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Sommerhitze 2013 Weniger jammern, mehr glücklich sein


Hört die Nörgelei nie auf? Erst war es zu kalt, jetzt ist es zu warm. Dabei hilft die Hitze, weniger zu denken - was glücklich macht. Studien zeigen, warum uns der Sommer Spaß UND zu schaffen macht.
Von Niels Kruse

Es war absehbar. Natürlich. Monate lang hielt der Winter das Land in seiner vereisten Faust gefangen. Jetzt, nach ein paar Wochen mit Sonnenschein und Temperaturen von mehr als 30 Grad, ist es aber wieder nicht Recht: Die stern.de-Kollegin Julia zum Beispiel, zuständig für Soziale Medien, hat im Handumdrehen 14 Gründe aufgeschrieben, warum ihr der Sommer auf den Keks geht:

  • Menschen riechen nicht gut
  • Man bekommt Sonnenbrände und -stiche
  • Der Stromverbrauch ist enorm, weil man andauernd vor dem offenen Kühlschrank sitzt
  • Man bekommt aber Erkältungen, weil er auf Minusgrade eingestellt ist
  • Man kann weder schlafen noch atmen
  • Jede Bewegung führt zu einem körperlichen Totalausfall
  • Dämliche Mückenviecher und sonstiges Getier
  • Man wird fett vom ständigen Grillen und Biertrinken im Garten
  • Ohne Klimaanlage stirbt man im Auto
  • Öffentliche Verkehrsmittel sind aber auch ekelhaft
  • In der Wohnung ist es noch wärmer als draußen
  • Die Sonne blendet auf die Bildschirme von Fernsehen/Computer/Smartphone
  • Man hat ständig ein schlechtes Gewissen, weil man lieber Serien guckt, als mit diesen ganzen, überaktiven Menschen in Flipflops im Park Volleyball zu spielen
  • Alle posten ständig Strandbilder mit ihren haarigen nackten Hobbitfüßen

Warum macht der Sommer Spaß und gleichzeitig zu schaffen?

Na gut, es stimmt ja. Zumindest teilweise: Sommer ist schön, er macht bräsig, faul und antriebslos. Vermutlich fahren die Menschen genau aus diesem Grund zum Urlauben in den Süden. Das US-Magazin "The New Yorker" hat sich dem Thema angenommen und die naheliegende Frage gestellt: Warum ist das eigentlich so? Warum machen Sonne und Hitze uns so viel Spaß und gleichzeitig so zu schaffen?

Da wäre zum einen - nicht unbedingt überraschend, aber wissenschaftlich belegt - die Tatsache, dass die Menschen bei Wärme und schönem Wetter lieber rausgehen als bei Regen und Kälte. Wäre man vielleicht auch ohne die Hilfe einer Studie draufgekommen. Weil im Sommer genau deswegen weniger gearbeitet werde, beziehungsweise weniger Überstunden gemacht würden, besetzten die meisten diese Zeit positiv. Folge: Sommer wird mit Entspannung, Muße und Lockerheit verbunden. Anders gesagt: Sommer ist super, weil er super ist.

Weniger denken, glücklich sein

Aber, ebenfalls klar: Das Wetter macht leichtfertig. Zu besichtigen in jedem Café, an Stränden oder auf Einkaufsmeilen, wenn Weißwurstbäuche so nonchalant präsentiert werden wie im heimischen Badezimmer. Der "New Yorker" zitiert dazu eine Untersuchung, nach der vor allem Schwüle die Fähigkeit zu kritischem Denken reduziert. Schuld daran sei die Hitze, die den Körper dazu zwinge, möglichst wenig Energie zu verbrauchen - physisch wie psychisch. Und wer weniger denkt, macht sich weniger Sorgen und ist glücklicher.

Es spricht also eigentlich alles für Sonne, Wärme und lange, laue Nächte - zumindest dann, wenn man nicht gerade neue Trimm-Dich-Geräte erfinden muss. Oder ähnliches. Aber, natürlich gibt es ein Aber, auch der perfekte Sommer hat eine Grenze: Sie liegt bei rund 90 Grad Fahrenheit, also ungefähr 33 Grad Celsius. Ab dieser Temperatur schlägt der sommerliche Wohlfühleffekt um. Dazu zitiert das Magazin die Ökonomin Marie Connolly, die herausgefunden hat, dass der Einfluss der Wärme die Glücksgefühle stärker herunterdimmt als etwa Gedanken an Scheidung oder Verwitwung.

So gesehen wird sich Kollegin Julia die nächsten Tage kalt anziehen müssen: Denn es wird am Wochenende heißer. Und schwüler. Bis zu 37 Grad sollen es im Südwesten werden. Was im Vergleich zu New York aber immer noch mild ist. Dort kletterte das Thermometer zuletzt auf fast 43 Grad. Also liebe Julia, Senioren, Sommermimosen und andere Nörgler, wenn es hier soweit kommt, dürft ihr meckern. Vorher nicht.

Und was sie besser lassen sollten

Und hier noch ein paar Hinweise, was Sie bei diesen Temperaturen besser ebenfalls nicht tun sollten:

Kalt duschen.

Bei Gewitter rausgehen.

Zu schnell, zu stark abkühlen.

Bei einer Mückenplage Reis essen.


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