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Schlafentzug, Autoimmunkrankheit: Haft soll Middelhoff krank gemacht haben

Der inhaftierte Ex-Manager Thomas Middelhoff ist angeblich schwer krank. Laut Verteidigung seien Haftbedingungen wie in Guantanamo schuld daran.

Gestürzter Topmanager Thomas Middelhoff bei seiner Gerichtsverhandlung im November 2014

Gestürzter Topmanager Thomas Middelhoff bei seiner Gerichtsverhandlung im November 2014

Thomas Middelhoff, inhaftierter ehemaliger Topmanager, ist angeblich schwer krank. "Bild am Sonntag" berichtet, Einblick in "Justizunterlagen" gehabt zu haben, in denen die Gesundheit des 61-Jährigen thematisiert wird. Demnach wurden bei ihm "Wassereinlagerungen und Verstopfungen" festgestellt sowie Geschwulste an den Unterschenkeln und Ekzeme an Händen und Füßen. Im Februar habe eine Hautärztin bei Middelhoff die äußerst seltene Autoimmunkrankheit Chilblain Lupus diagnostiziert, so die Zeitung. Eine Krankheit, die eigentlich fast ausschließlich bei Frauen auftritt und mit Kälteempfindlichkeit zu tun hat, die dazu führt, dass der Körper sozusagen sich selbst bekämpft.

Mitte November 2014 wurde Middelhoff wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und wegen Fluchtgefahr gleich ins Gefängnis gebracht. Seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Essen ein. Ende Februar sei er wegen seiner Erkrankung eine Woche lang im Universitätsklinikum Essen behandelt worden und medikamentös eingestellt.

672 schlaflose Stunden

Laut dem Bericht haben Middelhoffs Anwälte auch eine Erklärung dafür, wieso ihr Mandant so krank sei: Schlafentzug in der Haft. Eine Haftbeschwerde wurde bereits eingereicht.

Der Arcandor-Chef habe in den vier Wochen der Untersuchungshaft - "über einen Zeitraum von 672 Stunden" - nicht schlafen können, heißt es. Middelhoff sei Tag und Nacht alle 15 Minuten geweckt worden. Gemäß "Bild am Sonntag" hätten die Verteidiger die Haftbedingungen mit dem US-Gefangenenlager Guantanamo verglichen, "wo die Höchstdauer des Schlafentzuges bei 180 Stunden gelegen" habe.

"Das Leben des Gefangenen hat Vorrang"

Tatsächlich sah die Essener Justiz bei Middelhoff eine Selbstmordgefahr, was zur regelmäßigen Kontrolle führte. Der Chef der Essener Haftanstalt, Alfred Doliwa, wehrt sich in der Zeitung gegen die Vorwürfe: "Wenn jemand alles zu verlieren droht, ist das der typische Fall eines Bilanz-Selbstmordes. Das Leben des Gefangenen hat Vorrang." Nach mehreren Gesprächen mit dem Gefangenen sei beschlossen worden, die umfassende Überwachung zu beenden.

Mitte März habe sich das Oberlandesgericht Hamm mit der Haftbeschwerde befasst, heißt es weiter. Ein Zusammenhang zwischen Schlafmangel und der Erkrankung wurde nicht festgestellt, so der Bericht. Dass Middelhoff krank sei bestätigt worden. Weil weiterhin große Fluchtgefahr bestehe, müsse der Ex-Manager in Haft bleiben.

sal