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Video Bad Neuenahrs Bürgermeister: "Für Schuld-Diskussionen stehe ich nicht zur Verfügung"

In dem vom Hochwasser stark getroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde am Samstag eine Behelfsbrücke eingeweiht, die die beiden Teile der Kreisstadt wieder verbinden soll. Nahezu alle Brücken der 27.000-Einwohner-Stadt waren durch die Fluten Mitte Juli zerstört worden. Bürgerinnen und Bürger konnten seitdem nur mit einer Behelfs-Fähre auf die andere Seite kommen. Laut Bürgermeister Guido Orthen sei es das wichtigste, dass man den Menschen im Katastrophengebiet eine Perspektive bietet: "Für jeden Tag einen Millimeter mehr Normalität. Ehe hier Normalität einkehrt, dauert es lange. Aber jeden Tag ein Stück zurück von dem, was wir brauchen und was wir gewohnt sind, sowohl beim Strom, wie beim Wasser, da sind wir sehr, sehr weit. Und jetzt geht's wieder in die Infrastruktur." Das Bundesamt Technisches Hilfswerk hatte mit dem Bau der Brücke bereits am 19. Juli begonnen, vier Tage nach der verheerenden Sturzflut. Für Verwirrung sorgt derzeit eine Meldung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die besagt, dass die Behörden im Landkreis Ahrweiler die Bevölkerung früher vor dem verheerenden Hochwasser hätten warnen können. Die Zeitung beruft sich auf einen Sprecher der Kreisverwaltung. Am Abend des 14. Juli habe der Landkreis demnach erst gegen 23.00 Uhr den Katastrophenfall ausgerufen und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Vor einem Pegelstand von fast sieben Metern seien die zuständigen Stellen, laut FAZ, jedoch schon um 21:30 gewarnt gewesen, vor einem Pegel von fast vier Metern sogar schon am Nachmittag. "Erstens haben wir noch ganz andere Sorgen. Wir, glaube ich, müssen uns um die Menschen kümmern, die andere Menschen verloren haben, die ihre Lieben verloren haben, die traumatisiert sind. Und ich glaube, sicher wird die Frage aufgearbeitet werden, wie hier nicht nur bei uns, sondern grundsätzlich Alarmsysteme funktionieren. Aber für Schuld-Diskussionen stehe ich nicht zur Verfügung im Augenblick." Bei der Flutkatastrophe in Westdeutschland sind nach jetzigem Kenntnisstand über 180 Menschen ums Leben gekommen. An der Opferzahl gemessen war es die schwerste Naturkatastrophe in Deutschland seit der Sturmflut im Jahr 1962.
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In dem vom Hochwasser stark getroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde am Samstag eine Behelfsbrücke eingeweiht. Auch Bürgermeister Guido Orthen war vor Ort.

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