso wichtiger ist daher die Unterstützung von Initiativen, die sich für Asylbewerber engagieren. Das Bundesland allein kann diesen Andrang nicht stemmen. Unsere Aktion Deutschlands Herzschlag will dem Verein unter die Arme greifen.
Unser Botschafter Andreas Küchle überreicht heute dem Freundeskreis Asyl Büromaterial, das die Arbeit der Berater erleichtern soll. Die Kinder der Flüchtlinge bekommen Spielzeug für die lange Zeit, in der sie auf Asyl warten. Und auch Sie können Vereine unterstützen, die sich für Flüchtlinge in Ihrer Region einsetzen. Ob durch Geld- oder Sachspenden oder Besuchsdienste.
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Baden-Württemberg kann den Andrang an Flüchtlingen kaum bewältigen. Ein Verein aus Karlsruhe hilft ihnen beim Asylantrag. Hier treffen wir einen Syrer, der von seiner Flucht erzählt.
Von Kerstin Gressnich und Lisa Däumler

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