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Schädlingsbekämpfung: Mit Nutella gegen Nager

Auf jeden der 1,8 Millionen Hamburger kommen bis zu vier Ratten. Die so genannten Beckentaucher dringen sogar bis in Etagenwohnungen vor. Mit süßer Creme will man die Nager in die Falle locken.

Seit sechs Jahren ist Norbert Feddern in Hamburg auf Rattenjagd. Der gelernte Schädlingsbekämpfer hat in dieser Zeit Millionen von Ratten den Garaus gemacht. Seine Rattenköder, mit einem Gift, das die Tiere innerlich verbluten lässt, deponiert er vor allem im Stadtpark und an den Uferböschungen der Alster und ihrer Kanäle. Aber auch mit Nutella geht der 42-Jährige gegen die gefräßigen Tiere vor: Die süße Creme lockt die Nager in eine Schlagfalle, die ihnen das Genick bricht.

"Fünf Millionen Ratten in der Stadt"

Der Einsatz ist nötig, denn Ratten vermehren sich explosionsartig: Ein Rattenpärchen kann nach den Worten des Biologen Udo Sellenschlo vom Hygiene-Institut in einem Jahr für 700 Nachkommen sorgen. "Nach nur sechs Wochen sind die Jungtiere geschlechtsreif", sagt Sellenschlo. Auf jeden der rund 1,8 Millionen Hamburger kommen nach seinen Worten schätzungsweise drei bis vier Ratten. "Es gibt damit mindestens fünf Millionen Ratten in der Stadt", bestätigt der Fachmann. In anderen Städten sei das Verhältnis ähnlich.

Genaue Zahlen gibt es nicht, denn die Tiere leben im Untergrund, in der Kanalisation oder im "eigenen Bau" auf öffentlichem Grund, unter Privatgärten und Grünanlagen. Wenn es heiß wird, kommen sie allerdings ans Licht, weil sie Flüssigkeit brauchen und vom Picknickmüll in den Parks angelockt werden. Einige wenige, die so genannten Beckentaucher, dringen sogar bis in Etagenwohnungen vor. So sorgte kürzlich im Hamburger Stadtteil Eilbek eine Ratte für einen Polizeieinsatz: Ein Mieter hatte die Beamten gerufen, nachdem eine Ratte durch die Toilette in seine Wohnung gelangt war.

Sieben Rattenfänger sind zur Bekämpfung der Allesfresser in Hamburgs Oberwelt im Einsatz. An bestimmten Plätzen werden immer wieder Köder ausgelegt, nach Hinweisen auch an anderen Stellen. Im "Untergrund" sorgt die Stadtentwässerung mit Spezialtrupps für die Vernichtung der Tiere in der Kanalisation. "Ratten kommen überall vor", betont Sellenschlo. Vor allem im Sommer sind sie aber auch sichtbar und sorgen für Angst und Schrecken. "Jeder Bürger, der eine Ratte sieht, ist verpflichtet, dies zu melden", sagt die Sprecherin der Hygiene-Behörde, Janne Klöpper.

Flöhe, pest und Ruhr

"Über 40 Krankheitserreger können theoretisch durch Ratten übertragen werden", betont der Biologe Sellenschlo. Dazu gehörten durch Ratten-Flöhe auch Furcht erregende Krankheiten wie Pest und Ruhr. Müll, unsachgemäße Komposthaufen und Körnerfutter für Hühner und andere Vögel lockten die Ratten an. Hier könne die Bevölkerung selbst mithelfen, die Rattenplage einzudämmen, sagt der Experte.

Für das Problem sensibilisieren soll eine "rattenscharfe" Fahrradtour zu Plätzen, an denen die Rattenfänger immer wieder aktiv werden müssen. Am 7. September zeigt Feddern im Auftrag seiner Behörde im Zusammenwirken mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Interessierten seine Arbeitsplätze. Ob es dabei tatsächlich tote Ratten zu sehen gibt, ist allerdings offen, denn meist sterben die Tiere so wie sie leben - im Verborgenen.

Maja Abu Saman/DPA / DPA
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