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Presseschau Tebartz-van Elst: "Dauerskandalbeschallung über bischöfliche Badewannen"

War die Entscheidung des Papstes, den Skandalbischof in die Zwangspause zu schicken, weise oder leichtsinnig? Und wie sehr schadet Tebartz-van Elsts feudale Amtsführung der Kirche? Eine Presseschau.

"Die Welt", Berlin

Das Votum des Prüfungsausschusses der deutschen Bischofskonferenz hält Franziskus wohl für wichtiger als das schnelle Urteil vieler Zeitungen und TV-Sender, denen der Limburger Kirchenfürst in den vergangenen Wochen eine Steilvorlage nach der anderen geliefert hat. Manche Kritik am "Protz-Bischof" geriet zuletzt doch sehr stereotyp und bisweilen auch plump antiklerikal. Die Auszeit, die der Papst dem umstrittenen Bischof nun verordnet hat, verschafft Priestern, Gläubigen und Kirchenfunktionären im Bistum nun wieder etwas Luft. Das ist auch nötig. Denn die Dauerskandalbeschallung über bischöfliche Badewannen verstellt in Deutschland inzwischen auch den Blick darauf, dass die meisten Katholiken mit ihren Bischöfen eigentlich ganz gut leben können.

"Südkurier", Konstanz

Der Papst wird an der Entscheidung gemessen. Er musste das Limburger Schiff der Kirche wieder in Fahrt bringen und die Schiffbrüchigen einsammeln. Gleichzeitig wollte er nicht der Kommission vorgreifen. Das ist gerecht. So fällte er einen Beschluss auf Zeit. Wie die Zukunft des glücklosen Bauherrn Tebartz-van Elst aussieht, bleibt offen. Dass er sein Amt zunächst behalten darf, ist großzügig. Ein weicher Fall. Es mag an manchem deutschen Fürsprecher liegen, den er in Rom fand. Der Schiedsspruch des Papstes ist nicht salomonisch. Aber er ist franziskanisch und barmherzig.

"Mittelbayerische Zeitung", Regensburg

Der Papst will ausdrücklich, dass die Hirten den Geruch ihrer Herde verströmen. Bis nach Rom ist durchgedrungen, dass Tebartz-van Elst in der Auffassung der meisten Beobachter in und um Limburg viel eher nach Schwefel riecht. Will der Papst sich also nicht selbst widersprechen, darf es für Tebartz-van Elst kein Zurück nach Limburg geben. Fällt die definitive Entscheidung anders aus, würde Franziskus das Anliegen der Gläubigen nach einem Neuanfang mit Füßen treten. Auch der Papst hätte dann seinen Kredit verspielt. Das weiß Franziskus. Er riskiert einiges, wenn er die Lösung des Falls nun aufschiebt.

"Nordsee-Zeitung", Bremerhaven

Nüchtern betrachtet hat Franz-Peter Tebartz-van Elst sich als Bischof von Limburg unmöglich gemacht. Aber ein Schwerverbrecher ist er nicht. Und die rund 30 Millionen, die er in seiner Diözese versenkt hat, schluckt der Pannen-Flughafen von Berlin seit der geplatzten Eröffnung jeden Monat. Das alles kann freilich an einer schlichten Wahrheit nichts ändern: Eine Kirche, die Wasser predigen möchte, darf keinen Wein trinken.

"Heilbronner Stimme"

Der Schaden für die katholische Kirche, den der Bischof angerichtet hat, ist gewaltig, da hilft auch ein Rückzug auf Raten nicht. Und auch nicht die Einordnung der Persönlichkeit als irgendwie krank. Den Limburgern war und ist dieser geistliche Führer ohnehin nicht mehr zuzumuten. Der Fall sollte nicht nur innerkirchlich Konsequenzen nach sich ziehen. Die Trennung, besser Nichttrennung von Kirche und Staat gehört nach etlichen Jahrzehnten Stillstand neu auf den Prüfstand. In jedem Fall aber haben die Steuerzahler - und nicht nur Kirchensteuerzahler.

"Pforzheimer Zeitung"

Wer nun aber die pure Milde hinter Tebartz-van Elsts vorübergehendem Rückzug wittert, unterschätzt die kirchliche Kunst, Kritik zwischen den Zeilen zu verstecken. Tatsächlich ist es ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, einen Bischof seinem Bistum zu entziehen. Im Bulletin ist übrigens nicht die Rede davon, dass Tebartz-van Elst nach Limburg zurückkehrt. Das bleibt offen - auch das ein deutliches Signal in Richtung des Bischofs, dem obendrein noch ein Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Aussage droht. Doch egal, wie es ausgeht: Seiner Diözese kann er kaum noch glaubwürdig als Oberhirte dienen.

"Die Tagespost", Würzburg

Papst und Vatikan haben sich von der Medienhysterie um Bischof Tebartz-van Elst nicht beeindrucken lassen. Stattdessen hält es die nun gefällte Lösung offen, dass Tebartz-van Elst an die Spitze der Diözese Limburg zurückkehrt. Damit das geschehen kann - und es sollte geschehen, damit jeder weiß, dass man einen Kirchenmann nicht mit einem medial angeheizten "shitstorm" aus dem Amt jagen kann -, sind einige Voraussetzungen nötig. Über den Bischof von Limburg sind groteske Verzerrungen geschrieben worden. Der Quatsch muss aufhören. Im Sinne des Journalismus. Schreibt die Fakten, sagt eure Meinung, aber erfindet keine Lügen. Zur Faktenklarheit gehört auch, dass man den Prüfbericht der Kommission der Bischofskonferenz zur Bau-Affäre abwartet.

lin/DPA / DPA