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Umfrage: Fast jeder zweite Deutsche hat Probleme

Auch fünf Jahre nach der Rechtschreibreform kann sich fast jeder zweite Deutsche nicht mit der neuen Orthografie anfreunden. Ein Ärgernis ist sie für die Mehrheit der Deutschen dennoch nicht, wie eine Umfrage ergab.

Fast jeder zweite Deutsche kann sich auch fünf Jahre nach der Rechtschreibreform nicht mit der neuen Orthografie anfreunden. Laut einer polis-Umfrage im Auftrag der dpa halten 46 Prozent der Deutschen sie für "alles in allem unverständlich". 15 Prozent antworteten auf die Frage, ob die neue Rechtschreibreform verständlich ist, mit "trifft voll und ganz zu". 33 Prozent sagten, "trifft eher zu".

Höchste Zustimmung bei 14- bis 34-Jährigen

Die höchste Zustimmung findet sich mit 55 Prozent bei den 14- bis 34-Jährigen, die niedrigste mit 42 Prozent bei den über 55-Jährigen. Vor allem 63 Prozent der 14 bis 19-Jährigen und 57 Prozent der 20 bis 29-Jährigen sind (eher) der Meinung, die neue Rechtschreibung sei verständlich. Zwischen West- und Ostdeutschen, Männern und Frauen, gibt es kaum Unterschiede.

Unabhängig vom Alter steigt der Grad der Zustimmung mit der Höhe der formalen Bildung. Während 42 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluss die Rechtschreibreform für verständlich halten, sind es laut Umfrage 48 Prozent der Befragten mit mittlerem Bildungsabschluss und 51 Prozent der Befragten mit Abitur oder Hochschulabschluss.

Kein Ärgernis für die Mehrheit

Ein Ärgernis ist die neue Rechtschreibung für die Mehrheit der Deutschen dennoch nicht. Nur ein Drittel der Befragten (33 Prozent) regt sich über den Wechsel etwa von "Ketchup" zu "Ketschup" oder "Delphin" zu "Delfin" auf. Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) ärgern sich laut Umfrage gar nicht.

Obwohl sich die deutliche Mehrheit über die neue Ortografie nicht aufregt, konsequent angewandt wird sie dennoch nur von einer Minderheit. Laut Umfrage stimmten nur 22 Prozent der Deutschen der Aussage voll und ganz zu, "die Rechtschreibreform wird von mir benutzt". 24 Prozent stimmten ihr "eher" zu. Ein Viertel der Befragten äußerte sich eher ablehnend. 29 Prozent erklärten, die neue Rechtschreibung überhaupt nicht anzuwenden.

Zustimmung nimmt mit Bildung zu

Auch bei der Frage der Nutzung nimmt die Höhe der Zustimmung mit der Bildung zu. Demnach wenden 30 Prozent der Hautschulabsolventen, 44 Prozent der Befragten mit mittlerem Abschluss und 51 Prozent der Abiturienten beziehungsweise Akademiker die neuen Rechtschreibregeln mittlerweile an.

Ein Grund für die nach wie vor nicht übermäßig hohe Zustimmung zur neuen Rechtschreibung könnte deren unterschiedliche Nutzung durch Verlage und Medien sein. 69 Prozent der Befragten unterstützen daher die Forderung "voll und ganz", dass die Ortografie in Büchern und Zeitungen einheitlich sein sollte. 16 Prozent stimmten dem Wunsch eher zu, 9 Prozent eher nicht und 4 Prozent überhaupt nicht zu.

(Das in München ansässige polis-Institut befragte im Auftrag der dpa zwischen dem 22. und 24. Juli insgesamt 1004 Menschen im Alter von mindestens 14 Jahren.)

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